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Mit dem Rückenwind aus Oslo

Gabius bei der DM Favorit über 5.000 Meter

Drei LAV-Athleten fahren mit Siegchancen oder zumindest Medaillenhoffnungen zur deutschen Meisterschaft nach Wattenscheid. Nur der erkrankte Hindernisläufer Filmon Ghirmai wird am Wochenende seinen sechs Titeln keinen weiteren hinzufügen können.

15.06.2012
  • Bernhard Schmidt und Fabian Ziehe

Tübingen/Wattenscheid. Der Reporter von Eurosport ortete bei der Live-Übertragung des 5000 Meter-Laufs von Oslo Arne Gabius noch in Hamburg – von Tübingen war keine Rede. Mittlerweile ist der deutsche Top-Läufer von der LAV Stadtwerke Tübingen wohl auch dem Kollegen ein Begriff.

Obwohl ihm die Weltklasseleute aus Afrika den Windschatten versagten, knackte Gabius an Fronleichnam überraschend locker die Olympia-Norm für die Spiele in London (13:13,43 Minuten). Dieser Höhenflug hat Gabius gestern die Einladung zum Züricher Meeting eingebracht – der Ritterschlag für jeden Leichtathleten. So ist Gabius natürlich auch erster Titelanwärter bei der deutschen Meisterschaft in Wattenscheid.

Doch Gabius ist überzeugt: „Das geht nicht eben mal so im Vorbeigehen, ich muss hellwach sein.“ Zu den schärfsten Konkurrenten am Sonntag, Start ist um 16.20 Uhr, zählt Philipp Pflieger (Regensburg), der sich mit einer Zeit von 13:31 Minuten stark verbessert zeigte. Aber auch Rico Loy (Badenova Nordschwarzwald) und Richard Ringer (VfL Friedrichshafen) sind ganz nah dran an der B-Norm des DLV (13:40 Minuten). Da die nationale Spitze hinter Gabius daran gelegen sein wird, diese B-Norm möglichst zu bestätigen, wird das Rennen wohl schnell sein – was dem Tübinger eher entgegen kommt.

In Gabius’ persönlicher Prioritätenliste steht Olympia Ende Juli natürlich ganz oben. Dahinter folgen die Europameisterschaften in Helsinki zehn Tage nach der DM, wo das LAV-Aushängeschild wegen des Startverzichts der Briten zu den Sieganwärtern zählt. In der Wertschätzung folgen dann aber auch gleich die nationalen Titelkämpfe. „Es wäre toll, den sechsten Titel in Serie zu holen“, sagt Gabius, „das hat noch kein Deutscher geschafft.“

Gar nicht mehr lustig findet Gabius’ LAV-Teamkollege Filmon Ghirmai, was ihm derzeit widerfährt. Seit einem Jahr kämpft er mit hartnäckigen Beschwerden an der Achillesferse. Kaum hat er diese einigermaßen im Griff, wirft ihn eine Erkältung wieder zurück. Schon beim Rennen über 3000 Meter Hindernis in Regensburg hatte er die Infektion gespürt, in der vergangenen Woche wuchs sich die Erkältung zu einer Bronchitis aus. Erst am Dienstag hat er erstmals wieder trainieren können. An einen DM-Start ist unter diesen Bedingungen natürlich nicht zu denken. „Wenn es mal schief läuft, dann halt richtig“, trägt Ghirmai das Schicksal mit Fassung.

Und die Olympia-Hoffnung? Der DLV hat die Frist, in der die Athleten die Norm angreifen können, bis zum 7. Juli verlängert. Insofern hätte Ghirmai noch die Chance, auf den Olympia-Zug nach London aufzuspringen. Doch dem 33-Jährigen gehen die Rennen aus, bei denen er sich qualifizieren könnte. Seine Jahresbestleistung (8:56) ist so weit von der Norm entfernt (8:23 Minuten), dass es an Einladungen zu gut besuchten Hindernis-Rennen fehlt. Kurz vor der Deadline, beim nationalen Meeting in Bottrop am 7. Juli, könnte er es noch einmal versuchen. Nach dem neuerlichen Rückschlag hat Ghirmai kaum noch Hoffnung.

Seit gestern hat Gregor Traber es geschafft: Mit 15 Punkten in der mündlichen Politik-Prüfung garnierte er sein ohnehin gutes Abi mit einem Schnitt zwischen 1,1 und 1,2. Doch feiern, das will der 19-Jährige frühestens am Samstag: „Ich ruhe mich komplett aus, für mich zählt nur das Wochenende.“ Am Samstag in Wattenscheid will er auf jeden Fall versuchen, das Finale am frühen Abend zu gewinnen. Das Minimalziel ist ein Platz unter den Top drei.

