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Ein halbes Dutzend eingeschenkt

Fußball-Relegation: Vollmaringen deklassiert Klosterreichenbach und spielt nun gegen Ahldorf-Mühlen

Es gibt Fußballspiele, die vergisst du dein Leben nicht. Am Samstag war in Marschalkenzimmern so ein ganz besonderes Spiel. Zwei vermeintliche Teams auf Augenhöhe, beide Vizemeister ihrer jeweiligen A-Ligen, standen sich im Entscheidungsspiel zur Relegation gegenüber. Am Ende siegte Vollmaringen gegen Klosterreichenbach haushoch mit 6:0.

15.06.2015
  • Uli Bernhard

Marschalkenzimmern. 6:0 in der Relegation? Jawohl – richtig gelesen. Vollmaringen spielte zeitweise mit dem Gegner Katz und Maus, wobei man ganz klar anmerken muss, dass die Spieler aus Klosterreichenbach schon auch ein bisschen ihren Anteil daran hatten, dass sie im Prinzip chancenlos abgeschossen wurden. Gino Gässler hatte nach zwei Minuten eine ganz dicke Chance – vergeben. A-Junior Erik Schweizer traf nach 17 Minuten zum vermeintlichen 1:1 – stand aber haarscharf im Abseits. Kurz vor der Pause hatte der bullige Cem Nurali gleich zwei riesige Chancen, um für seine Klosterreichenbacher einzunetzen – auch er blieb erfolglos.

Zugegeben: Das hier war eine Anreihung aller Tormöglichkeiten der Klosterreichenbacher in der ersten Stunde des Spiels. Dies nur, um zu zeigen, dass auch Klosterreichenbach auf dem Platz gewesen ist und nicht etwa das Spiel kampflos her geschenkt hat. Trainer Mario Schweizer sprach hinterher allerdings von „dilettantischen Fehlern“, die seine Jungs gemacht hätten.

Vollmaringen hatte vor der Pause zwei Standards: Beide führten zu Toren. Beim 1:0 (16.) köpfte Nico Nesch mustergültig ein, nachdem ihn Daniel Krespach per Ecke bediente. Beim 2:0 (31.) versenkte Verteidiger Karaman Sevindi einen Freistoß etwa von der Mittellinie. Die komplette Abwehr des VfR, inklusive Torhüter Jochen Günther, sah dabei uralt aus.

Genau so gings dann nach der Pause weiter. In der 48. Minute traf Nico Nesch ausnahmsweise auch mal mit Fuß und netzte per Vollspann zum 3:0 ein. Das 4:0 ließ nur drei Minuten auf sich warten. Torschütze? Wieder Nico Nesch – diesmal wieder per Kopf. Der Held des Spiels war geboren, dabei war noch gar nicht sicher, ob Nico Nesch überhaupt in dem Entscheidungsspiel würde spielen können. Nesch lag die ganze Woche mit einer Angina im Bett. Heilende Antibiotika setzte er erst zwei Tage vor dem Spiel ab. Am Samstag machte er dann mit seinem Trainerkollegen Markus Bradtke einen halbstündigen Regenerationslauf, um wenigstens einigermaßen vom Kranken- in den Spielmodus zu kommen. Als Nesch zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde, wurde dieser enthusiastisch gefeiert. Ein Plakat „Nico ich will ein Kind von dir“ hatten Fans des SVV auch noch schnell gemalt. Nesch freute sich und gab das Lob weiter: „Das ist so eine geile Truppe, da fällt es leicht, als Torschütze aufzufallen.“

Klosterreichenbach war derweil endgültig am Boden. Wer gedacht hätte, dass nach der Pause vielleicht noch die Wende gelingen würde, der war nach einer Stunde endgültig bedient. Der Rest war Formsache: Daniel Krespach (79.) und Matthias Reynders (84.) schraubten das Ergebnis sogar noch auf 6:0 hoch. Klosterreichenbach derweil blieb nicht einmal der Ehrentreffer. Dazu nochmal VfR-Coach Mario Schweizer: „Der Nico Nesch hat das Spiel entschieden. Ich behaupte, dass Vollmaringen ohne Nesch heute nicht gewonnen hätte“.

