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Kritik an Folgekosten, Standort und der Fremdnutzung

Gemeinderat diskutiert kontrovers über Kunstrasenplatz / Votum fällt mit 18 Ja- zu sieben Nein-Stimmen deutlich aus

Die hohen (Folge-)Kosten, der Standort und die unklare Regelung für die Nutzung durch andere Vereine riefen bei etlichen Mitgliedern des Gemeinderats Bedenken und Widerstand gegen den Kunstrasenplatz hervor. Nach längerer Diskussion votierte das Gremium aber mit 18 Ja- und sieben Nein-Stimmen dafür, mit dem Stellen eines Förderantrags grünes Licht für das ISEK-Projekt zu geben.

25.11.2015

Sulz. Hauptkritikpunkt waren die Folgekosten, mit denen Heinrich von Stromberg (CDU) am Montag die Diskussion eröffnete. Nach Auskunft von Bürgermeister Gerd Hieber liegt der Bedarf bei 25000 Euro im Jahr, etwa der Hälfte der für einen Rasenplatz notwendigen Mittel. Bei bester Pflege hält ein Kunstrasenplatz zwölf bis 15 Jahre.

Martin Frey (GAL) befürchtete, der Standort sei hochwassergefährdet und wünschte sich die Priorität zunächst auf Investitionen in nötige Hochwasserschutzmaßnahmen. Bürgermeister Gerd Hieber verwies darauf, dass der Sportplatz außerhalb des Gefährdungsgebiets liege.

Freys Fraktionskollegin Gabriele Brucker machte sich Sorgen über die Pflegekosten: „Soll das die Stadt leisten oder die Vereine, und ist dafür ein Platzwart nötig?“, erkundigte sich die GAL-Stadträtin, die zu bedenken gab, dass nach zehn bis 15 Jahren für die Renovierung rund 300000 Euro nötig sind. Für die Kritik, es sei „unlauter“ und „hanebüchen“, Flüchtlinge in die Begründung für einen Kunstrasenplatz einzubeziehen, erhielt Brucker einen scharfen Rüffel von Bürgermeister Gerd Hieber, der diese Vorwürfe entschieden zurückwies und die „mustergültige Integrationsarbeit der Vereine“ lobte.

Tobias Nübel fügte hinzu, die vier beteiligten Vereine orientierten sich an den Erfahrungswerten aus Empfingen. Der VfR-Sprecher wandte sich aber dagegen, die Vereine in Dauerbelastung für die Pflege einzubeziehen und nannte jährliche Kosten von 6000 Euro für das Einbringen neuen Granulats. Wenn die Stadt Eigentümerin des Platzes werde, rentiere sich dies und sei eine faire Aufteilung.

Cornelia Bitzer-Hildebrandt (FWV) rechnete die Folgekosten für einen Kunstrasenplatz gegen die Pflegekosten für normale Rasenplätze hoch und versprach sich eine Senkung Letzterer, wenn die vier beteiligten Vereine ab 2016 im Winter auf Kunstrasen spielen. Die FWV-Stadträtin machte keinen Hehl daraus, einen Standort in der Kernstadt bevorzugt zu haben und bat darum, ein Nutzungskonzept für andere Vereine auszuarbeiten.

Fraktionskollege Axel Grathwol hält den Standort in Renfrizhausen hingegen für falsch und kritisierte, dass nur die vier beteiligten Vereine ein Nutzungsrecht haben. „Dürfen andere Vereine den Platz überhaupt nutzen?“, wollte der FWV-Stadtrat wissen. Unter der Voraussetzung einer Platzmiete sei dies möglich, antwortete Tobias Nübel.

Klaus Schätzle konnte den Bezug zum ISEK nicht nachvollziehen und überlegte, ob es nicht besser sei, auf eine solche Investition zu verzichten, wenn die Folgekosten unklar seien, obwohl das Projekt „viele gute Seiten“ habe. Das Argument der Integration wollte Schätzle nicht gelten lassen: „Integration lässt sich auch ohne Kunstrasenplatz realisieren“, befand der SPD-Stadtrat. Angesichts der hohen Investitionskosten verwies Schätzle darauf, dass Geld für den Breitbandausbau, sozialen Wohnungsbau, den Hochwasserschutz und den Bahnhofsumbau wichtiger sei. „Wir können uns den Kunstrasenplatz im Moment nicht leisten“, befand der Sozialdemokrat. Zudem kritisierte Klaus Schätzle, der Finanzierungsplan für den Kunstrasenplatz sei „auf Kante genäht“.

Begeistert von dem Vorhaben zeigte sich hingegen Lutz Strobel, der angesichts der beteiligten Vereine und der Aussichten auf den Bundeszuschuss „ideale Voraussetzungen“ und die Notwendigkeit sah, sich als Stadt im ländlichen Raum zu positionieren.

Bedenken wegen der Folgekosten hatte indes Rolf Springmann, der langfristig eine Erweiterung der Duschen und Umkleiden in der Mühlbachhalle für nötig hält. „Das Geld, das wir dafür brauchen, müssen wir woanders sparen“, gab der FWV-Stadtrat zu bedenken.

Fraktionskollege Dominique Steng empfand es als Ungleichgewicht, wenn vier Vereine, deren finanzielle Beteiligung noch nicht gesichert sei, stark subventioniert würden und andere den Kunstrasenplatz nicht nutzen könnten: „Damit machen wir uns rechtlich angreifbar“, wies der FWVler auf die Notwendigkeit einer Nutzungsvereinbarung für andere Kicker hin. Bürgermeister Hieber betonte, der Zugang für Dritte sei möglich.

Dieter Kopp (CDU) sah eine Chance, die nicht genutzte Anlage als Projekt für junge Leute wiederaufleben zu lassen und wies auf positive Aspekte wie die hohen Zuschüsse und die gesamtstädtische Ausrichtung des Projekts hin.

Nach der langen und kontroversen Diskussion konnte sich das Gremium am Montagabend schließlich doch noch zu einem Beschluss durchringen: Mit 18 Ja- und sieben Nein-Stimmen votierte der Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit für den Förderantrag.cap

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25.11.2015, 01:00 Uhr

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