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Demnächst: Erinnerungstafel in der Uhlandstraße und 27 Südstadt-Stolpersteine

Gedenken an Juden und Sinti

Das Gedenken an Tübinger Juden und Sinti wird konkreter: Südstadtinitiativen lassen Stolpersteine verlegen, die Rechtsanwaltskammer ehrt jüdische Kollegen mit einer Erinnerungstafel.

05.11.2011

Von Hans-Joachim Lang

Tübingen. Vor 15 Jahren verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine in Berlin-Kreuzberg, seither hat er sein Projekt allein in Deutschland in 655 Orten realisiert.

Zehn Kubikzentimeter sind die Betonsteine groß, auf deren Messinghut knapp über Schicksale von NS-Opfern berichtet wird, überwiegend Juden, aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und politisch Verfolgte.

Vor deren ehemaligen Wohnungen oder Häusern werden diese Stolpersteine wie ein Pflasterstein so in den Boden eingepasst, dass kein Passant befürchten muss, mit den Füßen darüberzustolpern.

Am Freitag, 25. November, wird auch Tübingen als Stolpersteine-Ort hinzukommen, offiziell von der Stadt mehr oder weniger nur geduldet, weil sie der Kommission „Kultur des Erinnerns“ nicht ins Konzept passen. Initiatoren sind die evangelische Eberhardsgemeinde, die katholische Gemeinde St. Michael und die Stadtteilinitiative Lorettina.

Gunter Demnig wird in der Tübinger Südstadt 27 Stolpersteine verlegen und am selben Tag um 20 Uhr in der Michaelskirche über sein Projekt berichten. Am kommenden Mittwoch, 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht, wird um 19 Uhr in der Stiftskirche das Projekt „Stolpersteine“ vorgestellt.

Bei dieser Gelegenheit werden die 27 Stolpersteine dort zu sehen sein. Die Stolpersteine erinnern an 26 Jüdinnen und Juden, von denen drei zur evangelischen Kirche konvertiert waren, und einen katholischen Sinto.

Am Montag, 11. Dezember, begeht die Tübinger Rechtsanwaltskammer ihr 65-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird die Kammer, deren Bezirk das ehemalige Bundesland Württemberg-Hohenzollern umfasst und bis an den Bodensee reicht, der in der NS-Zeit verfolgten jüdischen Rechtsanwaltskollegen gedenken. Als bleibendes Mahnmal soll in einer Feierstunde am Haus Uhlandstraße 15 eine Tafel enthüllt werden. In diesem Haus betrieb Simon Hayum viele Jahrzehnte seine Rechtsanwaltskanzlei.

Stolperstein in Stuttgart. Er erinnert an den Arzt Cäsar Hirsch, der vor den Nazis flüchtete und dessen Privatbibliothek die Gestapo der Tübinger Unibibliothek schenkte. Archivbild: Lang

Hechinger Straße 9: Max Löwenstein, Sophie Löwenstein, Siegfried Löwenstein, Elfriede Löwenstein, Walter Löwenstein, Ilse Löwenstein, Marga Marx, Victor Marx, Ruth Marx; Christophstraße 15: Emil Löwenstein, Karoline Löwenstein; Christophstraße 1: Dr. Ludwig Spiro, Elfriede Spiro, Edwin Spiro, Hans Spiro, Liselotte Spiro; Fürststraße 7: Martin Erlanger, Fanny Erlanger, Dr. Helmut Erlanger, Walter Erlanger; Fürststraße 17: Kurt Tichauer; Breuningstraße 30: Josef Zivi, Eugenie Zivi, Else Zivi, Ruth Zivi; Katharinenstraße 27: Johann Laubinger; Schönbergstraße 1: Walter Löwenstein.

Die Rechtsanwaltskammer erinnert an drei jüdische Rechtsanwälte, die in der Kanzlei in der Uhlandstraße 15 arbeiteten (Simon Hayum, Heinrich Hayum, Julius Katz) und noch rechtzeitig emigrieren konnten sowie an den aus der Uhlandstraße stammenden Rechtsanwalt Erich Dessauer, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde.

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Erstellt:
5. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2011, 12:00 Uhr

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