Ein freudestrahlender Vollmaringer Trainer Markus Bradtke holte seine Jungs nach dem grandiosen Erfolg erst wieder einmal ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück. „Mit der Leistung von heute werden wir das nächste Spiel gegen Ahldorf-Mühlen sicherlich nicht gewinnen. Das ist dann ein ganz anders Kaliber“. Bradtke zielte dabei auf die unübersehbaren Fehler in der Zuordnung ab, die von einem cleveren Team in jedem Fall ausgenutzt worden wären. Aber von Cleverness war Klosterreichenbach am Samstag meilenweit entfernt. Derweil freute sich Vollmaringen über nahezu optimale Chancenauswertung.

Als das Spiel um war feierten Fans und Spieler, mittendrin auch Vollmaringens Ortsvorsteher Daniel Steinrode, ausgelassen den Sieg. Rot-weiß eingefärbter Rauchschwaden stiegen gen Himmel. Vollmaringen war außer sich. Nur einer hatte den Blick für die Realität sofort wieder gefunden, im Bewusstsein dessen, dass selbst dieser hohe Sieg in puncto Relegation gar nichts bedeutet. Trainer Markus Bradtke, der auch während des Spiels immer wieder mahnend den Zeigefinger hob, legte den Finger gleich in die Wunde, als er seine Mannschaft unmittelbar nach dem Schlusspfiff zum Kurzgespräch in den Kreis bat: „Klosterreichenbach hatte durchaus auch seine Chancen, um das eine oder andere Tor zu schießen. Wir waren noch viel zu oft viel zu weit weg von unseren Gegner. Wenn wir so gegen Ahldorf-Mühlen spielen, dann haben wir dort null Chancen. Einer vom Vollmaringer Team hörte das alles nicht, denn Torschütze Karaman Sevindi musste nach gut einer Stunde verletzt raus. Eine tiefe Schnittwunde im Gesicht musste im Krankenhaus genäht werden. Es ist mehr als fraglich, ob Sevindi auch am kommenden Sonntag in Betzweiler gegen Ahldorf-Mühlen auflaufen kann.

Fußball-Relegation: Vollmaringen deklassiert Klosterreichenbach und spielt nun gegen
Mann des Spiels: Torschütze Nico Nesch (rechts), der gleich dreimal beim 6:0-Erfolg traf. Bild: Ulmer

Mario Schweizer und die Relegation: Das ist ein Ding, das einfach nicht zusammen passt. Fünfmal in sieben Trainerjahren war Schweizer schon in der Relegation im Einsatz. Viermal hatte er vor dem Vollmaringer Spiel verloren. Er war deshalb „ganz zuversichtlich, dass die Serie endlich mal reißt“ und ließ sich außerdem so zitieren: „Egal was passiert: Für mich kann es ja nur noch besser werden“. Als die 90 Minuten in Marschalkenzimmern um waren, da blieb Mario Schweizer nur die Erkenntnis, dass auch sein persönliches fünfjähriges Relegationsjubiläum nicht mit einem Sieg gefeiert werden kann. Und es gibt halt nach einem „schlimmer“ auch noch ein „viel schlimmer“. Vielleicht war auch das der Grund, warum Schweizer, unmittelbar nach dem Relegations-Aus gegen den SV Vollmaringen sein Traineramt beim VfR Klosterreichenbach zur Verfügung stellte. „Für uns beginnen nun schwierige Tage, denn nach dem Rücktritt müssen wir nun schnell einen neuen Trainer suchen“, teilte der 1. Vorsitzende des VfR Klosterreichenbach Oliver Schneider mit. ube

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15.06.2015, 12:00 Uhr

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