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Der Name für die neue Hohenberghalle steht in den Sternen

Gemeinderat mehrheitlich für Sponsoren-Suche

Die Mehrheit des Rottenburger Gemeinderats hat sich am Dienstag dafür ausgesprochen, nach einem Sponsor für die neue Hohenberghalle zu suchen. Die Sportstätte, die 2014 fertig werden soll, soll dann den Namen des Geldgebers tragen. Der Bischof wird das nicht sein, so viel ist schon sicher.

20.12.2012
  • Hete Henning

Graf Rudolf III. verkaufte 1381 die Grafschaft Hohenberg und damit auch die Stadt Rottenburg für 66.000 Gulden an die Österreicher. An dieses bedeutsame Kapitel der Stadtgeschichte erinnern heute noch die Hohenbergschule, der Hohenbergkindergarten und die Hohenberghalle. Letztere, beschloss jetzt der Gemeinderat, muss ihren Namen nicht unbedingt behalten. Der Verwaltungsausschuss soll die Ausschreibungskriterien festlegen und dann auch beschließen, mit welchem Unternehmen ein Sponsoringvertrag abgeschlossen wird.

Ein möglicher Sponsor steht schon im Raum: Die Volksbank Herrenberg-Rottenburg, die dem Vernehmen nach 12.000 Euro pro Jahr zahlen würde, damit die Halle dann „Volksbank-Arena“ heißt. Peter Cuno (WiR) bekannte am Dienstag, dass seiner Fraktion die Namensgebung ausgerechnet durch ein Geldinstitut „erhebliche Probleme“ bereiten werde. Die CDU war zumindest mehrheitlich im Grundsatz für ein Sponsoring, Auch Ursula Clauß (Grüne) fand nichts dabei, das Wort Hohenberg abzugeben, die Frage sei aber, „was man dafür kriegt“. Sie plädierte aber dafür, die Suche noch etwas fortzusetzen, um einen Sponsor zu finden, dessen Firmenname „ein gewisses Alleinstellungsmerkmal für Rottenburg“ bringt – nach Sparkassen oder Volksbanken benannte Hallen gebe es bereits genug.

Margarete Nohr (SPD) sah das ähnlich wie Clauß und betonte, dass es keinen Grund zur Eile gebe: „Die alte Halle ist ja noch nicht einmal abgerissen.“ Abgesehen davon solle man den Namen Hohenberghalle „vielleicht lieber gar nicht als zu billig verkaufen“. Jeweils 12.000 Euro über zwölf Jahre, konterte Oberbürgermeister Stephan Neher, sei eine Menge Geld: „Da muss ein Verein viele Würschtle verkaufen, bis er den Betrag hat.“

Einen ganz neuen Gedanken warf Albert Bodenmiller auf, dem es aus lauter „Mitleid mit dem Stadthistoriker“ (Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert) sehr gegen den Strich geht, dass ein bedeutsamer Name wie der der Hohenbergs „einer Bank wie der Volksbank preisgegeben wird“. Er, Bodenmiller, habe nachgedacht und sei auf einen noch bedeutenderen Namen f gekommen: „Bischof Sproll.“

Während sich Unruhe breitmachte und so mancher Gemeinderat mit dem Sitznachbarn plauderte, erläuterte Bodenmiller sein Denkmodell: Der Stadt Rottenburg würde es landesweit viel Ansehen bescheren, würde sie ihre neue 8,5 Millionen Euro teure Vierfeld-Halle nach dem Bekenner-Bischof und von den Nazis verfolgten Ioannes Baptista Sproll nennen. Auch könne er sich vorstellen, dass der jetzige Bischof der Stadt im Gegenzug „ein Geschenk machen würde“, sodass der Namenswechsel nicht mit einem schnöden Warentauschgeschäft verbunden wäre.

Mit dem Wunder wird es nichts

Mit seiner Hoffnung „auf ein Weihnachtswunder“ blieb Bodenmiller allerdings ziemlich allein. Auch zeigte sich auf Anfrage des TAGBLATTs, dass er die Rechnung ganz ohne den Wirt gemacht hatte: Die Katholik(inn)en in der Diözese werde es gewiss freuen, sollte die Stadt dem Widerstandsbischof die Ehre erweisen, hieß es gestern bei der Pressestelle der Diözese. Eine finanzielle Gegenleistung sei aber „nicht denkbar“. Nach den Recherchen des bischöflichen Pressesprechers Uwe Renz hat Bodenmiller „mit Blick auf seine Idee nicht einmal einen Vorstoß im Bischöflichen Ordinariat gemacht“.

Bleibt vorerst noch ein anderer Name, der bei einer Hallennamen-Abstimmung auf der Facebook-Seite „Dein Rottenburg“ mit gestern Abend doch auch 46 Stimmen vor Mc Donald’s und Volksbank ganz vorne liegt: Affenpaule, der vergangenes Jahr verstorbene rebellische Rottenburger mit dem bürgerlichen Namen Paul Franz, der mit Fahrrad, Blaumann und Papagei auf dem Arm in der Stadt bekannt war wie ein bunter Hund. Affenpaule-Arena – viel Ehre wäre auch das, gewiss. Aber Geld für die Stadtkasse würde es nicht bringen.

Gemeinderat mehrheitlich für Sponsoren-Suche
So soll die neue Hohenberghalle aussehen. Welcher Name drauf stehen wird, ist noch offen.

Sprachlich betrachtet ist es eine Unsitte, Fußballstadien und Sporthallen den Titel Arena zu geben. Das Wort Arena kommt aus dem Lateinischen und bedeutet nichts anderes als Sand. Arenen waren Sandplätze in antiken Versammlungsbauten, auf denen Gladiatoren- und Löwenkämpfe, Wagenrennen und bisweilen auch Wettläufe ausgetragen wurden. Wenn es nach dem Sand ginge, ließe sich in Rottenburg allenfalls das Beachvolleyballfeld im Schänzle als Arena bezeichnen.
Gemeinderat Emanuel Peter (Linke) findet den Begriff Arena, gekoppelt mit welchem Sponsorennamen auch immer, für die Hohenberghalle auch wegen der Größe unpassend. Bei Arena denke er zum Beispiel an die 71 000 Zuschauer fassende Allianz Arena in München, wo der FC Bayern München spielt.
Bei manch moderner Arena ist auch der Name Schall und Rauch. Das gute alte Volksparkstadion in Hamburg etwa hieß seit 2001 erst AOL Arena und dann HSH Nordbank Arena. Im Moment läuft es als Imtech Arena.

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20.12.2012, 12:00 Uhr

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