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Sparprogramm: Zu viel Geld rausgeputzt

Gebäudereinigung soll über 600.000 Euro billiger werden

Vom Drucker im Büro bis zum Putzdienst lässt sich im Rathaus noch manches kostengünstig optimieren. Mit höherer Effizienz allein ist der Tübinger Finanznot aber so wenig beizukommen wie mit Stellenabbau. Es sollen auch Zuschüsse gekürzt und freiwillige Leistungen gestrichen werden.

07.10.2010
  • Sepp Wais

Tübingen. Die für den Steuerzahler angenehme Vorstellung, dass man in den Amtsstuben alles immer noch besser und billiger machen kann, ist weit verbreitet. Und wohl auch nicht ganz falsch. Obwohl es in mageren Jahren im Tübinger Rathaus immer wieder energische Vorstöße zur Optimierung der Arbeitsabläufe gab, bleibt hier offenbar noch einiges zu tun. In ihrem Sparpaket listet die Verwaltung mehrere 100.000 Euro auf, die man per „Effizienzsteigerung“ einsparen könnte.

Darunter fällt etwa auch die Überarbeitung des „Druckerkonzepts“. Bislang steht fast an jedem Schreibtisch ein eigener Drucker. Würden sich jeweils mehrere Mitarbeiter mit einem Drucker auf dem Flur begnügen, so haben die Sparstrategen herausgefunden, dann ließen sich ein paar hundert Geräte und damit alljährlich 55.000 Euro einsparen.

Eine (Strom-)Kostenersparnis von 95.000 Euro pro Jahr verspricht man sich vom Austausch alter Heizungspumpen. Jeweils 10.000 Euro könnten eine effizientere Klimatechnik im EDV-Zentrum, der Verzicht auf allzu hoch gerüstete Computer und bessere Wartungsverträge bringen. Über 160.000 Euro wären mit der Aufgabe des letzten eingruppigen Kindergartens in der Mauerstraße zu gewinnen. Das Problem dabei: Das Argument, dass man die Kinder in größeren Einrichtungen kostengünstiger betreuen kann, macht bei den Eltern wenig Eindruck.

Fast ein Zehntel des angepeilten Sparvolumens von 6,6 Millionen Euro will die Verwaltung mit der „Optimierung der Gebäudereinigung“ erreichen. Bisher braucht Hochbau-Chef Andreas Haas alljährlich 3,25 Millionen Euro, um die Verwaltungsgebäude, Kindergärten, Schulen und Hallen der Stadt sauber zu halten. Spätestens 2012 sollen es 630.000 Euro weniger sein.

Dazu möchte Haas alte Verträge mit den Fremdfirmen kündigen und bessere Konditionen für die Stadt aushandeln (minus 200.000). Weil private Reinigungsbetriebe billiger sind, sollen sie weiterhin alle durch Fluktuation frei werdenden Putzdienste übernehmen (61.000). Zudem wird künftig nicht mehr bei jedem Ausfall eine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung engagiert (61.000) – und, wo möglich, auch nicht mehr so häufig geputzt (68.000). Fehlt noch der Einspar-Brocken von 240.000 Euro, den Haas dadurch reinholen will, dass er die eigenen, oft allein werkelnden Reinigungskräfte zu effizienter arbeitenden Teams zusammenfasst.

Kein Aufschlag für private Kinderbetreuung

Unter dem Stichwort „Abbau freiwilliger Leistungen“ geht es um eine ganze Reihe kleinerer Sparvorschläge, die von kürzeren Betriebszeiten bei den städtischen Brunnen (5.000) bis zur Schließung der Toilette in der Bahnhofsunterführung (10.000) reichen. Daneben findet man aber auch große Ausgabeposten mit entsprechend großem Konfliktpotenzial.

Bei den Zuschüssen für die private Kinderbetreuung sollen ab 2013 jährlich 540.000 Euro eingespart werden – allein durch die Streichung der bislang vorgesehenen Erhöhungen um zwei Prozent pro Jahr. Der Antrag dürfte für ähnlichen Zündstoff sorgen wie der mittlerweile zurückgezogene Sparvorschlag, das KiDojo-Jugendzentrum komplett zu schließen. In einem anderen Punkt hat sich der Gemeinderat bereits auf einen Kompromiss verständigt. Während die Verwaltung die Zuschüsse fürs Schulessen (260.000) komplett streichen wollte, begnügt sich der Rat mit einer Halbierung von 80 auf 40 Cent pro Portion.

Bleibt noch der Griff nach den Zuschüssen für Vereine und Initiativen. Wie berichtet, sollen bei der Kultur 184.000 Euro, mithin 4,9 Prozent aller Kultur-Zuschüsse abgezwackt werden. In den anderen Bereichen geht es um kleinere Sparbeträge. Schlicht deshalb, weil sie auch weniger aus der Stadtkasse bekommen. So sollen bei den Zuschüssen für den Umweltschutz 2.000 Euro, bei der Jugendförderung 20.000, bei der Gleichstellung 23.000, beim Sport 36.000 und im Bereich Soziales und Gesundheit 54.000 Euro gestrichen werden. Bei all diesen Summen handelt es sich exakt um zehn Prozent der bisher gewährten Zuschüsse.

Dass es hier noch keinen Aufschrei gab, mag an zweierlei liegen: Zum einen wissen die Betroffenen – anders als im Kulturbereich – noch gar nicht, wie die pauschale Kürzung auf die einzelnen Vereine verteilt wird. Und zum anderen hat die Stadt den meisten dieser Empfänger, zumal im Sozialbereich, die bisherigen Auszahlungen in voller Höhe bis Ende 2011 vertraglich zugesichert.

Das Tübinger Sparpaket – aufgeschnürt und ausgepackt

Die Stadt Tübingen muss sparen. Was bedeutet das im einzelnen – für die Verwaltung, für Vereine und Bürger? Das TAGBLATT begleitet die Debatte über das „Projekt minus zehn Prozent“ mit einer Artikelserie zum Sparpaket. Über die geplante Kürzung der städtischen Mittel für die Kultur, über die Vorschläge zum Stellenabbau und über die Reduzierung gewohnter Leistungs- und Servicestandards haben wir bereits berichtet. In dieser Folge geht es nun um den Abbau freiwilliger Leistungen, die Kürzung von Zuschüssen und nicht zuletzt auch um durchaus beträchtliche Einsparpotenziale, die man sich im Rathaus von Effizienzsteigerungen in verschiedenen Bereichen verspricht.

Gebäudereinigung soll über 600.000 Euro billiger werden
Auch wenn der gesamte Putzdienst nach und nach an Privatfirmen abgegeben werden soll – dass sie ihren Arbeitsplatz im Rathaus verliert, muss Maria Melillo nicht befürchten. Betriebsbedingte Kündigungen sind im Sparkonzept der Stadtverwaltung nicht vorgesehen.Bild: Metz

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07.10.2010, 12:00 Uhr

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