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So feierten Tübinger die WM: manche auf der Brücke, einer mit den Spielern

Fußball-WM-Titel: An Tagen wie diesen

Das Fußball-Weltmeister-Endspiel bescherte den Tübinger Public-Viewing-Veranstaltern nochmals einen großen Zulauf. Im Endspielort feierte derweil der Wendelsheimer Spielerberater Ingo Haspel mit dem Nationalteam. Und TAGBLATT-Fotograf Markus Ulmer machte im Ringkampf um die besten Bilder mit.

14.07.2014
  • Volker Rekittke / Tobias Zug

Tübingen. Seine Stimme war noch angekratzt, als er um 9 Uhr Ortszeit aufwachte. Bis 3 Uhr morgens feierte der Wendelsheimer Spielerberater Ingo Haspel mit der deutschen Nationalmannschaft im Hotel. Er wäre wohl länger geblieben, doch sein Hotel lag weit außerhalb Rios, so dass er noch den letzten Bus dorthin nehmen musste. Als Berater von André Schürrle gehörte Haspel zu den geladenen Gästen der Weltmeister-Party. Bei „guten Getränken“, wie Haspel berichtete, trällerte und feierte er mit den Schweinsteigers, Boatengs und Müllers. „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen war der Party-Hit der Spieler. „Die haben alle Gas gegeben“, sagt Haspel. Und lobt: „Die haben einen totalen Zusammenhalt. Das sieht man an den Spielern, die nicht oder weniger gespielt haben, wie die sich alle gefreut und mitgegangen sind.“

Fußball-WM-Titel: An Tagen wie diesen
Es geht auch eine Fernsehgröße kleiner: „Public Viewing“ des Fußball-Weltmeisterschafts-Finales vor dem Tübinger „Collegium“. Bild: Faden

Sein Spieler, André Schürrle, war Deutschlands Edel-Joker des Turniers, wurde in sechs der sieben Spiele eingewechselt. Beim Finale schon nach einer halben Stunde – ehe er zur Flanke für das goldene Tor von Mario Götze ansetzte. Und auf der Haupttribüne lagen sich Haspel und Schürrles Vater Joachim in den Armen. Dem Marktwert des Spielers hat diese WM sicher nicht geschadet. Gibt’s viele Angebote? „Ach“, sagt Haspel, „André spielt in Chelsea, und so viele Topvereine gibt’s ja nicht, für die er Chelsea verlassen muss. Er ist ganz glücklich da.“

Mit der Weltmeister-Mannschaft flog Ingo Haspel gestern nach Berlin, wo diese heute am Brandenburger Tor empfangen und gefeiert wird. Der Wendelsheimer, seit 3. Juli in Brasilien, wird aber nicht mehr mitfeiern. Trotz aller Freude über dieses sporthistorische Ereignis („Das ist unbezahlbar, so etwas aus so einer Nähe erlebt zu haben“): Haspel fährt direkt nach Hause, nach Wendelsheim. Denn: „Ich freue mich jetzt auch auf meine Familie.“

Fußball-WM-Titel: An Tagen wie diesen
Bilder, die die Fifa nicht zeigt: Ein Ordner ringt den Flitzer nieder, der mit der Brust-Aufschrift „Natural Born Prankster (Schelm)“ auf dem Platz rumraste. Bild: Ulmer

Zwei Stunden Verspätung hatte am Sonntagabend der Flieger, der TAGBLATT-Sportfotograf Markus Ulmer aus Rio zurück bringen sollte. Ärgerlich: „Dann hätte ich auch noch länger im Stadion arbeiten können“, sagte der Wurmlinger. Wenigstens ist er unversehrt herausgekommen aus dem Ringkampf um die besten Bilder, den die Hunderten von Fotografen dort veranstaltet haben. „Ein paar Kollegen haben ihr Laptop an der Bande stehen lassen – da sind dann halt Spieler oder andere Fotografen drüber gelaufen“, berichtet Ulmer.

