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Er kann’s einfach nicht lassen

Geltungsdrang bringt Verletzte in Gefahr und einen 31-jährigen Hochstapler ins Gefängnis

Unter anderem wegen Betrugs stand ein 31-Jähriger Horber gestern vor Gericht: Ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung, ohne Geld und ohne jegliche Qualifikation schloss er als Vorsitzender eines angeblichen Vereins für Rettungssanitäter einen Vertrag für Rettungsdienstleistungen mit dem Veranstalter eines Punk-Rock Festivals in Brandenburg.

11.11.2015
  • Hans-Michael Greiss

Horb. Wenn sich dieses Festival auch als Exponent des wilden Ostens bezeichnet, so waren die Leistungen des Sanitätsdienstes noch unvorstellbar wilder. Daher verweigerte der Veranstalter auch die Zahlung und die fünf zu diesem Wochenende engagierten Fachkräfte des angeblichen Vereins für Rettungssanitäter erhielten kein Honorar. Dem völlig mittellosen Angeklagten war vor Vertragsabschluss klar, dass er zahlungsunfähig sei, sein Geltungsdrang trieb ihn jedoch wohl dazu, bewusst Straftaten zu begehen.

Strittig blieb die Einschätzung der Qualifikation seiner angeheuerten Mitarbeiter: Einem Rettungsassistenten bot er einen Stundenlohn von zwölf Euro, einem Rettungssanitäter nur 8,50 Euro, einem Sanitäter 6,50 Euro. Und unklar blieb auch die Zuordnung, mit wem welcher Vertrag ausgehandelt war und wer in welcher Eigenschaft welche Schicht abdeckte.

Nach dem Protokoll einer Sanitäterin fungierte der Angeklagte als Einsatzleiter, war aber bei einer relativ geringfügigen Verletzung einer Punkerin heillos überfordert. Er fragte ständig nach den notwendigen Handlungen, setzte eine Infusion und fuhr, ohne den Notarzt abzuwarten, den Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn über einen Acker.

Zwölf Vorstrafen: Zehn Monate Gefängnis

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte sich der Angeklagte als Rettungsassistent ausgegeben, obwohl er nie eine Ausbildung absolviert hatte und verbüßte eine Haftstrafe bis zum Februar 2014. Obwohl er im Gefängnis genug Zeit hatte, nachzudenken, wiederholte er, kaum entlassen, sein falsches Spiel im August, was zur aktuellen Verhandlung führte.

Dem Veranstalter listete er die angeblich geleisteten Arbeitsstunden in einer Rechnung auf, doch die reklamierte der Rechnungsprüfer wegen sachlicher Fehler, worauf der Angeklagte eine erneute Rechnung über den selben Betrag, jedoch ohne Stundenaufstellung erstellte, die noch weniger Akzeptanz fand.

Nach Abschluss des Punk-Festivals fuhr der Angeklagte mit der Sanitäterin nach Berlin und von dort zurück nach Horb. Wie er dem Gericht schilderte, sei die Frau während der Fahrt ermüdet, so habe er den Rettungswagen einige Stunden auf der Autobahn gelenkt, obwohl er gar keinen Führerschein besitzt.

Trotz einer Entwicklungsstörung und einer vermuteten Form eines atypischen Autismus beim Angeklagten sah Richter Christian Ketterer durchaus die Fähigkeit zu Einsicht und Steuerung, die jener aber nicht nutze. Er habe „einfach keinen Bock, sich anzupassen“. Zwölf Vorstrafen und Besitzlosigkeit ließen keine andere Wahl, als die Taten mit einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe zu ahnden.

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11.11.2015, 12:00 Uhr

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