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Die Geschichten retten

Gabriele Huber und ihr Buchprojekt „Kriegerles & Geigenspiel“

Für sie nahmen sich alle gern Zeit: Gabriele Huber hat für ihr Buch „Kriegerles und Geigenspiel“ acht prominente Tübinger/innen interviewt.

06.12.2014
  • uja

Tübingen. Sie ist weder Journalistin noch Historikerin. Trotzdem hat Gabriele Huber, die gelernte Diplompädagogin, jetzt ein echtes Geschichtsbuch geschrieben. Genauer gesagt: Ein Buch voller Geschichten, in denen das alte Tübingen wieder lebendig wird mit dem Rappschüle, dem Raupengymnasium und dem Jakobskirchen-Kies. Manche Geschichten sind traurig, wie die vom „Rosele“, das keine Trauben mehr essen wollte und plötzlich in der Nacht starb, andere klingen fast nach Bullerbü, wie die Geschichte vom Streit in der Schule, als die Zöpfe der Mitschülerin ins Tintenfass geklemmt wurden.

Angefangen hat alles mit Heiner Schweickhardt. Der ehemalige Essig-Fabrikant erzählte Gabriele Huber im Lauf der Zeit immer wieder so vergnügliche Geschichten aus seiner Kindheit in Tübingen, dass sie irgendwann beschloss: „Das muss man festhalten.“

Als ehemalige Kreisjugendpflegerin und kommunale Suchtbeauftragte, aber auch als überzeugte Tübingerin, die regelmäßig Gruppen durch die Stadt führt, kannte sie eine Menge Leute, die ähnlich Interessantes zu erzählen hatten: Herta Däubler-Gmelin und Albrecht Kroymann, Margot Hamm und Gerhard Dieterle, Brigitte Gugel, Elisabeth Frate und Gerd Weimer. „Ich wollte“, sagte sie, „Menschen aus allen Schichten haben.“

Gutes Gespür für die Zeitzeugen

Zwei Jahre lang führte sie immer wieder Interviews mit ihren Zeitzeugen. „Das hat sehr viel Spaß gemacht“, stellte Huber fest. Wichtig war ihr, dass die Gesprächspartner absolutes Vertrauen zu ihr hatten. „Ich bin allen“, sagt sie, „mit großem Respekt begegnet.“ Auch diejenigen, die erst zögerten, haben schließlich eingewilligt und sehr offen geredet.

So sprach Herta Däubler-Gmelin, die ehemalige Justizministerium, mit der Diplom-Pädagogin unter anderem über das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater, dem ehemaligen Tübinger Oberbürgermeister, der als Gesandtschaftsrat in Prag und SA-Standartenführer von der Deportation der Juden zumindest wusste.

Huber hat ein Gespür für Menschen, das merkt man schnell beim Lesen des Buchs. Sie ist neugierig, aber nicht herzlos, sondern fühlt mit ihren Gesprächspartner/innen mit. Sie selbst ist keine alte Tübingerin, sondern kam erst zum Studium in die Unistadt. Später war sie stolze 19 Jahre als Kreisjugendpflegerin aktiv. Geboren ist sie 1951 in Riedlingen. „Ich bin also kein typisches Nachkriegskind mehr, aber ich habe noch miterlebt, dass es nicht immer jedes Gemüse gab und dass unsere Mutter uns die Kleidung selber nähen musste.“

In ihrer eigenen Jugend war sie, wie es damals üblich war, eher rebellisch. „Ich habe das Jugendzentrum in Riedlingen mitbegründet.“ Bei ihrer Arbeit als Kreisjugendpflegerin kam ihr das zugute. „Die Jugendlichen haben gemerkt, dass ich ganz okay bin.“

Nach einigen Jahren in der Familienberatung des Landratsamts wurde sie 2002 kommunale Suchtbeauftragte, bis sie 2011 in den Ruhestand ging. Das heißt: Ruhig ging es seither eher nicht zu. Huber ist bis heute beim Schwäbischen Heimatbund aktiv, sie hilft im Stadtarchiv mit, übernimmt Stadtführungen für den BVV und: Sie schreibt Bücher.

Gabriele Huber und ihr Buchprojekt „Kriegerles & Geigenspiel“
Gabriele Huber Bild: Metz

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06.12.2014, 12:00 Uhr

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