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Gefangen im alten Frankonenstollen
Starke Nerven sind bei der Lektüre ein klarer Vorteil, sagt Uschi Kurz. Bild: Haas
Krimilesung mit Uschi Kurz

Gefangen im alten Frankonenstollen

Nach dem „Totenschöpfer“ stellt die Wannweiler Autorin Uschi Kurz ihren zweiten Regionalkrimi mit der Rechtsmedizinerin Kathrin Zimmermann vor. Am Donnerstagabend las sie in der Gemeindebücherei aus „Raureif“.

15.10.2016
  • Bernhard Haage

Alle Plätze waren besetzt bei der Buchpremiere des Regionalkrimis „Raureif“ der Autorin Uschi Kurz in der Gemeindebücherei Wannweil am Donnerstagabend. Für das Heimspiel der TAGBLATT-Redakteurin hatte sich Frank Butzer vom Silberburg Verlag ein ganz besonderes Geschenk ausgedacht: Er überreichte Kurz einen Christstollen als Anspielung auf einen anderen Stollen, der in ihrem neu erschienenen Krimi eine wichtige Rolle spielt. Die Rede ist vom Frankonenstollen, jenem 1944 von Zwangsarbeitern fast 400 Meter in die Erde unter der Reutlinger Pomologie getriebenen Luftschutzkeller, der inzwischen wegen Einsturzgefahr wieder aufgefüllt wurde. 2010, das Jahr, in dem der Roman spielt, war das noch nicht so.

Kurz begann die Lesung mit einer Sequenz aus einem fürchterlichen Traum, in dem ein Mann namens Mike seine eigene Mutter erwürgt. Kurz darauf allerdings legt sie bereits eine neue Fährte. „Du sollst sie doch nicht selbst umbringen. Das übernehme ich für dich“, sagt ein Fremder im Gespräch mit dem Traummörder. Szenenwechsel. Wie bereits im ersten Krimi von Uschi Kurz „Der Totenschöpfer“ wird die Rechtsmedizinerin und forensische Psychologin Kathrin Zimmermann wegen eines Mordfalls aus dem Urlaub geholt. Besonders tragisch: Bei der Erwürgten handelt es sich um die Stuttgarter Künstlerin Mira Bellonum – eine gute Freundin Kathrins.

Zunächst verdächtigt die Rechtsmedizinerin einen früheren Geliebten Miras. Er hatte die Freundin nach dem Ende der Affäre monatelang belästigt. Typisch für Kurz ist, dass sie aktuelle gesellschaftliche Themen und Fehlentwicklungen in die Handlungen einbaut. Hier: Der verdächtigen Stalker hat ein ebenso wasserdichtes wie scheußliches Alibi: Zur Tatzeit vergnügte er sich in einem Flatrate-Bordell.

„Ich hoffe, dass Sie sich in der Pause alle gestärkt haben, denn jetzt brauchen Sie wieder starke Nerven“, eröffnete Kurz den zweiten Teil der Lesung mit einem süffisanten Lächeln. Und jetzt erfährt das Publikum – gemeinsam mit Kathrin – mehr über die Ermordete: Aus einem hinterlassenen Brief geht beispielsweise hervor, dass sie einen Sohn hatte, den sie gleich nach dessen Geburt abgeben musste.

Ein Buchabschnitt über eine Selbsthilfegruppe für Gewalt- und Stalkingopfer macht neugierig, bleibt an diesem Abend aber rätselhaft. Denn Kurz behält es für sich, dass Mira einst ebenfalls diese Gruppe besucht hatte, und dass Kathrin, als sie das herausfindet, in tödliche Gefahr gerät. Es erklärt allerdings, warum sich der Krimi im letzten vorgelesenen Abschnitt bereits zu einem actiongeladenen Thriller entwickelt hat: Kathrin, gefangen im Reutlinger Frankonenkeller, braucht eine Haarnadel und Nerven wie Drahtseile, um sich ihrer Handschellen zu entledigen. Ob ihr, gemeinsam mit einem ebenfalls gefangenen Mädchen, die Flucht gelingt, blieb an diesem unterhaltsamen Abend, der musikalisch und stimmgewaltig von Sandy Heller und Stefan Widmaier mit Pop- und Rockklassikern umrahmt wurde, offen.

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15.10.2016, 01:00 Uhr

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