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Gauck fordert Mut und Einsatz für die Demokratie
Eine letzte Mahnung. Bundespräsident Joachim Gauck fasst seine Amtszeit zusammen. Foto: dpa
Abschied

Gauck fordert Mut und Einsatz für die Demokratie

Bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren war der Bundespräsident zuversichtlich. Nun sorgt er sich um das Land: Er spricht sich für einen starken Staat aus.

19.01.2017
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Zum Schluss, als Joachim Gauck die Rede zum Ende seiner Amtszeit hinter sich gebracht hat, erklingt eine etwas andere „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter – modern arrangiert von Sinem Altan und seinem Ensemble, schmissig gesungen von Mine Begüm Tüzenem. Dem Hausherrn, der zuvor selbst eine Art politischer Ode an sein Land vorgetragen hat, keine naive Liebeserklärung, sondern eine Mahnung, das, „was uns am Herzen liegt“, zu bewahren, zu entwickeln und zu verteidigen. Auch das Publikum lässt sich von dem Schlussakkord im Schloss Bellevue zu starkem Applaus hinführen. Es besteht aus 200 handverlesenen Gästen aus Politik und Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur.

Eine parteipolitisch eindeutig gefärbte Rede hält Joachim Gauck natürlich nicht. Im Gegenteil fallen jene Passagen, in denen der 76-jährige Ex-Pfarrer aus Rostock für eine wehrhafte Demokratie wirbt, für den entschiedenen Kampf gegen den Terrorismus, für noch mehr internationales Engagement Deutschlands, inklusive militärischer Anstrengungen, so unmissverständlich aus, dass diese Botschaft auch bei der Union gut angekommen sein dürfte.

Politische Selbstbefragung

„Wie soll es aussehen, unser Land?“ Im Titel der Rede steht eine typische Selbstbefragung des Bundespräsidenten, der in fünf Jahren viele kritische Fragen gestellt und unbequeme Anregungen nicht gescheut hat. So auch dieses Mal, zum Vermächtnis. Joachim Gauck ist besorgt, er zeigt sich „stärker beeinflusst von dem Bewusstsein, dass diesem demokratischen und stabilen Deutschland auch Gefahren drohen“, als noch bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren.

Es ist der Grundton seiner Wahlperiode und wohl auch sein Naturell: Joachim Gauck bleibt „gelassenen Mutes“. Dabei scheut er bei der Beschreibung dieser Welt in ihrem aktuellen Zustand nicht vor kräftigen Vokabeln zurück: „Die liberale Demokratie und das politische und normative Projekt des Westens, sie stehen unter Beschuss.“ Populisten und Autokraten sind unterwegs, es wird „Hass gepredigt und Gewalt ausgeübt“, Gerüchte und Emotionen verdrängen Wahrheiten und Fakten.

Demokratie und Rechtsstaat mögen sich neuen und alten Herausforderungen ausgesetzt sehen, doch „kein anderes System ist politisch und ökonomisch so anpassungsfähig, so effektiv und damit so erfolgreich wie eben die Demokratie“, versichert der Präsident in seiner Eigenschaft als Seelsorger der verunsicherten Nation. Allerdings gibt es das nicht zum Nulltarif: „Demokratie erfordert, ja sie ist Selbstermächtigung zur Teilhabe.“ Menschenwürde – das ist der Kern unserer Verfassung und der Maßstab für Gauck. Sie ist das ewige Versprechen des Grundgesetzes wie die zentrale Botschaft seiner Präsidentschaft.

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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