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Justiz

„Gehen jetzt runter. Ich liebe Dich!!!“

Die ermordete Journalistin Kim Wall war arglos, wie ihre letzte SMS zeigt. In Kopenhagen läuft der Prozess gegen Peter Madsen, der sie in seinem U-Boot getötet haben soll.

09.03.2018
  • ANDRé ANWAR

Kopenhagen. Der Saal im Kopenhagener Amtsgericht ist am Donnerstag bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Mordangeklagte Peter Madsen eintritt. Mit einem vagen Lächeln guckt er sich im Raum um. Die Eltern der toten Journalistin Kim Wall betrachten ihn mit leeren Gesichtern. Dann erteilt Richterin Anette Burkø dem Staatsanwalt das Wort in einem der grausigsten Kriminalfälle in der Geschichte Dänemarks. Jakob Buch-Jepsen warnt die Zuschauer vor den Details, über die er berichten muss.

Er wirft dem 47-jährigen vor, die schwedische Journalistin Kim Wall (30) im August 2017 bei einer Tauchfahrt in seinem U-Boot „UC3 Nautilus“ körperlich und sexuell gequält, ermordet und zerstückelt zu haben, bevor er sie ins Meer warf. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung.

Madsen soll den Mord in seinem U-Boot im Voraus geplant haben, so Buch-Jepsen. Wall, die in der Nähe von Madsens Raketenwerkstatt mit ihrem Freund wohnte, hatte sich zuvor erfolglos um ein Interview mit ihm bemüht. Am 10. August schrieb er ihr, dass sie am gleichen Abend mit ihm eine U-Boot Tour machen sollte. Wall sagte spontan zu. Sie verließ eine Abschiedsparty, die sie mit ihrem Freund gab, weil beide nach Peking wollten.

Vom U-Boot aus schrieb sie ihm noch um 20.16 Uhr eine SMS, die Buch-Jepsen vortrug: „Übrigens, ich lebe noch. Gehen jetzt runter. Ich liebe dich!!! Er hat auch Kaffee und Kekse.“ Im U-Boot kippte die Stimmung dann anscheinend.

Madsen soll Wall überwältigt und „am Kopf, Armen und Beinen“ mit Riemen festgebunden haben. Dann soll er sie misshandelt haben, in dem er sie überall „schlug, stach, schnitt“, so der Ankläger. Auch brutale sexuelle Übergriffe soll er an ihr begangen haben. Walls genaue Todesursache könne nicht mehr genau festgestellt werden, räumte der Staatsanwalt ein.

Im U-Boot wurden Blut und Kim Walls Slip entdeckt. Zudem fand man „echte Filme“ auf Madsens PC, in denen Frauen sexuell gequält und hingerichtet werden. Noch 16 Stunden vor seinem Treffen mit Wall soll Madsen sich ein solches Video angeguckt haben.

Madsen soll die Leiche zersägt und mit Gewichten versenkt haben. Dann habe er auch sein U-Boot versenkt. Vermutlich um Spuren zu beseitigen. Rechtsmediziner fanden frische Schrammen und Blut von Wall an Madsens Körper. Er selbst spricht von einem Unfall. Er gibt lediglich zu, Walls Leiche in Panik zersägt und im Meer „beerdigt“ zu haben.

Eine im Gericht präsentierte psychiatrische Untersuchung stellt Madsen als zurechnungsfähig dar. Gleichzeitig liefert sie ein mögliches Motiv. Madsen sei „pervers und sexuell stark abweichend“. Sein Verhalten habe „narzisstische und psychopathische Züge“. Er sei ein pathologischer Lügner, mit „fröhlichem, oberflächlichem Charme“. Er habe gravierenden „Mangel an Empathie, Reue und Schuldgefühlen“. Er sei eine „Gefahr für das Leben anderer“, zitiert der Ankläger aus dem Bericht.

Madsen verfolgt die Auslegungen des Staatsanwaltes ausdruckslos. „Ich bin nicht des vorsätzlichen Mordes an Kim Wall schuldig“, sagt er. „Ich bin sicher, dass Kim Wall einen sehr sehr schönen Abend hatte, bis es im Unglück endete.“ Alles andere seien falsche Anschuldigungen.

„Für jemanden wie mich gibt es nichts Schlimmeres als zu Zweit rauszusegeln und alleine heimzukommen. Also die eigene Besatzung nicht heimzubringen.“ Dass er, wie nach er Festnahme behauptet, Wall gesund an Land gesetzt habe, habe er nur erfunden, weil er nicht wahrhaben wollte, dass sie tot ist und um ihre „Angehörigen zu schonen“.

Aus dem gleichen Grund habe er ihre Leiche zerstückelt und ins Meer geworfen. „Ich dachte, dann kann ich einfach heim zu meiner Frau und unserer Katze“, sagte er. „Für mich gibt es seitdem nichts mehr, um das zu kämpfen es sich lohnt“, so betroffen sei er von Walls Tod gewesen. Er verneint auch, einen Samenerguss „vor während oder nach“ Walls Tod gehabt zu haben. Sie habe ihn sexuell nicht interessiert. Er habe vielleicht vor dem Treffen einen gehabt. „Für einen so erotischen Menschen wie mich kann es nicht überraschend sein, dass ich zu einem Zeitpunkt einen Samenerguss hatte.“

Ein sexuelles Motiv für die Tat zu beweisen, könnte beim Urteil eine lebenslange Haft begründen, statt einer begrenzten, sagen Experten.

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09.03.2018, 06:00 Uhr

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