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Ein Spiel für die Freiheit

Gegen die Niederlande rückt der Sport in den Hintergrund

Im Länderspiel gegen die Niederlande geht es nicht um Taktik und Tore, Sieger oder Verlierer. Die Begegnung heute (20.45 Uhr/ZDF) soll ein Zeichen gegen den Terror und für die Freiheit setzen.

17.11.2015
  • GEROLD KNEHR (MIT SID, DPA)

Hannover Am Morgen nach der "schrecklichen, entsetzlichen und für uns alle schockierenden Nacht" im Bauch des "Stade de France" hatte Joachim Löw nicht das Gefühl, dass er und die deutsche Nationalmannschaft heute (20.45 Uhr/ZDF) in Hannover gegen die Niederlande antreten könne. "Gibt es denn nichts Wichtigeres als Fußball?", spukte es durch den Kopf des Bundestrainers angesichts des Terrors in Paris, der über 120 Menschen das Leben kostete und den die Mannschaft hautnah miterlebte. "Ich hatte das eindeutige Gefühl, dass das Spiel nicht stattfinden kann und soll."

Mit ein wenig Abstand hat sich Joachim Löws Meinung geändert. "Dieses Spiel hat eine klare Botschaft und ein klares Symbol - für die Freiheit und für die Demokratie!", sagte der emotional noch immer aufgewühlte Bundestrainer gestern im Teamquartier in Barsinghausen bei Hannover, wo die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verstärkt worden waren. Die Zufahrt zur Sportschule war mit rot-weißen Plastikbarrieren abgesperrt, Polizisten kontrollierten Autofahrer, die auf den Parkplatz wollten.

Auch heute am Spieltag ist mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zu rechnen. Statt mit zwei Hundertschaften, wie vor Paris geplant, wird die Polizei mit einem deutlich größeren Aufgebot vor Ort sein. Konkrete Zahlen werden aus taktischen Gründen nicht genannt. An den Stadioneingängen ist mit genaueren Kontrollen zu rechnen. Zumal sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel, Innenminister Thomas de Maizière, Justizminister Heiko Maas sowie der Spitze Niedersachsens hochrangige Politiker angekündigt haben.

Das symbolträchtige Freundschaftsspiel heute gegen die Niederlande wird zweifelsohne eine der ungewöhnlichsten Spiele in der deutschen Länderspielgeschichte werden. La-Ola-Wellen und Partystimmung sind genauso wenig angebracht wie etwaige hämische Gesänge darüber, dass die Holländer die EM verpasst haben.

Auch der sportliche Aspekt wird in den Hintergrund treten. Natürlich werden die Spieler darum bemüht sein, ihren Job professionell zu erledigen. Doch die Frage nach Sieger oder Verlierer, Tore und Taktik ist in dieser Begegnung zweitrangig. Auch wird es nicht darum gehen, wer sich in dieser Begegnung für ein Ticket zur EM 2016 empfehlen kann. Dass die Europameisterschaft in Frankreich und nicht etwa anderswo stattfinden wird, steht für den Bundestrainer nicht zur Debatte: "Es macht wenig Sinn, über ein anderes Land zu debattieren."

Die Begegnung heute soll ein politisches und gesellschaftliches Zeichen gegen den Terror werden. Geplant ist unter anderem eine Menschenkette direkt neben dem Stadion. Manager Oliver Bierhoff kündigte einige besondere Maßnahmen an, über deren Einzelheiten er noch nicht reden wollte. So steht zur Debatte, ob man gemeinsam mit den Niederländern und dem Publikum vor dem Abpfiff die "Marseillaise" singt. Auch über ein spezielles Trikot beziehungsweise eine besondere Botschaft auf den Hemden wird diskutiert.

"Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern", sagt DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. So gesehen ist das heutige letzte Spiel des Jahres 2015 dann sogar das wichtigste.

Gegen die Niederlande rückt der Sport in den Hintergrund
Bundestrainer Joachim Löw schreitet gut bewacht zum Abschlusstraining. Foto: Getty Images

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17.11.2015, 12:00 Uhr

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