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Waldlust als Spuk-Hotel?

Geisterjäger wollen jetzt der Sache genauer auf den Grund gehen

Der Denkmalverein Freudenstadt begleitet am kommenden Wochenende eine besondere „Performance“ im Hotel Waldlust in Freudenstadt. Das „Team Paranormaler Forschung Baden-Württemberg“, kurz TPF Baden, möchte das alte, geschichtsträchtige Denkmalhotel auf seine Geheimnisse außerhalb der mit fünf Sinnen fassbaren Realität untersuchen. TPF forscht nach den so genannten paranormalen Phänomenen, nach grenzwissenschaftlichen Begebenheiten aller Art. Die nicht-kommerziell arbeitende Gruppe begibt sich zu diesem Zweck häufig an „mystische, sehr ausdrucksstarke Orte“, um „Spuren aus dem Jenseits“, um „Zeichen aus der Schattenwelt“ aufzuspüren.

13.05.2011

Das sind vorzugsweise Gebäude mit einer langen Vergangenheit, Burgen, Schlösser, Kirchen, Friedhöfe, aber auch Privathäuser mit besonderer Bewandtnis.

Die Arbeitsweise, um solchen Objekten innewohnenden Phänomenen auf die Spur zu kommen, beruht auf quasi-wissenschaftlichen Methoden. Es werden technische Messinstrumente und Geräte als Detektoren platziert. Die „Geisterjäger? messen elektromagnetische Felder mit dem EM Meter, Temperaturabweichungen mit Infrarot-Thermometer, sie zeichnen mit Kameras Bilder und Töne auf, sie verwenden Nachtsichtgeräte und setzen an Schlüsselstellen auf Verdacht „Fotofallen?.

Die Baden-Badener Gruppe ist vor einiger Zeit auch auf das seit sechs Jahren ruhende Hotel Waldlust in Freudenstadt aufmerksam geworden. Manuela Mikic, Co-Leiterin von TPF Baden: „Das Hotel ist äußerst beeindruckend und geschichtlich sehr interessant, ein schönes Gebäude, das Team ist davon begeistert.?

TPF lancierte daraufhin eine Anfrage an den Denkmalverein Freudenstadt, der die Waldlust seit längerem baulich „wartet? und betreut. Und der für dieses größte geschichtliche Baudenkmal, das die Stadt Freudenstadt besitzt, auf verschiedenen Wegen versucht, Zukunftskonzeptionen zu entwerfen und Nach- bzw. Neunutzungen anzustoßen.

In der Regel geschieht das durch Kontakte zu möglichen Investoren, Öffentlichkeitsarbeit, Denkmalführungen. Im Vordergrund stehen aber der bauliche Erhalt, die Sicherung und Konservierung des alten Grandhotels, das Retten der architekturgeschichtlichen Originalsubstanz. Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit verwenden die Denkmalschützer darauf.

Eine Geisterjagd im fast leer stehenden Hotelpalast ist nun nicht gerade die Methode, dem Hotel frischen Auftrieb zu geben. So die Meinung des Vorstands zum Vorhaben von TPF Baden. Andererseits will man sich auch nicht allen Aktivitäten, die dem Haus Aufmerksamkeit verschaffen, verschließen.

So ist zum Beispiel im Juni 2011 eine dreiwöchige Kunstausstellung in der Waldlust geplant, verbunden mit einem Kunstschöpfungsprozess durch die ausstellende Künstlerin im Gebäude selbst. Es liegen Anfragen von Foto-Gruppen vor, welche das Hotel als inspirierenden Motivhintergrund nutzen wollen. Derlei Haus-Aktivitäten werfen in der Regel Spenden und Mittelzuwendungen ab, die umgehend in den Gebäudeunterhalt für die Waldlust gesteckt werden. Der Denkmalverein Freudenstadt gewährt nun dem Team Paranormaler Forschung für einige Nacht-Stunden Zugang in die Waldlust. Warum soll nicht auch versucht werden, den „unerklärlichen? Seiten, den nur im Volksmund verbreiteten Spukgeschichten aus der 110-jährigen, blühenden, aber inzwischen „verwelkten? Hotelhistorie nachzugehen.

TPF leistet dabei insoweit auch Spurensuche, als die Erforscher des Paranormalen immer auch in den Legenden und alten Geschichten eines Ortes kramen, um Anhaltspunkte und Hinweise für ihre Arbeit zu bekommen. Als TPF vor einiger Zeit einmal ein Schwarzwald-Privathaus „in einem bäuerlichen Dorf? im Landkreis Freudenstadt unter die Lupe nahm, entstand daraus eine ausführliche Dokumentation über die Legenden, Geschehnisse und mysteriösen Vorfälle, die dieses alte Haus in ein gespenstisches Licht rücken.

Die Freudenstädter Denkmalfreunde haben deshalb durchaus gemischte Gefühle ? und ein bisschen Bammel davor, dass die Waldlust womöglich als Spukhotel entlarvt werden könnte. Schon kursiert die Sage von einer umgehenden weißen Frau, eine Geisterscheinung mit den Zügen der alten Hoteliersgattin Luz. Und die Film-Crew, welche im Herbst letzten Jahres sich einen Monat in der Waldlust zu Dreharbeiten aufhielt, will auch Merkwürdiges erlebt haben: Schatten, die vorbeihuschten, Film-Equipment, das auf unerklärliche Weise verschwand. Die Denkmalfreunde sind auf jeden Fall mit gelindem Schaudern aufs Höchste gespannt.Archivbild

Dämmer-Stimmung im alten Hotel Waldlust in Freudenstadt: Ob nachts die Geister durchs Haus schlurfen, wird sich zeigen.

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Erstellt:
13. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2011, 12:00 Uhr

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