Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kommentar

Geistiges Futter allein macht noch nicht satt

Manchmal ist der Tübinger Erfolgsautor Peter Prange wirklich bedient. Zum Beispiel, wenn er auf seiner Internetseite als „doofe Sau“ angepöbelt und aufgefordert wird, gefälligst „die Fresse“ zu halten.

02.06.2012
  • Wilhelm Triebold

Nur weil Prange es wagte, aufs geltende Urheberrecht zu pochen. Oder wenn er im Freibad von einer Dame angegangen wird, die den Literaten in der Radiosendung „Autor als Beruf“ gehört hat und es schlicht „zum Kotzen“ findet, dass der nun auch noch Geld „für die schönste Sache der Welt“ nehmen will: „Pfui Teufel! “, entfährt ihr da.

Da platzt Prange schier der Kragen: „Müssen wir uns eigentlich schämen für das, was wir im Schweiße unseres Angesichts machen, für harte Arbeit, die bescheiden bezahlt wird? Für die paar Kröten müssen wir uns auch noch entschuldigen?“

Die Netzpöbler und die Literaturanbeterin aus der Badeanstalt sind zwei Seiten einer Medaille. Denn eigentlich sollte Leistung sich lohnen und höchstens der Tod umsonst sein. Jeder hat schließlich gern sein Ein- und Auskommen, am besten mit Lohnfortzahlung und Tarifsteigerung. Von Künstlern, Dichtern und Denkern hätte dagegen mancher wohl gerne, sie würden allein von Luft und Liebe zur Kultur leben.

Die grassierende Gratis-Seuche tut ein Übriges. Es ist im Internetzeitalter selbstverständlich geworden, sich von hinten bis vorne zu bedienen (oder auch bedienen zu lassen). Die „Pampers-Generation“ nennt Prange verächtlich diejenigen, die kaum Verwerfliches daran finden, sich Fremdkopien herunterzuladen, ohne sich Gedanken zu machen, wessen geistiges Eigentum sie gerade plündern.

Prange, dessen Debatte mit dem Kollegen Marcus Hammerschmitt zum Urheber-Thema weiter hinten im Blatt zu finden ist, unterschrieb als einer der ersten den „Zeit“-Aufruf „Wir sind die Urheber“. Er stellt sich in bester Absicht den beiden modernen Menschheitsgeißeln „Geiz und Gier“ entgegen.

Prompt wird den prominenten Unterzeichnern unterstellt, sie wollten als saturierte Besserverdienende nur ihre Pfründe wahren. Falls nun jemand wissen möchte, wer denn außer Boris Palmer diesen Aufruf inzwischen aktiv unterstützt, vermag die Internetseite schwerlich aufzurufen: Offenbar haben Gegner sie vorübergehend lahmgelegt – auch eine Form der Auseinandersetzung.

Den miesen Ruf des bestehenden Urheberrechts, einer nachdrücklichen Errungenschaft der Aufklärung und der kulturellen Arbeitsteilung, haben gewiss auch Absahner und Abmahner aus Verwertungsgesellschaften und Anwaltskanzleien zu verantworten.

Urheberrecht als reines „Rechteverwertungsrecht“: Da herrscht Reformbedarf. Und sicher gilt auch: „Der Urheber eines Werkes ist ein parteiischer Zeuge für seinen Wert“, heißt es bei dem streitlustigen Tübinger Ästhetikprofessor und Autor Friedrich Theodor Vischer.

Lesen Sie dazu im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT am Samstag die beiden Sonderseiten über das Streitgespräch zwischen Peter Prange und Marcus Hammerschmitt zum Urheberrecht.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

02.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball