Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Tierseuche

Gänsebraten ungefährlich

Nach Auskunft von Experten können Verbraucher auch in Zeiten der Vogelgrippe unbesorgt Geflügelprodukte verzehren. Wichtig ist, Fleisch vollständig durchzugaren.

23.11.2016

Von PETRA WALHEIM

Nur zehn Prozent der Gänse kommen aus Deutschland, die übrigen werden importiert. Foto: Fotolia.de / Irina Khomenko 1285 Foto: Fotolia.de / Irina Khomenko 1285

Stuttgart. So mancher Verbraucher stellt sich in Zeiten der Vogelgrippe die bange Frage, ob es besser wäre, an Weihnachten auf den Gänsebraten zu verzichten. Aus Gründen der Sicherheit, um dem Vogelgrippe-Virus nur ja keine Chance zu bieten, auch den Menschen zu befallen. Die habe der Erreger ohnehin nicht, sagen Experten. Für Professor Michael Grashorn von der Arbeitsgruppe Geflügelwissenschaften der Uni Hohenheim geht das Risiko für Verbraucher, am aktuellen Vogelgrippe-Virus H5N8 zu erkranken, „gegen Null“. Bislang sei weltweit kein Fall bekannt, bei dem ein Mensch an dem Virus erkrankt sei.

Deshalb könnten Geflügelfleisch jeglicher Art sowie Eier unbesorgt verzehrt werden. „Eier sind völlig unbedenklich“, sagt er. Beim Verarbeiten des Fleisches sollten ein paar Hygiene-Regeln beachtet werden. Das Wichtigste sei, das Fleisch gut durchzugaren. „Bei über 70 Grad Hitze wird das Virus abgetötet.“

Falls es überhaupt vorhanden war. Seit dem 18. November muss jegliches Nutz- und Hausgeflügel im Land in den Ställen bleiben. Das Agrarministerium hat die landesweite Stallpflicht aus Sicherheitsgründen angeordnet, damit sich das Virus nicht auch noch unter dem Hausgeflügel ausbreitet. Nach wie vor sterben Wildvögel an der Vogelgrippe – vor allem am Bodensee. Täglich würden etwa 20 tote Vögel gefunden, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Bis gestern waren es am See 333 Vogelkadaver, davon wurden 248 positiv auf das H5N8-Virus getestet.

Aber noch hat die Seuche keinen Geflügelbetrieb erreicht. Damit das so bleibt, ist der Ausgang für das Federvieh gestrichen. Trotzdem werden in den Läden weiter Eier und Fleisch von freilaufenden Hühnern, Puten, Enten, Gänsen und Straußen angeboten. „Wenn die Stallpflicht behördlich angeordnet ist, dürfen Fleisch und Eier zwölf Wochen lang als Freiland-Produkte verkauft werden, auch wenn die Tiere gar nicht draußen sind“, sagt Klaus-Peter Linn, Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbands Baden-Württemberg. So laute die EU-weite Regelung.

Nach Angaben des Agrarministeriums gibt es in Baden-Württemberg 1788 Gänsehalter. Sie stehen nach den Legehennen- und Entenhaltern an dritter Stelle. Nur zehn Prozent der in Deutschland verzehrten Gänse würden im eigenen Land produziert, sagt der Wissenschaftler Michael Grashorn. „90 Prozent des Gänsefleischs wird vor allem aus Ungarn, Polen und Rumänien importiert.“ Auch in Ungarn grassiert die Vogelgrippe, sie hat auch schon Betriebe befallen. In Schleswig-Holstein waren bis gestern zwei Betriebe befallen. Zwar „nur“ mit dem weniger krankmachenden Virus des Subtyps H5. Doch um das weitere Mutieren des Virus zu verhindern, wurde mit der Keulung von 3800 Gänsen begonnen.

Sobald das Virus bei einigen Tieren festgestellt worden ist, „müssen alle weg“, sagt Grashorn. Weder Fleisch noch Eier dürften in den Handel gelangen. Das Fleisch der gekeulten Tiere werde in einer Tierbeseitigungsanlage auf eine spezielle Art und Weise verbrannt.

Selbst das Fleisch von Tieren, die zwar infiziert, aber noch nicht erkrankt sind, sei für den Menschen unbedenklich. „Die Inkubationszeit beträgt drei Tage“, sagt Grashorn. Werde in der Zeit ein Tier geschlachtet, sei das Virus zwar im Blut, nicht aber im Fleisch, und in den Eiern schon gar nicht. In den Schlachtereien werde wegen der Vogelgrippe aktuell besonders streng kontrolliert. „Sobald bei der Fleischbeschau Tiere auftauchen, deren innere Organe befallen sind, kommen sie zum Abfall“, sagt der Wissenschaftler. Deshalb können Verbraucher ohne Bedenken Geflügelfleisch auch auf den Wochenmärkten kaufen. Das ist erlaubt, trotz der Stallpflicht.

Zum Artikel

Erstellt:
23. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. November 2016, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen