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Im Jahr 1964 entstand das heutige Katholische Jugendhaus auf dem Einsiedel

Gebäude mit Geschichte

KIRCHENTELLINSFURT (rik). Einst bewohnten Hausmeier das Gebäude auf dem Einsiedel, seit 40 Jahren dient es Jugendlichen als Freizeitdomizil. Zu Beginn noch unter ökumenischer Leitung, wird das heutige Katholische Jugendhaus seit den siebziger Jahren von den Dekanaten Rottenburg und Reutlingen über ein Kuratorium und einen Förderverein geführt. Am Sonntagabend erinnerten der Historiker Andreas Heusel und der ehemalige Pfarrer Anton Durner an die Geschichte des Hauses.

11.05.2004

Über Jahrtausende hinweg wurde das Einsiedel-Gebiet bewohnt, ob als römische Gutsvilla im Jahr 233 nach Christus oder gut ein Jahrtausend später als Hofgut, das von dem Tübinger Universitätsgründer Graf Eberhard im Barte um 1460 erbaut wurde. Um 1482 ist verbrieft, dass auf dem Gelände ein Schlösslein errichtet wurde, wenig später ein Kloster, das im Jahr 1537 aufgrund von Zwistigkeiten der unterschiedlichen Bewohner – Bürger, Adlige, Geistliche – wieder abgerissen wurde.

1619 fielen die erstellten Bauten einer Brandstiftung zum Opfer, knapp eineinhalb Jahrhunderte später packte den Baunarr Herzog Carl Eugen die Lust, ein neues Schloss auf der Hochebene zu kreieren. „Hier stand mal ein kleines Ludwigsburg“, sagte Heusel am Sonntagabend im Einsiedel-Rittersaal vor 50 Interessierten über das Schloss, das aber auf Karten aus dem Jahr 1851 schon nicht mehr zu sehen ist. „Hier oben kann man 2000 Jahre Landesgeschichte auf engstem Raum erleben“, ist der Historiker begeistert, auch wenn vieles quellengeschichtlich noch nicht erforscht ist.

Protestanten stiegen aus

Sicher ist hingegen, das vor 40 Jahren ein Jugendhaus entstand, das vornehmlich an den Wochenenden von Jugendlichen für Freizeitaktivitäten und Fortbildungen genutzt wird. Im Jahr 1964 nämlich pachteten die beiden Konfessionen das ehemalige Wohn- und Gutsgebäude von der württembergischen Hofkammer, in deren Eigentum sich das Gehöft befindet. In den Jahren zuvor hatte noch die Uni Tübingen dort ehemalige DDR-Studenten vor dem Bau der Berliner Mauer beherbergt und in Deutsch und Geschichte unterrichtet.

Der ehemalige Pfarrer von Kirchentellinsfurt, Anton Durner, erinnerte skizzenhaft an die ökumenische Anfangszeit des heutigen katholischen Jugendhauses. Zunächst hatte er, der zugleich als Dekanatsseelsorger für Rottenburg und Reutlingen wirkte, während seiner Amtszeit seit 1957 Kontakte zu den protestantischen Nachbarn und dem Kreisjugendring geknüpft. Zusammen mit dem CVJM pachteten die beiden Religionsgruppen dann 1964 das Einsiedel-Gebäude, in dem einst Waldbeamte und Hausmeier wohnten.

„Am Anfang hieß es schuften und renovieren“, erzählte Durner, Kruscht ausmisten, Wasserleitungen legen. Alles in allem, schätzt der ehemalige Pfarrer, wurden rund 100 000 Mark investiert. Ein Betrag, so Durner, der bei den Protestanten zu Auseinandersetzungen führte. Deren Kirchenführung soll den CVJM-Vertretern vorgeworfen haben, riesige Summen für die Jugendlichen auszugeben, „mit denen die in einem Luxushotel“ hätten leben können. Die Protestanten seien „unter Beschuss geraten“ und folglich ausgestiegen.

Von Grund auf saniert

Mittlerweile wurde das Gebäude von Grund auf saniert und befindet sich seit der Aufteilung des ehemaligen Dekanats Rottenburg im Jahr 1967 unter deren Obhut als Pächterin. Ein zu 50 Prozent Angestellter und ein derzeit noch gesuchter Zivildienstleistender mit handwerklichen Fertigkeiten kümmern sich um das Haus, für das inzwischen jährlich 10 000 Euro Mietgeld gezahlt werden muss. Erwirtschaftet wird die Summe durch die Wochenend-Aufenthalte von Jugendgruppen. Privat können das Gebäude und das großzügige Gelände drumherum mit Spielplatz allerdings nicht genutzt werden, „auch wenn wir ständig angefragt werden“, so Thomas Begovic vom Förderverein.

Gebäude mit Geschichte
Vor allem an Wochenenden wird das schmucke Jugendhaus auf dem Einsiedel genutzt, in dem früher königliche Waldbeamte und Hausmeier wohnten.

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11.05.2004, 12:00 Uhr

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