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Gemächtig gerockt
Narziss und Goldschopf: Bassist Flea hat entscheidenden Anteil am Sound der Red Hot Chili Peppers Foto: Adeline Sophie Hartmann
Konzert

Gemächtig gerockt

Die Red Hot Chili Peppers sind eine schon mehrfach totgesagte, aber umso vitalere und virilere Band. In der Münchner Olympiahalle zeigen sie eine Menge – zum Glück nicht alles.

03.11.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

München. Wollt ihr meine verschwitzten Hoden sehen?“ Jubel erklingt, aber nein, Michael Balzary, den alle Musikwelt nur als Flea kennt, packt beim Konzert der Red Hot Chili Peppers in der Münchner Olympiahalle dann doch nicht zur Gänze aus. Schade? Och. Es ist ohnehin nicht so, dass die Fans der kalifornischen Alternative-Rocker ihre Heroen nicht schon in bloßer Herrlich- und Männlichkeit bewundert hätten. Die Red Hot Chili Peppers, das ist eine Band, die nicht nur klangliche und kinetische, sondern auch sexuelle Energie transportiert wie nur wenige andere. Gemächtig gerockt wird da, vom Leder gezogen und manchmal auch blank.

Todesfälle und Umbesetzungen, Stress und Stunk, Heroin und Alkohol, kreative und andersartige Pausen: Es ist ja ein nicht zu kleines Wunder, dass es ist diese Combo noch immer gibt, mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung in Los Angeles und ein Vierteljahrhundert nach ihrem kommerziellen Durchbruch mit „Blood Sugar Sex Magik“. Und dass sie nicht nur – andere gealterte Rockgrößen wissen, dass sie gemeint sind – wie eine Coverband in eigener Sache durch die Lande ziehen, sondern immer noch kreativ mitmischen und kraftvoll zubeißen können.

Solange Anthony Kiedis am Mikro steht, Flea den Bass virtuos bedient und Chad Smith mit Präzision und Power die Drums beackert, sind das die originalen Red Hot Chili Peppers – auch wenn sie sich immer mal wieder neu erfinden und beim aktuellen, elften Studioalbum „The Getaway“ mit Danger Mouse sogar einen HipHop-affinen Produzenten mit ans Steuer ließen. Doch die funkigen Grooves, die deftigen Breaks, die süffigen Melodien, die ungestüme Energie, die sind eben geblieben. Und mit Gitarrist Josh Klinghoffer ist ja auch der vierte Chili-Mann trotz aller Schweinereien keine Frischling – der Saiten-Wechsel von John Frusciante auf Klinghoffer vor sechs Jahren hat der Band und ihrem Sound zudem weniger zugesetzt als zu befürchten war.

Also wird am Dienstagabend in der Olympiahalle kräftig abgefeiert: Kiedis begeht just seinen 54. Geburtstag, und er macht, abgesehen von seinen Oberlippenbart, einen ziemlich guten Eindruck – er tanzt und tobt über die Bühne, und vor allem singt er wesentlich besser als beim Rock-am-Ring-Auftritt im Sommer.

Nach einem halben Dutzend Nummern entschuldigen sich die Herren, dass es jetzt mal ein wenig ruhiger zugehen werde – und bolzen umso härter los. Drummer Smith haut auch mal auf seinen Kopf, aber nach ein paar Jahrzehnten Rock 'n' Roll macht das wohl nichts mehr aus. Und Flea jazzt sich an Klinghoffer hoch, gibt das Rumpel-Stilzchen mit gelbem Resthaar: Narziss und Goldschopf.

Die Red Hot Chili Peppers bringen Songs aus dem neuen Album (klasse: „Dark Necessities“), aber natürlich auch ordentlich Hits: „Otherside“, „Californication“, „City Of Angels“. „By The Way“ erklingt als wahres Gewitter. Der Sound: kernig, aber nicht zu laut – einfach richtig gut. Und visuell machen Videoleinwand und hunderte mobile Leuchten an der Saaldecke ordentlich was her. Eine tolle Show.

Zur Zugabe lassen sich die Herren eine Weile bitten, aber dann geht es nochmals zur Sache, mit „Give It Away“ und Klinghoffers Verneigung vor David Bowie: „Heroes“. Doch die Red Hot Chili Peppers, die sind selbst noch immer echt scharfe Helden.

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03.11.2016, 06:00 Uhr

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