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Gegen den Verpackungswahn
Regional und unverpackt in Schwäbisch Gmünd: Einer von nur einem halben Dutzend Unverpackt-Läden in Deutschland. Foto: Giacinto Carlucci
Neuer Trend: Läden bieten ihre Ware lose an - Kunden füllen alles in mitgebrachte Behälter

Gegen den Verpackungswahn

In Deutschland öffnen immer mehr Geschäfte, die ganz auf Verpackung verzichten. Eingekauft und abgefüllt wird aus einem losen Sortiment.

26.04.2016
  • DPA

Trier/Mainz. Alles ist lose und garantiert unverpackt. Erbsen, Müsli, Zucker, Kaffee oder Reis: Im neuen Laden von Sebastian Würth und Stephanie Lampe füllt sich jeder das ab, was er haben will - in sein selbst mitgebrachtes Gefäß oder Baumwollsäckchen. Schokolade wird stückweise abgebrochen, Seife abgeschnitten. Sogar Klopapier gibt es offen und rollenweise, statt Zahnpasta aus der Tube liegen Zahnputztabletten bereit. "Wir wollen dem Verpackungswahnsinn in Supermärkten etwas entgegensetzen", sagt der Saarländer Würth (22), der mit der Berlinerin Lampe (34) jetzt in Trier mit einem neuen "Unverpackt-Laden" an den Start geht.

Zuletzt habe er im Großhandel gearbeitet, erzählt der Einzelhandelskaufmann. Der "irre Verpackungsmüll" müsse reduziert werden, meint er. "Es kann doch nicht sein, dass man im Supermarkt nur noch eingeschweißte Gurken bekommt", fügt Lampe hinzu. Und oft zu viel zu große Portionen kaufen muss.

Laut Umweltbundesamt wanderten 2013 in Deutschland 17,1 Mio. t. Verpackung in den Müll. Dieser bislang höchste Wert sei vor allem auf veränderte Lebensbedingungen und die damit verbundenen Verzehr- und Konsumgewohnheiten zurückzuführen.

Unverpackt-Läden breiten sich in Deutschland zunehmend aus. Die Erste war Marie Delaperrière, die Anfang 2014 in Kiel mit ihrem Geschäft "Unverpackt" an den Markt ging. Es folgten Unternehmer in Dresden, Bonn, Berlin und Mainz. Ende dieses Jahres dürften es deutschlandweit um die 30 sein, schätzt Delaperrière, die Workshops und Beratungen für Ladengründer anbietet.

Der Vorteil des Systems sei, dass man nur so viel kaufen könne, wie man auch brauche. "Bei uns kann man nur ein bisschen Müsli kaufen und es probieren, anstatt im Supermarkt gleich eine große Packung kaufen zu müssen", sagt Lampe. Die man, wenn es einem nicht schmecke, wegwerfe. Rund 500 Produkte sollen im Trierer Laden angeboten werden, auf der Ladentheke, aber auch in mehr als 100 großen Spender-Behältern (Bulk Bins) zum Abfüllen.

Geschäfte ohne Einwegverpackungen bedienten einen Trend, sagt der Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Christian Böttcher. Sie seien aber bei rund 39 000 Lebensmittelgeschäften in Deutschland noch eine Nische.

Für Unverpackt-Läden gelten die selben Hygienevorschriften wie für andere Supermärkte, erläutert die Sprecherin des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes, Kerstin Stiefel. Das heißt: Besondere Sorgfalt sei bei leicht verderblichen Produkten wie Fisch, Fleisch und Milch geboten, die Kühlkette dürfe nicht unterbrochen werden. "Das ist aber unabhängig von der Verpackung." Majid Hamdaoui hat vor knapp einem Jahr einen Unverpackt-Laden in Mainz aufgemacht. "Es läuft langsam gut", sagt der 53-Jährige. So ein Geschäft brauche Zeit: Die Kunden müssten erst lernen, ihre Behälter zum Einkauf mitzubringen - und wie viel Reis sie etwa für sechs Personen bräuchten. "Spontaneinkäufe sind eher selten." Er habe Stammkunden, darunter etliche Veganer. Die meisten seien zwischen 18 und 45 Jahre alt - oder aber Senioren.

Die neuen Jungunternehmer Würth und Lampe haben sich einen Teil ihres Startkapitals über das Internet besorgt. Ein Crowdfunding verschaffte ihnen in wenigen Wochen mehr als die zunächst anvisierten 20 000 EUR. "Die Resonanz war super", sagt Würth.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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