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T-Aktie

Geliebt, geschmäht, gehasst

Das Telekom-Papier befeuerte vor 20 Jahren die Aktienkultur. Später zerstörte sie die Lust an der Börse.

17.11.2016

Von ROLF OBERTREIS

Frankfurt. „Natürlich habe ich T-Aktien gezeichnet. Gleich in drei Ländern sogar“. André Kostolany lächelt in die Fernsehkameras. Er müsse ja für seinen Ruhestand vorsorgen. „Ich bin ja erst 91“, sagt der legendäre Börsen-Guru. Es ist der 18. November 1996. Gerade ist die T-Aktie, das Papier der Telekom nach einer rund 100 Mio. D-Mark teuren Marketing-Kampagne – unter anderem mit dem verstorbenen Schauspieler Manfred Krug – in den Handel gegangen.

Bis zum Mittag werden mehr als 49 Mio. Aktien gehandelt. Ron Sommer sitzt währenddessen mit dem Postminister und Bankern im Flieger nach New York. Auch an der weltgrößten Börse, der Wall Street wird die T-Aktie in den Handel gebracht. Nicht Kleckern, Klotzen lautet die Devise.

Weitere zwei Mal bringt die Telekom Aktien an die Börse. Zwischenzeitlich ist der Kurs am 6. März 2000 auf das Rekordhoch von 103,50 EUR klettert. Wer die Aktie beim ersten Börsengang für 14,57 EUR gezeichnet hatte, hat seinen Einsatz mehr als versiebenfacht. Und kann sich über einen satten Gewinn freuen – wenn er an diesem Tag verkauft.

Höhenflug ist vorbei

Im Mai 2000 ist der Höhenflug der Volksaktie vorbei, nicht nur weil die Internetblase geplatzt ist. Es gibt erste Klagen wegen Kapitalanlagebetrug, Falschbewertung von Immobilien und Bilanzfälschung. Im Juni 2002 knackt die Aktie die Schwelle von 10 EUR – nach unten. Wenige Wochen später nimmt Sommer seinen Hut. Anleger haben zehntausende Euro, manche Hunderttausend und mehr verloren. Börsenguru Kostolany erlebt das nicht mehr, er ist 1999 gestorben. 2002 verbucht die Telekom wegen gigantischer Abschreibungen mit fast 25 Mrd. EUR den höchsten Verlust, den je ein deutscher Konzern eingefahren hat. Im Juni 2012 stürzt die T-Aktie auf ihr Allzeit-Tief von knapp 7,70 EUR.

17 000 Kleinanleger klagen gegen Telekom, Sommer und andere Top-Manager auf 80 Mio. EUR Schadenersatz. 2005 beginnt die Verhandlung. Eigens wegen des Skandals wird ein Muster-Verfahren für solche Prozesse eingeführt. Bis heute laufen die Telekom-Verfahren.

Die Telekom-Aktie freilich hat sich längst von ihren Tiefstständen vor vier Jahren erholt. Aktuell kostet die Aktie rund 14,50 EUR. Das Unternehmen, an dem der Bund über die Förderbank KfW mit 32 Prozent beteiligt ist, steht mittlerweile auf festen Beinen. Trotzdem haben der Niedergang der Aktie bis dahin, die Riesen-Verluste und die Prozesse der deutschen Aktienkultur einen schweren Schlag versetzt. Nur 9,5 Mio. Bundesbürger besitzen Aktien oder Aktienfonds. otr

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Erstellt:
17. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. November 2016, 06:00 Uhr

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