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Gegenpol zur Königstraße
Das Kaufhaus Gerber bildet das Zentrum des gleichnamigen Quartiers, in dem die Mischung aus inhabergeführten Läden, Kultureinrichtungen und Gastronomie stimmt. Foto: Foto: Ferdinando Iannone
Gerberviertel

Gegenpol zur Königstraße

Die Immobilieneigentümer an der Tübinger Straße wollen das Quartier weiterentwickeln. Schon heute ist es belebter als je zuvor.

16.01.2017
  • TILMAN BAUR

Stuttgart. Die Tübinger Straße hat sich gehäutet. Lange fristete sie ein Dasein als unwirtliche Durchgangsstraße. Das hat sich geändert. Ein Grund: das vor zwei Jahren eröffnete Stadtkaufhaus Gerber direkt hinter der Paulinenbrücke. Es ist mittlerweile das Zentrum des gleichnamigen Viertels. Die Tübinger Straße ist wiederum dessen Schlagader und gleichzeitig die Verbindung zwischen Königstraße und dem hippen Marienplatz im Stuttgarter Süden. „Durch das Gerber hat das Viertel viel Beachtung erfahren“, sagt die City-Managerin Bettina Fuchs.

Das Kaufhaus kombiniert Angebote für die Masse mit Nischenläden wie dem Feinkostladen „Enkel Schulz“ und solchen mit ausgefallenen Angeboten (wie dem Pop-up-Store „Megajuju“ mit seinen kuriosen Geschenkideen) und steht dafür beispielhaft für das Quartier mit seiner Mischung aus Mainstream, Alternativangeboten und kreativen, nachhaltigen Konzepten.

Gastronomie, Boutiquen, Kioske

So findet man im Abschnitt zwischen Paulinenbrücke und Torstraße, dem urbanen Herzstück der Tübinger Straße, einen bunten Mix aus Gastronomie, Boutiquen und Dienstleistungen. Stuttgart zeigt sich hier weniger konsumlastig, städtisches Lebensgefühl und Handel gehen Hand in Hand. Zeitungs- und Tabakkioske reihen sich an Naturkostgeschäfte und Imbisse. Eine Handvoll Friseur- und Beautysalons erstreckt sich zu beiden Straßenseiten Richtung Innenstadt, dazwischen drängen sich Sprachschulen, die Stuttgarter Selbsthilfekontaktstelle oder eine Ausbildungsstätte für Psychotherapeuten.

Abends Kulturpublikum

Und immer wieder inhabergeführte Boutiquen – auch das ein Kontrast zur von großen Ketten geprägten Königstraße. So etwa das „Kallas“, „Cinderella“ oder die Boutique „Noa Noa“. Auch Piercing- und Tattoostudios gibt es einige, in Häusernischen verstecken sich Spielcasinos, und die Kreativwirtschaft ist präsent. Ein Kino mit alternativem Programm („Delphi“) und das unweite „Alte Schauspielhaus“ ziehen kulturinteressiertes Abendpublikum an. „Es gibt viel zu entdecken im Viertel, und es ändert sich auch ständig etwas“, sagt Bettina Fuchs.

So hat sich die Tübinger Straße seit geraumer Zeit als Verkehrsmischfläche etabliert, die Autofahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer zu gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern macht. Mehr noch: Seit 2016 firmiert die Straße als Fahrradstraße, was die Zahl lärmender Autos erheblich dezimiert hat. So ist eine Flaniermeile entstanden, das neue Kopfsteinpflaster gehört nun allen. Fuchs: „Das Viertel ist insgesamt viel belebter als noch vor einigen Jahren.“

Von einer „Mediterranisierung Stuttgarts“ hat der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Süd, Raiko Grieb, in diesem Zusammenhang gesprochen. Passend dazu ist die Mittelmeerküche, die das Restaurant „La Méd“ anbietet. Es gehört zum Gerber, seine Außenterrasse zur Tübinger Straße hin ist im Sommer beliebt. Satt macht die Straße allemal. Neben Wein- und Espressobars („Mocca“) hat sich jenseits der Paulinenbrücke in Richtung Marienplatz eine neue kulinarische Zeile herausgebildet, in der man edel-italienisch („Perbacco“), japanisch („Mikito“) oder deutsch-amerikanisch (Der Burgerladen „Hans im Glück“) kocht.

Mediterranisierung

Gegenüber, im Umkreis der Marienkirche, schreitet unterdessen die besagte „Mediterranisierung“ fort: bis vor Kurzem als schmuddeliger Penner-Treff verschrien, mischen sich hier immer öfter flanierende Pärchen und junge Familien unters Volk. Zwar gehört dieser Abschnitt noch immer zu den Sorgenkindern der Stadtplaner, doch die Entwicklung der Straße zum Marienplatz hin – neue Wohngebäude, breit ausgebaute Trottoirs, Gastronomie und Ladenflächen im Erdgeschoss – deutet darauf hin, dass auch diese Lücke bald geschlossen wird.

Und damit nicht genug: Die Immobilieneigentümer in der Gegend wollen das Quartier weiter voranbringen. Vor Kurzem haben sie die „Quartiersgemeinschaft Tübinger Straße“ gegründet – per Gesetz haben sie damit die Möglichkeit, die Gestaltung des Areals aktiv mitzugestalten, erklärt Hannes Wolf, Quartiersmanager des Vereins Gerberviertel. An Ideen mangle es nicht. „Eine Weihnachtsbeleuchtung oder die Inszenierung der Eingänge in der Tübinger Straße, ein gemeinsames Erscheinungsbild durch einen Slogan, das sind Dinge, die immer wieder diskutiert werden“, erzählt er. Auch attraktivere Sitzmöglichkeiten und der Kampf gegen Falschparker – ein Dauerthema – stehen ganz oben auf der Liste.

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16.01.2017, 06:00 Uhr

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