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Grün nur für Sekunden

Gefährliche Kreuzungen und Ampelübergänge bereiten Eltern Sorgen

Kaum auf der Straße, schon zeigt die Ampel wieder Rot. Oder ein Auto steuert auf die Furt zu, obwohl die Fußgänger grünes Licht haben: Das kann besonders Kinder verunsichern. Viele Tübinger Eltern sorgen sich deshalb.

18.11.2014
  • Madeleine Wegner

Tübingen. „So ein Mist“, kommentiert eine Erzieherin, die mittags mit ihren Schützlingen an der Kreuzung Kelternstraße / Belthtle straße steht: Obwohl die Ampel für die Fußgänger bereits Grün zeigt, biegt noch ein Auto ab. „Da muss man aufpassen: Auch wenn‘s Grün ist, muss man gucken, ob ein Auto kommt“, schärft die Frau den Kindern ein.

„Die Ampelkreuzung ist schon länger ein Thema“, sagt Benjamin Böhm vom Elternbeirat der Grundschule Innenstadt. „Dort kommt es immer wieder zu kniffligen Situationen.“ Die Eltern wünschen sich deshalb längere Grünphasen für Fußgänger. Die Kreuzung am westlichen Rand der Altstadt ist nur eine der Stellen, an denen es immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen kann.

Manche Ampeln erlauben nur für wenige Sekunden das Überqueren der Straße, abbiegende Fahrzeuge oder Rückstau auf Kreuzungen können für Fußgänger gefährlich werden – nicht nur in der Weststadt, sondern beispielsweise auch an den Überquerungen der Stuttgarter Straße (B 27) im Süden der Stadt. Sie haben zwei Dinge gemeinsam: Auf gerade diesen Straßen herrscht sehr viel Verkehr und es stehen sich widersprüchliche Interessen gegenüber: Einerseits, die Autofahrer möglichst zügig durch die Stadt und vor allem aus der Stadt raus zu bringen. Andererseits wünschen sich Fußgänger Ampeln, die ohne große Wartezeit und vor allem lange genug grünes Licht geben, um die Straße sicher zu überqueren.

Bereits vor Jahren hatte die IHK geraten, den Verkehrsstrom auf der B 27 bis zum Bau des Schinhautunnels möglichst flüssig zu halten. „Die Lobby der Autofahrer ist groß“, sagt Volker Erb, dessen Kinder auf die Hügelschule gegangen sind. Jahre lang hat er sich für mehr Sicherheit auf der Stuttgarter Straße eingesetzt. Auch bei dem starken Elternprotest, nachdem 2011 ein Neunjähriger auf der Stuttgarter Straße an der Kreuzung Schweickhardtstraße angefahren wurde, obwohl er bei Grün die Straße überquerte. Als nach wie vor „dramatisch“ bezeichnet Gottfried Wastlbauer die Situation dort. Er war zwei Jahre lang Vorsitzender des Elternbeirats der Hügelschule. Besonders morgens seien Fahrer sehr aggressiv und der Verkehr für Kinder schwer zu überschauen.

Seit dem Unfall 2011 hat sich etwas getan an der Kreuzung: Zunächst wurde ein Blinklicht installiert, damit Abbieger aufmerksamer sind. Außerdem mahnen zwei Schilder an den Ampeln, die Kreuzung frei zu halten. „Die dritte und wirkungsvollste Maßnahme“, wie Leiter der städtischen Verkehrsabteilung Andreas Kerth sagt, sei die Abstimmung der Ampelschaltungen auf der gesamten Stuttgarter Straße bis hinunter zum Waldhörnle. Damit sollen Rückstaus auf den Kreuzungen verhindert und eine angemessene Mindestzeit für Fußgänger zur Überquerung gewährleistet werden. Eine grüne Welle als ideale Lösung für Autofahrer wie Fußgänger? „Egal wie man’s macht, jemand beschwert sich immer“, sagt Kerth.

Ganz vorn auf der Agenda

Die bisherigen Veränderungen reichen nicht aus, beklagen Elternvertreter. Viele Kinder der Hügelschule und der Französischen Schule nutzen den Übergang an der Schweickhardt-Kreuzung auf ihrem Schulweg – wie auch die Kreuzung Galgenbergstraße oder die Überquerung am Hechinger Eck. Zwei weitere Gefahrenpunkte, die den Eltern Sorge bereiten – wegen häufiger Rotlichtverstöße oder knapper Grünphasen. „Egal wie die Ampelschaltung ist, da gibt es keine Lösung“, sagt Wastlbauer. Ein Tunnel oder eine Brücke müsse her, wie bereits vor Jahren gefordert. Der Schindhautunnel kommt vermutlich erst in vielen Jahren. Die Stuttgarter Straße wird also vorerst stark befahren bleiben. Dafür wird es noch mehr Kinder geben, die über die Bundesstraße gehen müssen: Die Französische Schule, seit 2012 Gemeinschaftsschule, hat seitdem keinen eigenen Schulbezirk. Ab kommenden Schuljahr wird sich das ändern, dann wird unter anderem das Loretto-Viertel dazu gehören.

„Die Schulwegsicherheit ist extrem wichtig. Ich nehme das gern nochmal vorn auf meine Agenda“, sagt Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast auf TAGBLATT-Anfrage, „es muss ja nicht erst noch ein Unfall passieren.“ Im Landkreis Tübingen gab es laut Polizeiauskunft im vergangenen Jahr zehn Unfälle auf dem Schulweg. Im ersten Halbjahr 2014 kam es zu sieben Unfällen, sechs Kinder wurden leicht verletzt, eines in Kirchentellinsfurt schwer.

„Die Schulen tun unglaublich viel“, sagt Schulamtsdirektor Eberhard Gruner. Sie bilden Busbegleiter aus und bieten Verkehrstage für die Schüler an. Die Schulwegepläne sind Pflicht, doch zugleich „noch ein Entwicklungsfeld“, sagt Gruner. In den neuen Bildungsplänen ab 2016 soll Verkehrserziehung noch stärker betont werden. Bereits ab nächstem Schuljahr soll es zudem eine neue Software geben, in die Gruner große Hoffnung setzt. Sie soll Schulwegepläne auf gefährliche Stellen prüfen und Alternativen vorschlagen.

Gefährliche Kreuzungen und Ampelübergänge bereiten Eltern Sorgen
Viele Kinder der Hügelschule und der Französischen Schule müssen die stark befahrene B 27 in Tübingen überqueren, hier an der Schweickhardtstraße.Bild: Metz

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18.11.2014, 12:00 Uhr

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