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Nur leichte Verkehrsbehinderungen

Gegen einen Kreisel hat das Regierungspräsidium nichts, aber Gemeinde soll zahlen

Alle wollen den Kreisel an der Shell-Tankstelle in Kirchentellinsfurt. Das Regierungspräsidium hat zwar nichts dagegen, hält ihn aber nicht für notwendig. So soll die Gemeinde die Kosten tragen.

20.12.2012
  • Manfred Hantke

Kirchentellinsfurt. Als die Kirchentellinsfurter Verwaltung vor zwei Jahren die Idee mit dem Kreisverkehr an der Kreuzung Wannweiler / Kusterdinger / Einhornstraße in den Gemeinderat einbrachte, war auch das Gremium für diese verkehrstechnisch saubere Lösung. Denn der Knoten bei der Shell-Tankstelle ist seit Jahren ein Sorgenkind. Beim Berufsverkehr stauen sich die Autos weit nach hinten, nachmittags etwa beginnt der Stau schon auf der Abfahrt von der B 27 aus Tübinger Richtung.

Ein Kreisverkehr wäre auch für die Verkehrssicherheit eine bessere Lösung, argumentierte Bürgermeister Bernhard Knauss. Da die Ampeln auf LED umgerüstet werden sollen, könnte man sich das Geld sparen. Das Landratsamt sendete positive Signale, doch das Kirchentellinsfurter Kreisel-Projekt stockt. Denn das Regierungspräsidium (RP) sieht das ganz anders. Vor seiner Entscheidung im Oktober ließ es erst einmal durch die Schüler/innen der Graf-Eberhard-Schule eine Verkehrszählung durchführen. Ende Oktober lag das Ergebnis vor. Laut Aufzeichnung waren zur morgendlichen Hauptverkehrszeit von 6.30 Uhr bis 8 Uhr an der Kreuzung rund 2100 Fahrzeuge unterwegs, nachmittags zwischen 16.30 Uhr und 18 Uhr waren es 2800.

Es habe zwar „leichte Verkehrsbehinderungen“ gegeben, so das RP in seiner Stellungnahme an die Gemeinde, ein konkreter Handlungsbedarf könne daraus aber nicht abgeleitet werden. Sprich: Ein Kreisverkehr sei nicht unbedingt notwendig.

Zudem könnten die bereits „akzeptablen“ Ampelschaltungen durchaus noch optimiert werden. Das RP überprüfte mit einem Simulationsprogramm die Leistungsfähigkeit eines Kreisverkehrs an der Tankstelle. Die sei wegen der „relativ geringen Verkehrsbelastung“ gut. So sei das RP mit einem Kreisverkehr „grundsätzlich einverstanden“.

Doch da steckt der Haken: Weil die Kreuzung „aus verkehrstechnischer Sicht“ einen Umbau nicht zwingend erforderlich mache, habe die Gemeinde sämtliche Kosten zu tragen. So soll sie auch für die Planung, den Grunderwerb und den Umbau des Knotens zahlen. Auch müsse sie beachten, dass die beiden privaten Betriebszufahrten verkehrsgerecht angeschlossen werden müssten.

Das wäre freilich ein Haufen Geld für Kirchentellinsfurt. Ein Umbau zum Kreisel kostet laut Ortsbaumeister Martin Lack nämlich rund 300 000 Euro. Finanziell zuständig sind für die Kreuzung jedoch drei Behörden: das RP / der Bund (Wannweiler Straße) zu 50 Prozent, das Landratsamt (Kusterdinger Straße) und Kirchentellinsfurt (Einhornstraße) zu je 25 Prozent. Die Gemeinde müsste bei entsprechender Verteilung nur die Kosten für die Einhornstraße zahlen, also rund 75 000 Euro. Würde das RP sein Plazet geben, dann so Lack, „würden wir das Geld gerne einbringen“.

Wenn sich aber das RP finanziell nicht beteiligt, weil es keine Notwendigkeit sieht, bliebe bei der Gemeinde doch ein dicker Batzen Kosten hängen. Bürgermeister Knauss will an dem Thema „weiter dran bleiben“, sagte er. So habe er vor etwa zwei Wochen einen Brief an Regierungspräsident Hermann Strampfer geschrieben und ihn um eine nochmalige Überprüfung der Kreiselangelegenheit gebeten.

Die Antwort des Regierungspräsidiums steht derzeit noch aus, sei aber in Bearbeitung, wie Pressesprecher Oliver Knörr dem TAGBLATT sagte. Das Antwortschreiben solle in den nächsten Tagen an die Gemeinde geschickt werden. Vorher dürfe er nichts sagen. Etwas sagte er doch: Ein Verzicht auf die anstehende LED-Umrüstung der Ampeln zugunsten eines Kreisels stehe in keinem Verhältnis.

Gegen einen Kreisel hat das Regierungspräsidium nichts, aber Gemeinde soll zahlen
Für die Straße nach links zur B27 und nach rechts in Richtung Wannweil ist das Regierungspräsidium finanziell zuständig, für die Zufahrt in den Kirchentellinsfurter Ortskern (geradeaus) die Gemeinde. Bild: Sommer

Nicht nur die Kirchentellinsfurter Verwaltung und der Gemeinderat befürworten einen Kreisel. Auch Passanten und Autofahrer scheinen sich einig. Der derzeitige Zustand sei nicht tragbar, sagt Verena Schweizer. Die Kirchentellinsfurterin ist überzeugt, dass der Verkehr mit einem Kreisel sehr viel flüssiger laufen würde. „Wenn da ein Kreisel wäre, könnte man einfach fahren, statt lange warten zu müssen“, sagt auch Renate Mogck. Lutz Andreas wohnt zwar nicht in Kirchentellinsfurt, muss aber beruflich oft über die Kreuzung und ärgert sich über die langen Wartezeiten. Er verstehe vor allem nicht, warum an anderen, wesentlich weniger befahrenen Stellen, Kreisverkehre eingerichtet worden seien, etwa Richtung Sickenhausen („so ein Kokoloreskreisverkehr“). An der Shell-Kreuzung „wäre das wesentlich nötiger.“ Auch dem Wannweiler Diethard Pallat leuchtet nicht ein, warum die Kreuzung keinen Kreisel bekommt, wo doch auch einer in Richtung Wannweil gebaut worden sei. Der Verkehr staue sich nicht nur zu den Stoßzeiten morgens und spätnachmittags, sondern ebenso in der Zeit dazwischen. Auch um die Sicherheit an der Kreuzung sei es nicht gut bestellt. So hätten es Linksabbieger und Gegenverkehr manchmal schwer, sich nicht ins Gehege zu kommen, sagten Alexandra Pieper und Marlene Friesch. Friesch hat selbst schon brenzlige Situationen an der Kreuzung erlebt, die durch einen Kreisel nicht entstanden wären. „Und Strom sparend wäre das auch – so ohne Ampel“, fügt sie hinzu.Bettina Mühlbach

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20.12.2012, 12:00 Uhr

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