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Walter Koch ist neuer Vorsitzender des Fördervereins Frommenhausen

Gäste aus Leipzig und Lausanne

Seit knapp zwei Jahren hat Frommenhausen nun eine Pilgerherberge. Im Vorjahr haben dort 160 Leute übernachtet. Betreut wird sie vom Förderverein, der mit Walter Koch seit November einen neuen Vorsitzenden hat.

19.06.2012
  • Frank Rumpel

Rottenburg. Er wandert gern, der neue, zweite Vorsitzende des 160 Mitglieder starken Fördervereins Frommenhausen. Nur pilgern war er noch nicht. „Ich möchte mich nicht gern von der Masse irgendwohin schieben lassen“, sagt der 77-jährige. Am liebsten ist Walter Koch, der sich 29 Jahre lang in der Kommunalpolitik engagierte, deshalb am liebsten in der Region unterwegs, ist die Pilgerpfade auf Rottenburger Markung, aber auch jene um Horb alle schon abgegangen. „Das ist wichtig, damit ich da Auskunft geben kann“, sagt er. „Ich muss ja wissen, wo es hingeht.“

Denn der 2003 gegründete Förderverein, der sich zum Ziel gesetzt hatte, Back- und Schlachthaus im Dorf zu erhalten, hat den Ausbau der Herberge nicht nur initiiert und mit freiwilligen Helfern umgesetzt. Er betreut sie auch, koordiniert die Übernachtungen, macht hinter den Gästen, die nur eine Nacht bleiben dürfen, sauber, bringt frisch gebackenes Brot aus dem, im selben Gebäude der einstigen Raiffeisenbank untergebrachten Backhaus zum Frühstück vorbei und hält das Haus in Schuss.

160 Pilger übernachteten im Vorjahr in Frommenhausen. Etwa 140 werden es in diesem Jahr. Koch weiß das jetzt schon, weil sich die Gäste vorab anmelden müssen. Das setzt bei den Wanderern eine gute Planung voraus. „Das muss jedem klar sein, wenn er losläuft“, sagt Koch. Aber das scheint auch kein Problem zu sein, denn viele Anmeldungen kommen weit im Voraus. So hat sich für September bereits eine Wandergruppe aus Lausanne angekündigt. Bis zu 25 Leute können derzeit in der Herberge übernachten.

Die Zahl der Übernachtungen ist durchaus beeindruckend, zumal Frommenhausen nicht direkt am Pilgerweg liegt. Der verläuft eigentlich von Rottenburg durch den Rammert nach Dettingen und von dort weiter nach Hechingen Richtung Bodensee. Um zur Pilgerherberge zu gelangen, müssen die Wanderer eine kleine, (laut Koch aber „gut ausgeschilderte“) Ecke auslaufen. Doch darüber hat sich noch niemand beschwert, denn allzu viel Pilgerherbergen gibt es in der Gegend nicht.

Die meisten Gäste, sagt Koch, kommen aus Württemberg, aus Tauberbischofsheim oder Ulm. Gelegentlich verbringt auch eine Gruppe aus Rottenburg die Nacht dort oben. „Wandern ist ja immer schön. Die kommen auf dem einen Weg und gehen am nächsten Tag einen anderen zurück.“ Auch eine Schulklasse aus St. Klara war heuer schon da. Aber es gibt auch Gäste von weiter her. Kürzlich war ein Pilger aus Leipzig da, der die Nacht zuvor mangels Alternativen auf einer Bank in Bebenhausen verbracht hatte und erst danach von der Herberge in Frommenhausen erfuhr. Erstaunt war Walter Koch darüber, wie viele Pilger allein, oder als Paar unterwegs sind. Bestimmt 20 Prozent schätzt er und weil jeder was ins Besucherbuch schreiben muss und Walter Koch die Gäste begrüßt, weiß er auch, dass es häufig eine Art Selbstfindung ist, die bei vielen Pilgern eine wichtige Rolle spielt. „Das ist der rote Faden, der sich durchzieht.“ Dabei wandern die Wenigsten von Frommenhausen bis ins über 4000 Kilometer entfernte, galizische Santiago de Compostela. „Viele, vor allem Gruppen, machen nur einzelne Etappen.“ Ein Bekannter in Hailfingen ist schon diverse Wegvarianten in Spanien gegangen. Aber jemand, wie einst der Frommenhauser Schulmeister, Mesner und Organist Jacob Beyter, der die Strecke 1510 zurücklegte und der mit Tipps und Geschichten für die weiteren Etappen aufwarten könnte, fehlt in der Gegend.

Dennoch liegt Pilgern laut Koch im Trend und wenn der anhält, „müssen wir vielleicht irgendwann auch die Zahl der Betten erhöhen“, um auch größere Gruppen unterbringen zu können. Unterm Dach wäre noch Platz für ein Matratzenlager, doch um das auszubauen, muss der Förderverein noch etwas sparen und einige Spenden sammeln, zumal er noch weitere Projekte hat.

Da gilt es zum einen, das Backhaus zu betreuen, in dem bis zu 15 Leute zwei Mal pro Woche ihr Brot backen. Das zum Dorfjubiläum eingerichtete Wildbienenhotel und ein Arboretum beim Sportplatz wollen gepflegt werden. Angedacht ist ein Waldklassenzimmer aus Weiden und ein Baumlehrpfad im Wald. „Wenn wir das schaffen, hätten wir den Kindern richtig was anzubieten“, sagt Koch, der von Anfang an im Förderverein aktiv war. Zunächst als Kassier. Als sich dann im Vorjahr der bisherige Vorsitzende Roland Harrer nicht mehr aufstellen ließ, erklärte sich Koch bereit, zumindest den zweiten Vorsitzenden zu machen. „Einen ersten suchen wir noch.“ Es war ihm wichtig, dass der Förderverein bestehen bleibt. „Es braucht eine solche Institution im Ort, die sich um Projekte kümmert“, ist er überzeugt. „Da geht es um die Gemeinschaft.“

Gäste aus Leipzig und Lausanne
Walter Koch ist der neue Vorsitzender des Fördervereins Frommenhausen, der die Pilgerherberge betreut.

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19.06.2012, 12:00 Uhr

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