Die Olympianorm hat Traber vergangenes Wochenende beim Meeting in Genf nämlich geschafft – mit 13,47 Sekunden unterbot er die Norm um zwei Hundertstel. Aber er ist nur einer von fünf deutschen Hürdensprintern mit der Perspektive London. Damit hat er weder das Ticket für die EM in Helsinki noch für Olympia sicher. „Dieses Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft entscheidet sich alles. Weiter denke ich daher nicht.“

Er habe „super trainiert“. Das mäßige Abschneiden beim Meeting in Ostrava und der Abi-Stress hätten nichts daran geändert, dass er auf Kurs geblieben sei. „Der Lauf in Wattenscheid wird schwer“, sagt Traber angesichts der starken Konkurrenz. Er geht aber davon aus, dass er am Samstagabend feiern kann.

Traber hat sich entschieden, zumindest das nächste Jahr in Tübingen zu bleiben und an der Uni „vielleicht Wirtschaftswissenschaft“ zu studieren. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt Traber, der bis 2009 noch für den VfB Friedrichshafen gestartet ist. „Die LAV unterstützt mich optimal. Zudem habe er auch sozial Anschluss in der Stadt gefunden.“

Auch 100-Meter-Läufer Marius Broening will ganz vorne mitlaufen. „Wenn der Knoten platzt, dann kann ich mich mit einer 10,27 sogar noch für das Einzelrennen in Helsinki qualifizieren“, sagt der LAV-Sprinter. Das Hauptziel ist und bleibt ein Platz in der deutschen Staffel. „Gesetzt ist noch gar keiner“, sagt Broening – auch nicht sein Trainingskollege Tobias Unger. In Helsinki habe man das 200-Meter-Finale zeitlich direkt vor die Staffel gesetzt, schon das sorge für ein „richtiges Tohuwabohu“. Mit seiner 10,37-Zeit vom vergangenen Samstag sei er gut positioniert, unter Normalbedienungen könne er gut um die 10,30 Sekunden laufen. Dort in Mannheim sei er zwar in der Gesamtwertung nur Vierter geworden, hatte als Sieger des mittleren der drei Läufe als einziger noch zulässigen Rückenwind.

„Im Abschlusstraining war ich schnell“, sagt Broening, körperlich und mental sei er gut drauf und der Wettkampfdruck liege ihm. Er könne sich nicht erinnern, dass das Feld der Konkurrenten jemals so dicht gewesen sei. „Da entscheidet natürlich die Tagesnorm.“

Er vertraue darauf, ein Meisterschaftsläufer zu sein. Helsinki wäre seine dritte EM, seit 2004 läuft er international. Auch diese Erfahrung sei wichtig, deshalb rechnet er sich für einen Startplatz in der Staffel gute Chancen aus. Bei der Hallen-WM 2009 in Berlin und der Freiluft-WM 2011 in Daegu habe die deutsche Staffel bei der Stabübergabe gepatzt. „Eine solche Katastrophe darf es dieses Mal bei Olympia nicht geben. Und beim Wechseln bin ich top“, versichert Broening.

Gabius bei der DM Favorit über 5.000 Meter
Sechs Mal schon hat Hindernisläufer Filmon Ghirmai (oben) den nationalen Titel geholt. Auf den Start am Wochenende in Wattenscheid muss der 33-Jährige wegen einer hartnäckigen Erkältung verzichten. Sprinter Marius Broening (unten), ebenfalls LAV, muss sich für einen Staffelplatz gegen die nationale Konkurrenz behaupten.Archivbilder: Ulmer

Gabius bei der DM Favorit über 5.000 Meter

Gleich zwei Langstrecklerinnen aus der Region werden bei den deutschen Meisterschaften in Wattenscheid über 5000 Meter an den Start gehen. Friederike Kallenberg von der LV Pliezhausen hat sich zum Ziel gesetzt, unter die ersten Acht zu kommen. Ähnliche Ziele hat auch die für die LG Olympia Dortmund startende Kusterdingerin Friederike Feil, die zuletzt durch einen Ermüdungsbruch zurückgeworfen worden war. Unter die Top Acht im Starterfeld könnte auch Kerstin Marxen (TSV Gomaringen) über 800 Meter laufen. Mit 2:07,31 Minuten ist die Pharmaziestudentin als Zehntschnellste gemeldet. Ebenfalls ins Finale will ihre Teamkollegin Anja Bork, Bestzeit 59,15 Sekunden, über 400 Meter Hürden kommen. Sie wird auch in der 4x400 Meter-Staffel der SG Gomaringen-Schwäbisch Hall laufen. Die SG ist mit der fünftbesten Zeit gemeldet.

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15.06.2012, 12:00 Uhr

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