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Gejagt, gefangen, verkauft, gegessen
Festgeklebt: ein Neuntöter an einer Leimrute auf Zypern. Foto: dpa
Tiere

Gejagt, gefangen, verkauft, gegessen

Warum viele Zugvögel nicht wiederkehren: Allein auf Zypern gehen jährlich Millionen ins Netz.

25.04.2017
  • DPA

Nikosia. Verzweifeltes Flattern und Fiepen, immer wieder die Rufe zweier Wilderer, die die Vögel in ein weit aufgespanntes Netz treiben. Dann „pflücken“ sie sie aus dem Netz und werfen sie in Plastikeimer. Nichts für schwache Nerven sind die Videoaufnahmen der britischen Vogelschutzorganisation RSPB (Royal Society for the Protection of Birds) vom Herbst 2016 auf Zypern. Dort sind damals mehr als 2,3 Millionen Wildvögel der illegalen Jagd zum Opfer gefallen.

Wenn die Zugvögel im Frühjahr nach Deutschland zurückkehren, ist ihre Zahl nicht nur auf natürliche Weise dezimiert. Die Jagd auf kleine Vögel ist im Mittelmeerraum verbreitet – in Südfrankreich ebenso wie auf Malta, in Italien und eben auf Zypern.

Die drittgrößte Mittelmeerinsel ist bei Zugvögeln als Zwischenstation beliebt. Vielen wird das zum Verhängnis, denn „Ambelopoúlia“ (Weinbergvögel) gelten dort als Delikatesse. Bis zu 80 Euro lassen sich die Zyprer eine Portion der nur wenige Gramm schweren Singvögel kosten, obwohl deren Verkauf längst verboten ist. Von der Jagd sind Vogelschützern zufolge mehr als 150 Vogelarten betroffen. Davon stehen 78 auf der EU-Liste gefährdeter Arten.

In Restaurants und Tavernen angeboten werden unter anderem Nachtigallen, Mönchsgrasmücken, Bienenfresser, Rotkehlchen, Weidenlaubsänger und Singdrosseln. Sie stehen nicht auf der Speisekarte, sondern werden unter der Hand gehandelt.

Auf Zypern habe man es mit einer Art Vogelmafia zu tun, sagt Tassos Shialis. Er ist Mitglied der Umweltschutzorganisation Birdlife Cyprus und koordiniert den Nationalen Aktionsplan gegen illegale Vogeljagd. „Die Jagd ist zum Wirtschaftsfaktor geworden, es handelt sich im Grunde um organisierte Kriminalität. Deshalb ist es auch so schwer, dagegen anzukämpfen.“ Rund 15 Millionen Euro schlagen die illegalen Jäger pro Jahr um, schwarz. Die Schätzung stammt aus dem Jahr 2010 und dürfte sich kaum nach unten verändert haben.

Wie viele Wilderer es auf Zypern gibt, vermag Shialis nicht zu sagen. Es könnten tausende sein. Das schließt Mafiastrukturen genauso ein wie Hobbyjäger, die ihre Beute selbst essen.

Lockruf-Geräte und Leimruten

Nach Erhebungen der Umweltschützer spannten sie im vergangenen Herbst mindestens 21 Kilometer engmaschiger Netze und hängten unzählige Leimruten auf. Obendrein wurden Lockruf-Geräte installiert. In die Fallen geraten auch viele nicht essbare Vögel, darunter der Zyprische Steinschmätzer, den es nur auf der Mittelmeerinsel gibt, sowie der Wiedehopf und verschiedene Eulen-Arten.

Besonders perfide: Die Wilderer pflanzen im großen Stil Akazienbäume und bewässern sie mit den knappen Wasserressourcen der Insel, um ihre Netze aufzuspannen. Die Bäume sind auf Zypern gar nicht heimisch. Sie haben auch negative Folgen für die dortige Flora und Fauna.

So kämpfen die Vogelschützer von Birdlife Cyprus an vielen Fronten. Ihr Erfolg: Gesetze gegen das Wildern. Bloß helfen sie im Alltag wenig, sagt Shialis. Noch nie sei jemand fürs Wildern ins Gefängnis gekommen. dpa

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25.04.2017, 06:00 Uhr

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