Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Das Mittwochs-Interview

Fußball-Bezirksvorsitzender Edgar Pakai über die ersten Erfahrungen mit den neuen Verordnungen

Seit dieser Runde müssen die Fußballvereine zwei Ordner stellen sowie eine Coaching-Zone einrichten. Bezirksvorsitzender Edgar Pakai spricht im SÜDWEST PRESSE-Interview über diese Vorgaben des Verbands (WFV), die Kritik der Vereine, und dass er die Probleme unterschätzt habe.

15.09.2010

SÜDWEST PRESSE: Herr Pakai, im Vorfeld gab es Diskussionen wegen den neuen Verbandsordnungen, der Bezirk hat deshalb auch drei Informationsabenden veranstaltet. Wie stehen Sie als Bezirksvorsitzender zu den Coaching-Zonen und zu stellenden zwei Ordnern bei jedem Fußballspiel?

Edgar Pakai: Diese Vorgaben beziehungsweise Änderungen sind ja unter Einbeziehung der Bezirksvorsitzenden zustandegekommen. Die Vorgabe mit den Platzordnern hatte übrigens schon immer Bestand, nur nicht in der Form wie jetzt, dass diese Westen tragen müssen. Die Bezirksvorsitzenden, speziell auch ich, waren aber nie darauf gefasst, dass dies so einen Widerstand bei den Vereinen hervorruft.

Weshalb nicht?

Wir haben uns diese Frage überhaupt nicht gestellt, inwiefern es bei den Vereinen diese Probleme gibt mit den zwei Ordnern! Diese Problematik war uns gar nicht bewusst, so dass wir das im Prinzip als gegessen angesehen haben. Und jetzt stellt sich offensichtlich heraus, dass wir die Belange der Vereine nicht richtig gewürdigt haben. Denn der Grundtenor aller Veranstaltungen war: Wir kleine Vereine sind mit ehrenamtlichen Helfern so knapp ausgestattet, und diese leisten so viel, dass wir denen jetzt nicht auch noch den Ordnungsdienst auf die Backe drücken können!

Was Sie überrascht hat?

Ja, da haben wir die Situation vielleicht ein bisschen unterschätzt. Das war das Hauptthema in allen diesen drei Schulungen. Ich habe Verständnis für die Vereine, die Situation ist tatsächlich insofern bedrohlich, weil man keine Freiwilligen mehr aus dem Hut zaubern kann. Da möchte ich auch den Vereinen im Nachhinein recht geben und versuche, ihnen zu helfen – aber das gestaltet sich im jetzt schon ein bisschen schwieriger.

Wie können Sie helfen?

Es wurde zum Beispiel gefordert, man sollte einen Probelauf machen für diese ganze Angelegenheit. In der Zwischenzeit hat sich herauskristallisiert, dass man diesen Probelauf mal bis zur Winterpause hernimmt und sich sagt: Bis dahin passiert noch gar nichts – wir probieren das jetzt erst einmal aus, ob und wie das funktioniert, und sanktionieren das nicht! Mit keinem Auge ist daran gedacht, bei etwaigen Verstößen gegen diese Verordnungen Bußgelder zu verlangen. Wir haben gesagt, wenn das jetzt schon so überraschend kommt oder eine Überforderung darstellt, dann müssen wir auch nicht gleich mit Kanonen nach Spatzen schießen, sondern das einigermaßen erträglich gestalten.

Und wenn die Erfahrungen nach dem „Probelauf“ negativ sind – haben Sie als Bezirksvorsitzender überhaupt Einfluss darauf, damit der Fußballverband die Verordnungen zurücknimmt?

