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Leitartikel zu den Vorhaben des neuen Fifa-Präsidenten

Geld und Spiele

15.10.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm. Gianni Infantino hat gut lachen. Das Selbstbewusstsein und das Tempo, mit dem der neue Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa seine Vorhaben vorantreibt, raubt dem schlichten Beobachter den Atem und manchem Mitstreiter scheinbar die Sinne. Wer braucht da noch die schmierigen, wenig appetitlichen Geschichten von gestern?

WM-Skandal, der Sumpf aus leichtem Geld und schwerem Betrug, das in der Schweiz laufende Strafverfahren gegen den früherer Fifa-Boss Joseph Blatter – war da was? Infantino scheint kein größeres Verlangen zu verspüren, die düsteren Kapitel der Vergangenheit aufzuklären. Er blickt in die Zukunft. Die Art und Weise, wie er seine Ideen und Visionen vorantreibt, wirkt den Kennern des Treibens in der Verbandszentrale nur allzu vertraut. Alte Allianzen werden gerade aufpoliert, und neue geschmiedet. Es geht um Macht und Geld und umgekehrt. Gibst du mir, dann geb ich dir. Rund um den Globus, jeder mit jedem. Sie wollen mehr. Mehr von allem, und vor allem mehr Geld. Auf dem Kongress, zu dem sich die Anführer des Weltfußballs diese Woche in Zürich trafen, haben sie ihre Ansprüche relativ unverblümt formuliert.

Allen voran Infantino, der ultimative Dauergrinser. Er hatte den Geistesblitz, die alle vier Jahre ausgetragene Weltmeisterschaft von 32 auf 40 oder sogar 48 Mannschaften mit bis zu 80 Spielen pro Turnier aufzublasen. Mehr Mannschaften, mehr Spiele, viel mehr Geld. So lautet die einfache Formel, auf die sich die führenden Fifa-Funktionäre höchstwahrscheinlich Anfang nächsten Jahres einigen werden. Es sprach Bände, dass Infantino am Ende des Kongresses frohgemut in die Mikrofone plauderte. 40 Mannschaften, oder 48. Beides möglich. Vielleicht bleibe auch alles, wie es ist, so palaverte er. Es schien, als müsse er sich das Lachen verkneifen.

Die Fußballanhänger haben also wohl oder übel davon auszugehen, dass die WM spätestens ab dem Jahr 2028 noch größer und gewaltiger daherkommt. Es ist zu befürchten, dass der Fußball, das reine Spiel auf dem Rasen, auf der Strecke bleibt. Das Niveau des Turniers wird zwangsläufig fallen. Längen und Langeweile scheinen gerade in den Gruppenspielen zu Beginn der WM programmiert. Die großen Fußballnationen werden die Anfangsphase gezielt und mit taktischer Finesse dazu nutzen, die Spitzenspieler zu schonen. Aktives Erholen im Wettkampfmodus, damit die Stars topfit für den weiteren Turnierverlauf werden können.

Infantino und seine Freunde aus der Fifa-Spitze haben noch einige andere Einfälle auf Lager, die sie in den vergangenen Tagen und Wochen unter das Volk streuten. Die interkontinentale Champions League für Nationalmannschaften etwa, ein Wettbewerb, bei dem die Landesauswahlen im Wochenrhythmus aufeinandertreffen. Deutschland gegen Spanien soll es dann etwa genauso oft zu sehen geben wie Bayern München gegen Real Madrid. Im Gespräch ist auch die Superliga, in der nur die größten Klubs der Welt mitspielen dürfen. München gegen Los Angeles und Barcelona gegen Peking.

Das Rad dürfe keinesfalls überdreht werden, so warnen die Besonnenen. Infantino, den chronisch Gutgelaunten, scheinen die Worte der Warner jedoch nur wenig zu interessieren.

leitartikel@swp.de

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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