Zudem hätten hauptsächlich die brasilianischen Fotografen ihr komplettes Equipment mit ins Stadion gebracht. „Da hat’s dann nur gerumpelt und gebockelt, wenn wir da eingeengt wurden“, sagt Ulmer. „Bei uns ist aber Gott sei Dank nichts kaputt gegangen. Wir hatten alles in extra sichere Spezialkisten gepackt.“ Das Siegtor habe er gar nicht gesehen und fotografieren können, weil er auf der gegenüberliegenden Seite war. Sein Agentur-Mitarbeiter Michael Kienzler hatte es dagegen. Außer den üblichen Jubel-, Freuden- und Götzebilder, die in aller Welt zu sehen sind, „haben wir Mesut Özil, wie er halbnackig mit dem Pokal durch die Gegend läuft“.

Ordnungsamtsleiter dankt Anwohnern

Tübingen fiebert mit der National-Elf im Finale

Die anfängliche Siegessicherheit schwand schnell. Mehr als 3000 Fans waren zum Public Viewing in den Anlagenpark gekommen und zitterten in dem nervenaufreibenden WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien um den Sieg von Philipp Lahm & Co. Als schließlich das Tor von Mario Götze und der erlösenden Abpfiff kamen, feierten die Tübinger ihre Helden und den Titel gebührend auf der Neckarbrücke.

© Video: Victoria Vosseberg 02:19 min

Ein paar Minuten vor Anpfiff konnten die Journalisten kein Internet mehr empfangen. Ulmer: „Die haben’s dann repariert, ich habe zum Glück vorher schon Bilder verschickt und während des Spiels.“ Gefeiert hat Ulmer den Sieg übrigens nicht: „Ich habe ja nicht gewonnen, sondern diese Mannschaft.“

Rainer Kaltenmark ist froh, „dass es jetzt vorbei ist“. Einerseits. Denn der Tübinger Ordnungsamtsleiter war bei fast jeden Deutschlandspiel im Einsatz, die Nacht auf Montag machte er gleich ganz durch. Andererseits: „Jetzt bin ich endlich mal auf der Eberhardsbrücke gestanden und wir sind Weltmeister!“ Beim letzten Titelgewinn 1990 war er zwar auch schon am Start – doch gefeiert wurde da noch auf dem Marktplatz. Kaltenmark freut sich, dass alles so friedlich und fröhlich abgelaufen ist – und dankt den Anwohnern für ihre „Geduld mit den Feiernden“. Das dürften nach Polizeischätzung um die 7000 gewesen sein, die allein auf Mühlstraße und Neckarbrücke teils bis in den frühen Montagmorgen durchhielten. Immer mal wieder wurden Böller, Raketen und Bengalo-Leuchtfeuer gezündet, verletzt wurde niemand.

„Das war schon gewaltig, was da los war.“ Gastronom Herbert Rösch (Hotel am Schloss) ist immer noch beeindruckt von der Fan-Party vor, beim und nach dem Endspiel. Der Mitveranstalter des WM-Parks am Anlagensee beobachtete ganze Gruppen, die vor Freude auf Biertischen tanzten. 20 Garnituren gingen zu Bruch. Weniger witzig findet Rösch Sprühereien auf Bierwagen: „Patriotismus ist keine Party“. Deutlich über 10 000 Gäste besuchten die Deutschland-Spiele im WM-Park, die veranstaltenden Wirte rechnen mit einer „klaren schwarze Null“. Und in zwei Jahren? „EM ist nicht WM“, sagt Alexander Stagl (Hotel Krone). 2012 habe man keine guten Erfahrungen gemacht. Doch wer weiß: „Vielleicht hält die Weltmeister-Euphorie ja noch zwei Jahre und wir kommen wieder in Versuchung.“

Zufrieden sind auch die Veranstalter der beiden anderen großen Public Viewings in Tübingen. Im Zelt beim „Afrika“ (Schlachthof) sei es immer voll gewesen, sagt Metasebisa Desta. Der Regenschutz war den 1300 Zuschauern gerade am feuchten Brasilien-Abend wichtig. „Alle Spiele waren gut besucht“, sagt Sudhaus-Geschäftsführer Adalbert Sedlmeier, ok, bis auf Schland-Brasilien. Alles war friedlich, nur manchmal gab’s etwas Gedrängel beim Sturm auf den Biergarten.

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14.07.2014, 12:00 Uhr

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