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Kunst aus dem Kuttereimer

Geadelte Mülltonne - Wie ein „kunstunwerter“ Gegenstand salonfähig wurde

Eine Theaterspielzeit lang schufen drei Bildende Künstler zu jedem Stück des Tonne-Theaters aus einer Mülltonne ein Kunstwerk. Jetzt ist das Ergebnis der „Kunst aus der Tonne“ für kurze Zeit in einer Gesamtschau zu sehen.

18.09.2014
  • Uschi KUrz

Reutlingen. „Kunst aus der Tonne“ – unter diesem Motto schufen die Bildenden Künstler Armin Burghagen, Tilo Carozzi und Raphael Habel zu den Premieren der vergangenen Theatersaison eigene Kunstwerke. Morgen und übermorgen ist das Ergebnis des ungewöhnlichen Kunstprojekts am Reutlinger Tonne-Theater umrahmt von einem kleinen literarisch-szenisch-musikalischen Beiprogramm in der Planie 22 zu sehen.

Eine Reminiszenz an die letzte Spielzeit und gleichzeitig der Auftakt der neuen Saison soll die Ausstellung sein. „Diese Kunstwerke haben uns die ganze Spielzeit begleitet“, erklärt Tonne Intendant Enrico Urbanek, der das Projekt superspannend fand und immer wieder überrascht war, wie sich die Künstler, die das Skript gelesen hatten und auch bei der Konzeptionsprobe dabei waren, dem Theaterstoff annäherten. Und wie sie ihn auf ihre ganz eigene Weise umgesetzt haben. Bildende Kunst am Theater, so Urbanek, sei ja allenfalls in Form der Bühnenbilder vorhanden. Deshalb habe es auch immer wieder interessante Diskussionen mit manchen Zuschauern gegeben, die mit den Kunstwerken im Theater zunächst nur wenig anfangen konnten.

Auch für die Bildenden Künstler war die Interpretation der Theaterstücke eine Herausforderung, wie Tilo Carozzi berichtete. Der rote Faden war die Tonne. Während Urbanek und Burghagen zunächst lieber einer Blechtonne gehabt hätten, plädierte Carozzi für eine „Alltagsmülltonne“ als Ausgangsmaterial und setzte sich durch. Von der Stadt Tübingen besorgten sich die Künstler alte ausrangierte Mülltonnen, die sie dann verfremden und umgestalteten. Aus dem „kunstunwerten“ Gegenstand Mülltonne wurde nach und nach ein eigenständiges Kunstobjekt.

„Wir mussten uns erst an den Zeitdruck gewöhnen“, sagt Burghagen, auch sei es ungewöhnlich gewesen, dass das Thema vorgegeben war. Auch im Teama zu arbeiten, war für ihn neu. Lediglich vier Wochen hatten die Künstler pro Inszenierung Zeit, um ihr Objekt zu schaffen. Das erste Projekt war „Rio Reiser – König von Deutschland“. Burghagen: „Da haben wir als Team zusammengefunden“. Es wurde ein Multispektakel: Zwei Tonnen, eine davon vergoldet mit einem Projektor, der den Film „Die zerplatzten Illusionen“ zeigt. Die andere beinhaltet einen Lichtstrahl mit einem vergoldeten D-Mark-Stück. Die Installation soll das Diktat des Konsums versinnbildlichen gegen den Rio Reiser zeitlebens gekämpft hat.

Auch bei den Tonnen zu den anderen Inszenierungen arbeiteten die drei mit ganz unterschiedlichen visuellen und akustischen Mitteln: Vom Videoclip für „Salome hat den Kopf verloren“ bis zum Wasserrauschen, das aus einer aufgeschnittenen Tonne dringt und auf die „Arabisch Nacht“ verweist. Die Ideen wurden gemeinsam entwickelt und umgesetzt, beschreibt Raphael Habel den Arbeitsprozess, der ihm vertraut ist, da er seit vielen Jahren mit Tilo Carozzi als „due-idee“ Teamarbeit in der Kunst macht.

Das Stück „Zeitfenster“ wird von einer „versandeten Tonne“ symbolisiert, die von unzähligen Zifferblättern umgeben ist. Der „Zerfall“ ist unvermeidlich und auch die Ausstellung der Theater-Tonnen, ist nur von kurzer Dauer.

Geadelte Mülltonne - Wie ein „kunstunwerter“ Gegenstand salonfähig wurde
Mit dieser Installation für die Kulturnacht 2013 fing das Tonnen-Kunstprojekt an. Danach konzipierten die Bildenden Künstler Armin Burghagen, Raphael Habel und Tilo Carozzi für jede Inszenierung des Tonne-Theaters ein eigenes Kunstwerk. Am Freitag und Samstag ist die „Kunst aus der Tonne“ mit einem szenisch-musikalischen Beiprogramm in der Planie 22 zu sehen (von links: Armin Burghagen, Raphael Habel, der Kunstvereins-Vorsitzende Christian Malycha und Tilo Carozzi).Bild: Haas

„Kunst aus der Tonne“ – unter diesem Motto schufen Armin Burghagen, Tilo Carozzi und Raphael Habel in der vergangenen Theaterspielzeit eigene Kunstwerke zu den am Tonne-Theater aufgeführten Produktionen. Am morgigen Freitag und am Samstag sind alle Arbeiten in der Planie 22 zu sehen. Ergänzt wird die Schau von einigen Arbeiten, die für die Kulturnacht 2013 und einigen, die speziell für die Ausstellung entstandenen sind. Bei der theatralischen Vernissage mit Szenen von Ensemblemitgliedern der Tonne am Freitag führt der Reutlinger Kunstvereinsvorsitzende Christian Malycha in die Ausstellung ein. Am Samstag führt Friedemann Dähn mit elektronischen Klangerzeugern musikalisch durch die Schau. Die Ausstellung ist jeweils ab 18.30 Uhr geöffnet, Veranstaltungsbeginn ist circa 20 Uhr. Das Konzert am Samstag kostet neun Euro.

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18.09.2014, 12:00 Uhr

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