Da hat man mit Sicherheit keine großen Möglichkeiten. Ich habe jetzt aufgrund der Einlassungen des FC Göttelfingen mit dem Frank Thumm, der die Rechtsabteilung des WFV leitet, gesprochen. Klaus Flaig vom FC Göttelfingen hatte mir nämlich verständlich gemacht, dass man in der Kreisliga B 3, die ja als Reserve für die Bezirksliga gilt, davon absieht, die Ordnergestellung verpflichtend zu machen. Der Frank Thumm hat zu mir gesagt: „Du, Edgar, das wird wahrscheinlich nicht gehen! Ich bringe es vor das Präsidium, aber ich sehe kaum eine Möglichkeit, nachdem die Mannschaften der B3 ja auch ein Aufstiegsrecht haben, dass hier eine Ausnahme gemacht wird.“

Immerhin wird die Anfrage aufgenommen und behandelt.

Ja, man versucht schon, die Gedanken der Vereine weiterzuleiten und versucht, daraus was zu machen. Aber das ist nicht unbedingt immer von Erfolg gekrönt.

Manche Vereine haben die vorgeschriebenen Ordnerwesten noch gar nicht erhalten. Hätten nicht erst diese Materialien vorhanden sein müssen, bevor eine Verordnung darüber beschlossen wird?

Da bin ich auch nicht ganz glücklich darüber. Offensichtlich ist da ein logistischer Fehler entstanden, wenn man fast 10 000 oder 11 000 solcher Westen haben muss. Der Verein bekommt sechs Stück – offensichtlich lässt sich das nicht sofort umsetzen. Das ist ein Kritikpunkt, da muss ich den Vereinen recht geben: Wenn man was einführt, dann muss ich auch das Material hierfür haben! Aber das wird jetzt sukzessive von oben nach unten verteilt. Die höherklassigen Vereine kommen zuerst, und dann denke ich, dass wir Anfang Oktober auch für unsere Vereine die Westen haben.

Haben sich viele Vereinsvertreter wegen den Verordnungen bei Ihnen gemeldet?

Die Haltung ist kritisch, gottseidank. Ich gehöre ja auch nicht zu denen, die zu allem mit dem Kopf nicken und Hurra schreien! Aber das habe ich offensichtlich ein bisschen falsch eingeschätzt mit diesen zwei Ordnern. Markus Fischer vom SV Alpirsbach war beispielsweise froh darüber, dass er von der WFV-Geschäftsstelle ein entsprechendes Antwortschreiben auf seine Anfrage hin bekommen hat. Es wird also alles aufgenommen, was kommt, und es wird versucht, alles aufzuarbeiten.

Der Grundgedanke dieser Verordnungen muss ja positiv bewertet werden: Gewalt soll dadurch vorgebeugt werden.

Ja, denn wer ist schon nicht gegen Gewalt? Selbst das Argument, „wir haben in unseremBezirk ja fast paradiesische Zustände“, helfen nicht darüber hinweg, dass wir sorglos in den Tag leben können. Wir sind gottseidank einer von den wenigen Bezirken, in denen es nicht jeden Sonntag „klöpft“. Aber nur weil es beispielsweise in Stuttgart manchmal schlimm zugeht, können wir nicht sagen: „Macht und löst euren Scheiß alleine und lasst uns in Ruhe mit dem Zeug!“ Da ist der Solidaritätsgedanke innerhalb der Bezirke der wesentliche Faktor, dass wir das auch mittragen.

Wie geht’s dann nach dem „Probelauf“ weiter?

Ich habe dem Karl-Heinz Schiller, Vorsitzender des TuS Betra, gesagt, dass ich in seinem Vereinsheim eine Versammlung machen würde, mit einem Rückblick auf diese Vorrunde. Wir sammeln die Ergebnisse, reden mit den Vereinen, die das vielleicht nicht auf die Reihe bekommen und schauen, ob wir da helfen können. Ich habe nämlich auch kein Interesse daran, dass da jemand finanziell über Gebühr strapaziert wird. Das darf auch nicht so verstanden werden, dass diese Ordnungsmaßnahmen eine heimliche Einnahmequelle für den Verband wieder ist – das ist nicht gedacht! Archivbild: Kuball

Das Interview führte Tobias Zug

Fußball-Bezirksvorsitzender Edgar Pakai über die ersten Erfahrungen mit den neuen Verordnungen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball