Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Passanten und Autofahrer beschenkten die Polizisten auf dem Elefantenfuß

Gaben für den Schutzmann

Bis 1967 stand auf der Kreuzung am Lustnauer Tor stets ein Polizist, der den Verkehr regelte. Der „Schutzmann am Schimpfeck“ war eine Tübinger Institution.

15.12.2012
  • Manfred Hantke

Tübingen. Vor dem Schutzmann am Schimpfeck hatten Fußgänger, Rad- und Autofahrer mächtig Respekt. Sie mochten ihn aber auch. Und wie. So sehr, dass sie ihm alljährlich zur Weihnachtszeit reichlich Geschenke überreichten. Das ist ein schöner Brauch geworden, schrieb das TAGBLATT zur Weihnachtszeit 1961. Fußgänger legten ihm Süßes oder Klares auf den Elefantenfuß, Autofahrer hielten kurz an, kurbelten die Scheibe herunter und reichten Wein oder Kaffee hindurch.

Selbst eine Rentnerin schenkte „ihrem“ Polizisten ein Päckchen Zigaretten, denn der Herr Schutzmann bringe sie immer sicher über die Straße, schrieb das TAGBLATT. Auf den beigelegten Karten und Briefen belehrten die Verkehrsteilnehmer im humorvoll-ironischen oder mahnenden Ton den Schutzmann, der bei Wind und Kälte einen schweren Job machte. Die Ermahnungen waren jedoch nie bös gemeint.

Alle Geschenke behielten die Polizisten nicht für sich. Sie seien gleichmäßig unter die Bediensteten verteilt worden, erinnerte sich der frühere Polizeiführer Eberhard Vollmer, ein Großteil sei ins Altersheim gegangen. Kurz nachdem wir über die Tübinger Legende vor ein paar Monaten berichtet hatten, sandte uns die Ex-Tübingerin Heidrun Erb, geborene Müller, diese beiden Bilder zu.

Der Beweis also, dass die Verkehrspolizisten von ihren Tage zuvor rüde zurechtgewiesenen Verkehrsteilnehmern mit von Herzen kommenden Gaben bedacht wurden. Welche Schutzmänner auf den Fotos (entstanden zwischen 1953 und 1954) zu sehen sind, weiß Heidrun Herb nicht. Die Bilder stammen aus dem Fundus ihres Vaters Alfred Müller, der von 1948 bis Ende 1955 hin und wieder auf dem Elefantenfuß gestanden und die gesundheitsbelastende Arbeit im stündlichen Wechsel verrichtet hatte.

Eigentlich war der Schutzmann vom Schimpfeck gar nicht wegzudenken, doch 1967 musste er schließlich weichen. Die Technik hatte ihn überholt, ihn ersetzte eine Ampel.

Gaben für den Schutzmann
Vielleicht war kurz zuvor ein Kollege mit dem Auto da und hat die Weihnachtsgaben abgeholt. Auf dem Elefantenfuß ist jedenfalls noch Platz.

Wenn Sie wissen, welche Schutzmänner auf den Bildern zu sehen sind, lassen Sie es uns wissen: 0 70 71 / 93 43 72. Einer der Schutzmänner am Schimpfeck ist auch auf der historischen DVD „Tübingen. Der Film. Die Geschichte“ zu sehen. Sie ist im Stadtarchiv oder im TAGBLATT-Foyer für 19,95 Euro erhältlich. Der Film läuft wieder von kommenden Montag bis zum Mittwoch um 16.30 Uhr im Tübinger Kino Museum.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.12.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball