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Kommentar zum Abbruch der Syrien-Gespräche

Gefährliche Gedanken

05.10.2016
  • STEFAN SCHOLL

Moskau. Gescheiterte Militärbündnisse ähneln gescheiterten Ehen: Hinterher sind Fragen, wer moralisch im Recht gewesen ist, ziemlich müßig. Die USA haben gerade den eben erst geschlossenen Syrien-Pakt mit Russland gekündigt, jetzt wirft man sich übelsten Betrug vor. Aber produktiver als die übrigens erzrussische Frage, wer Schuld hat, ist die ebenso erzrussische Frage, was nun zu tun ist.

Wladimir Putin hat sich, wenn man Berichten amerikanischer Nachrichtensender glauben darf, schnell entschieden: Russland verlegt demnach Antey-2500-Luftabwehrsysteme nach Syrien. Um mögliche amerikanische Raketenangriffe abzuwehren? Um US-Kampfjets abzuschießen? Oder um bloß zu bluffen, wie üblich auf schwache westliche Nerven spekulierend?

Die Gegenseite in Washington hält sich noch bedeckt, was ihre Reaktion angeht. Wollen die Amerikaner wirklich wieder syrische Bodentruppen bombardieren? Oder die Rebellen in Aleppo ihrerseits mit moderneren Flugabwehr-Raketen bewaffnen? Es wäre ja nicht das erste Mal – schon in Afghanistan lieferte man den Gotteskriegern sehr effektive Stinger-Raketen. Übrigens mutierten deren Führer später zu anti-amerikanischen Chefterroristen, auch im heutigen Syrien sind die Übergänge zwischen Widerstandskämpfern und Terror-Islamisten fließend.

Jedenfalls ist zu befürchten, dass außer den Kommentatoren auch die Militärs sich zur Zeit gedanklich sehr nah an einem Waffengang zwischen den atomaren Supermächten bewegen. Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft mag aufschreien: Aber wenn der Westen auf die jüngste Entwicklung reagieren will, sollte er stumpfe, phantasielose, unkriegerische Mittel wählen, auch Sanktionen genannt.

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05.10.2016, 06:00 Uhr

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