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Ein Fluch als Segen

Fußball: Die Brüder Niclas und Marvin Kiefer über ihre Karriere beim SV Gündringen

Niclas (22) und Marvin (19) Kiefer kommen aus einem sehr kleinen Dorf. So klein, dass der Fußballverein keine Jugendmannschaft zusammenkriegt. Deswegen verleiht der SV Gündringen seine Spieler an andere Vereine. Dort reifen die Jugendlichen heran, bis sie in die aktive Mannschaft zurückkehren. Aus diesem Grund verbrachten auch die Kiefer-Brüder einen Teil ihrer Karriere in der Fremde. Inzwischen sind sie wieder zurück im Heimatverein.

12.11.2015
  • Peter Strigl

Gündringen. Nicolas Kiefer spielte zwei Jahre in Haiterbach, bevor es zur Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit dem VfL Nagold kam, Gündringens Jugendspieler aufzunehmen. Bruder Marvin spielte ab der D-Jugend dort. Niclas ist nun schon seit einigen Jahren wieder zurück in der Heimat, wurde sowohl Meister in der Kreisliga B als auch in der Kreisliga A und gewann drei Mal den Bezirkspokal mit Gündringen. „Alle zwei Jahre im Schnitt“, berichtet er stolz. Deswegen laute die Devise für dieses Jahr, den Pokal zum ersten Mal auch erfolgreich zu verteidigen. Im Scherz sprechen die Gündringer von einem Fluch, der auf ihnen laste, sodass sie den Pott „nur“ alle zwei Jahre gewinnen.

Der Fluch ist jedoch auch ein Segen, denn für eine Mannschaft wie Gündringen, die sich derzeit eher im Mittelfeld der Bezirksliga herumtreibt, sind diese Erfolge eine große Sache: „Wir haben da irgendwie immer nochmal eine andere Motivation“, sagt Niclas Kiefer. Vergangenes Jahr erhielten die Gündringer bereits Schützenhilfe durch Niclas‘ Bruder Marvin, der als Allrounder quasi alle Positionen besetzen kann. Zurzeit ist er der Sechser der Mannschaft im defensiven Mittelfeld.

Diese Saison werden die beiden jedoch nicht mehr viel Unterstützung leisten können: Marvin, der dieses Jahr sein Abitur gemacht hat, ist erst mal für ein halbes Jahr in Australien. Niclas ist für neun Monate beruflich in Dubai.

Ganz ohne Kiefers muss die Mannschaft allerdings nicht auskommen: Nach wie vor spielen dort Robin und Julian Kiefer, die entfernt mit den beiden verwandt sind. Langfristig wollen auch die Kiefer-Brüder ihrem Verein die Treue halten: Beide wollen in Gündringen bleiben und haben bereits Pläne für nach ihrer Rückkehr. In der SÜDWEST PRESSE sprechen sie über sich und den Bruder:

Immer im selben Verein?

Marvin: Ich habe meine Jugend bis zur E-Jugend in Gündringen verbracht, danach bin ich nach Nagold bis zur A-Jugend. Das sind zwei Vereine, aber die Jugend geht traditionell zu Nagold, weil Gündringen zu wenige Spieler hat. Letzte Saison habe ich dann schon ein paar Mal wieder ausgeholfen, als Not am Mann war.

Niclas: Ich war bis zur D-Jugend in Gündringen, danach in Haiterbach. Nach zwei C-Jugend Spielzeiten kam dann das mit Nagold zustande, dass wir da als Jugendspieler hingegangen sind. In der A-Jugend kam ich dann zu den Aktiven. Obwohl ich ja den Gündringer Spielerpass hatte mit Gastspielrecht, da war ich erst 17.

Ergänzt man sich?

Marvin: Wir wissen die Stärken vom anderen, das hat schon Vorteile im Spiel. Wir haben auch früher immer zusammen gespielt.

Niclas: Definitiv, wir verstehen uns am besten. Wen kennt man besser als den eigenen Bruder?

Gibt es Konkurrenzdenken?

Marvin: Natürlich, wenn auch nicht positionsmäßig. Aber halt so, wie es unter Brüdern ist: Jeder will besser sein als der andere. Aber nicht auf eine böse Art und Weise.

Niclas: Naja, es ist eher ein positiver Ansporn. Keiner will die zweite Geige spielen. Aber das ist nicht unbedingt schlecht.

Was kann der Bruder besser?

Marvin: Erstmal ist er ziemlich groß: 1,96 Meter. Damit ist er stark in der Luft und sein körperbetontes Spiel ist auch gut. Außerdem ist er ein Führungsspieler. Eigentlich ist er stellvertretender Mannschafts-Kapitän, aber zuletzt hat er wegen einer Verletzung unseres Kapitäns mit der Spielführer-Binde am Arm gespielt.

Niclas: Er ist ein sehr intelligenter Spieler. Er ist flexibel einsetzbar: als Stürmer, in der Abwehr oder im linken Mittelfeld. Da bin ich eher eingeschränkter. Ich bin definitiv in der Verteidigung beheimatet. Außerdem hat er ein gutes Ballgefühl.

Mal ehrlich: Wer ist besser?

Marvin: Das ist schwer zu sagen, weil wir wie gesagt verschiedene Positionen spielen. Er hat seine Qualitäten und ich habe vielleicht andere, die sind aber nicht schlechter.

Niclas: Wenn ich 100-prozentig ehrlich bin, würde ich sagen, dass er der bessere Fußballer ist. Aber ich gleich das durch größere Erfahrung und kämpferische Spielweise zum Teil wieder aus – mal diplomatisch ausgedrückt.

Wie siehts mit Training aus?

Marvin: Wir gehen gleich oft – immer dienstags und freitags. Nur war er zuletzt eben verletzt. Wir gehen immer zusammen hin. Es kommt eigentlich nicht vor, dass einer keinen Bock hat. Man kann nicht nur spielen, sondern muss auch trainieren. Das ist uns eigentlich beiden klar.

Niclas: Wir fahren immer zusammen und regelmäßig, man kann nicht sagen, dass einer fleißiger ist. Wir haben beide ziemlich Spaß im Training.

Sind Brüder gut fürs Team?

Marvin: Sicher – sie verstehen sich gut, wenn sie die gleichen Interessen haben, auf jeden Fall. Wir haben ja noch ein anderes Brüderpaar im Team, die sind auch sehr gut für die Mannschaft.

Niclas: Ja – auch gerade bei uns beiden.

Ein Wort an den Bruder:

Marvin: Oh Gott, das ist eine schwere Sache. Ich hoffe, dass er die Zeit auf Reisen genießt und gesund und motiviert wieder zurückkommt, damit wir zusammen wieder beim SV Gündringen angreifen können.

Niclas: Das ist jetzt schwierig, da brauch ich ein paar Sekunden… Am liebsten würde ich mal mit meinem Bruder die obere Tabellenhälfte anpeilen, wenn wir zurück sind. Irgendwann in die Landesliga aufzusteigen wäre ein Traum.

Fußball: Die Brüder Niclas und Marvin Kiefer über ihre Karriere beim SV Gündringen
Brüder in Manndeckung: Niclas Kiefer (Zweiter von rechts) und sein jüngerer Bruder Marvin Kiefer (Dritter von links) vom SV Gündringen im Spiel gegen SG Dornstetten.Bild: Tietze/SVG

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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