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Gebt Gas, ich will Spaß!

Der Test war unfreiwillig. Es ergab sich so. Eine kleine Tübinger Stadtrundfahrt mit dem Motorrad, die niemand, der bei Sinnen ist ohne Grund bei über 30 Grad im Schatten unternehmen würde. Und die zur Erkenntnis führte, dass ein gewisser Teil der motorisierten Verkehrsteilnehmer eben nicht ganz bei Sinnen ist – und das wahrscheinlich sogar vollkommen temperaturunabhängig.

22.07.2015
  • Winfried Gaus

Schlossbergtunnel - Westbahnhof- und Kelternstraße - Wilhelmstraße - Nordring - Frischlinstraße - Mohl-/Haußer-/Hölderlinstraße - Schlossbergtunnel - Hegelstraße - Friedrichstraße: Verschiedene Tempozonen gilt es zu durchfahren, Radler schlängeln und kreuzen, der Souverän Fußgänger bringt sich ein. Soweit der normale Alltag.

Doch wer‘s recht machen will, dem tröpfelt alsbald der Angstschweiß aus dem Helm. Tempo 30 in der 30er-Zone oder 40 bei 40 oder 50 bei 50: die Unverbindlichkeit dieser Zahlen nimmt anscheinend im Quadrat zu, je beruflicher die Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Sprich Taxi, sprich Bus. Drängeln und Auffahren, Ausscheren, Überholen und wieder Einscheren – Teil der beruflichen Fortbildung? Der Faktor +10 in Sachen Tempo ist das mindeste, was man sich angewöhnen sollte, will man nicht das Gefühl haben, bald angeschubst zu werden.

Es gilt die Körperspannung hochzuhalten beim Wechselblick in Rückspiegel – wo man je nach Lichteinfall die Falten im Gesicht besonders eiliger Busfahrer erkennen kann – und voraus. Wo auf gefühlt jedem zweiten Zebrastreifen mindestens zwei Nachzügler noch bei dunkelrot über die Straße schlendern oder, ganz ohne Radweg oder -fahrstreifen, in Pedale tretende Zweiradler rechts überholen obwohl mein Blinker schon seit 100 Metern die Absicht des Abbiegens anzeigt.

Und die Diskussion über Pedelecs auf Radwegen ist ein Witz. Gebt die Schnellstraßen frei für diese neue Sorte der schweißfreien Hurtigradler! Dort gehören sie hin. Ein Beispiel: Wir warten an der Ampel, ich auf unserer Fahrspur links, der Pedelec-Mann rechts. Ich komme etwas besser aus dem Startblock, sortiere mich dann mit Tempo 30 in den Verkehrsfluss ein und staune nicht schlecht, dass der Radler mich 150 Meter später rechts überholt – um plötzlich zu realisieren, dass er genau in diesem Moment ja nach links abbiegen wollte. Sein flink geschlagener Haken und meine Vollbremsung lassen uns beide gut aus dieser Sache herauskommen. Aber ein Fahrradführerschein wäre wohl doch keine ganz dumme Sache...

Dass beim nächsten Ampelhalt noch ein ungefähr Vierjähriger mit seinem Laufrädle vom Trottoir abkam, ich ihm aufhalf bis die Mama kam, die ihn mitsamt Rädle schnappte und ohne ein Wort des Dankes davon eilte – sollte einen das wundern?

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22.07.2015, 12:00 Uhr

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