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Schon bald Tempo 40

Ganz Tübingen wird Umweltzone / Limit auf dem Innenstadtring erhöht

Das Regierungspräsidium hat entschieden: Die Umweltzone wird auf das ganze Stadtgebiet von Tübingen mit allen Teilorten erweitert. Spätestens im Januar dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette rein. Und: Auf dem Innenstadtring kann ab 7. Oktober Tempo 40 gefahren werden. Die Kritik der umliegenden Gemeinden an der Umweltzone werde berücksichtigt, beteuert die Behörde.

22.08.2014
  • Gernot STegert

Tübingen. Das Regierungspräsidium (RP) hat die zweite Fortschreibung des Tübinger Luftreinhalteplans fertig – das klingt abstrakt. Doch die Auswirkungen sind konkret: Die vor allem bei den Nachbargemeinden umstrittene Umweltzone kommt – spätestens zum Jahresbeginn 2015, sagt RP-Sprecher Carsten Dehner. Noch schneller gehe die zweite Maßnahme: Die Geschwindigkeitsbeschränkung auf dem Innenstadtring um den Alten Botanischen Garten, der Keltern- und der östlichen Westbahnhofstraße wird von Tempo 30 auf 40 erhöht. Die zuständige Stadt kündigte an: Am 7. Oktober geht es los. Bis dahin seien alle Verkehrsschilder ersetzt und Ampeln umgestellt.

Das RP will mit beiden Instrumenten die hohen Stickstoffdioxid- und Feinstaubwerte in Tübingen senken und damit die Luftqualität verbessern (wir berichteten). Einen Luftreinhalteplan für die Stadt Tübingen gibt es seit dem Jahr 2005. Die erste Fortschreibung erfolgte im März 2012. Da noch nicht alle Grenzwerte eingehalten werden, wird der Plan nun ein zweites Mal fortgeschrieben.

Die Messungen der Stickstoffdioxidwerte des Jahres 2013 an den Messstellen in der Mühlstraße (58 Mikrogramm je Kubikmeter) und in Unterjesingen (46 Mikrogramm) zeigen, dass der NO2-Grenzwert der EU für das Jahresmittel von 40 Mikrogramm nicht eingehalten wurde. Auch bei der Feinstaubbelastung (PM10) kann keine Entwarnung gegeben werden. Der Grenzwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter für das PM10-Tagesmittel wurde 2013 an 46 Tagen in der Mühlstraße überschritten. Maximal zulässig sind aber nur 35 Tage. In Unterjesingen dagegen wurde dieser Wert das dritte Jahr in Folge eingehalten. Das RP sieht die Hauptquelle für die Belastungen im Straßenverkehr. Gutachten würden belegen, dass sich durch die Maßnahmen die Stickstoffdioxid- und Feinstaubwerte verbessern lassen. Stickstoffdioxid könne um 9,4 und Feinstaub um 4,8 Prozent gesenkt werden.

Das Regierungspräsidium verspricht, die Bedenken des Landkreises Tübingen und der Städte und Gemeinden Ammerbuch, Dußlingen, Gomaringen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Nehren, Ofterdingen und Rottenburg zu berücksichtigen. Diese fürchten durch die Ausweitung der Umweltzone Ausweichverkehr auf ihren Straßen. Dehner sagt: Wenn in den Gemeinden tatsächlich zusätzlicher Verkehr wahrgenommen werden sollte, dann würde das RP mit dem Landratsamt sprechen, das Verkehrszählungen vornehmen würde. Und wenn sich der Eindruck der Nachbarn bestätigen sollte? „Dann sind wir bereit, über Konzepte zu reden“, sagte Dehner. Pläne gebe es aber nicht. Denn: „Wir rechnen nicht mit größerem Ausweichverkehr, zumindest nicht dauernd.“ Das würden Erfahrungen aus anderen Kommunen in Baden-Württemberg zeigen. Manchem, der anfangs eine Umweltzone umfahre, werde das rasch zu lästig. In keiner der bisher 26 Umweltzonen in Baden-Württemberg sei es zu höheren Verkehrsbelastungen in den Nachbargemeinden gekommen.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zeigte sich dankbar, dass die „falsche Behauptung“, er sei für Tempo 30, nun auf dem Innenstadtring widerlegt werde. Das komme zwar gelegen zur OB-Wahl am 19. Oktober, doch den Termin habe das RP gesetzt. Der Grünen-Politiker betonte, sinnvoller als eine Umweltzone wäre eine Umrüstung der Autos gewesen. Doch nun komme die Zone. Die Umsetzung gehe schnell und könne bis zum 1. Januar 2015 erfolgen.

Info: Der neue Luftreinhalteplan mit den Gutachten steht im Internet unter www.rp-tuebingen.de

Ganz Tübingen wird Umweltzone / Limit auf dem Innenstadtring erhöht
Staus wie hier stadtauswärts Richtung Unterjesingen belasten die Luft besonders stark. Ganz Tübingen soll ab Januar Umweltzone werden. Bilder: Sommer

Ganz Tübingen wird Umweltzone / Limit auf dem Innenstadtring erhöht
Aus Tempo 30 wird am 7. Oktober auf dem Tübinger Innenstadtring Tempo 40.

Die Entscheidung des Regierungspräsidiums (RP), aus ganz Tübingen eine große Umweltzone zu machen, findet Kirchentellinsfurts Bürgermeister Bernhard Knauss „absolut unbefriedigend“. Die vom RP in Aussicht gestellten „Nachsteuerungen“ bei einer nennenswerten Verkehrsverlagerung auf die umliegenden Gemeinden nennt er „Kanzleitrost“ und weist darauf hin, dass die Shell-Kreuzung während des Berufsverkehrs ständig überlastet sei. Die Autos stauten sich bis auf die B 27. Knauss hat den Eindruck, es wird durchgesetzt, was ursprünglich auch angestrebt war: „Wir sind zwar gehört, aber nicht erhört worden“, zitiert er ein Kretschmann-Wort. Das RP habe die Möglichkeit, die Zone auf alle Gemeinden auszudehnen, offensichtlich nicht berücksichtigt. Er will die rechtlichen Möglichkeiten ausloten, gegen den RP-Entscheid anzugehen. Wie Knauss will auch Ammerbuchs Bürgermeisterin Christel Halm das Thema auf dem Bürgermeister-Sprengel im September diskutieren. Die Entlastung für Tübingen betrage weniger als fünf Prozent: „Tübingen hat den Vorteil, die anderen haben den Nachteil.“ Sie rechne mit wesentlich mehr Dreckschleudern, die sich durch Pfäffingen und Poltringen quälen.
Der Kusterdinger Bürgermeister Jürgen Soltau, ebenfalls ein heftiger Kritiker der Umweltzone, ist zur Zeit im Urlaub. Hauptamtsleiterin Christine Falkenberg gab gestern Nachmittag vor allem zu bedenken, dass vor der Einführung die Zahl der Fahrzeuge in den Dörfern gezählt werden müsse, um für spätere Zählungen eine aktuelle Vergleichsgröße zu haben. ede/upf

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22.08.2014, 12:00 Uhr

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