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Kommentar

Gemeinschaft fördern – aber nicht elitär

Gemeinsame Fahrten sind klasse, weil sich Schüler dabei anders begegnen als im Unterricht. Das wissen die meisten Eltern aus eigenem Erleben und möchten diese Erfahrung auch ihren Kindern ermöglichen. Je nach Reiseziel haben diese schulischen Gemeinschaftsveranstaltungen ihren Preis. Und der ist für viele Familien, selbst mit durchschnittlichem Einkommen, oft zu hoch.

12.10.2010
  • Ute Kaiser

Vor allem, wenn sie zusätzlich noch Geld für die Anschaffung von Wanderschuhen, Anoraks oder anderer Ausrüstung ausgeben müssen.

Geld ist ein heikles Thema. Kein Mensch möchte einen Mangel offenbaren müssen – schon gar nicht (schul-)öffentlich. Die „Aktion Sahnehäubchen“ legt in ihrem Brief den Schulleitungen im Kreis deshalb nahe, schon bei der Planung die Finanzierungsmöglichkeiten offensiv anzusprechen und offenzulegen.

Wie wichtig das ist, weiß Dorothea Schmid-Ruß, Schulsozialpädagogin an der Tübinger Werkrealschule Innenstadt. Die Schule habe dafür zu sorgen, dass Eltern und Kinder wissen: „Es ist normal, dass Geld eine Rolle spielt.“ Und dass sich niemand dafür schämen muss. Deshalb gilt dort der Grundsatz: „Egal, was zu Hause los ist, wir müssen einen Weg finden.“ Um dafür Zeit zu haben, bekommen Eltern das von Schmid-Ruß entworfene Informationsblatt mit allen Hilfsmöglichkeiten schon sehr früh im Schuljahr.

Im persönlichen Gespräch klärt die Schulsozialpädagogin mit ratsuchenden Eltern und Kindern die „optimale Förderung“. Bei Bedarf wird ein individueller Finanzierungsplan entwickelt – normalerweise mit einem Eigenbeitrag der Familie, einem Zuschuss des Fördervereins und bei älteren Schülern mit dem Verdienst eigener Arbeit.

Aus pädagogischen Gründen legt auch die Gewerbliche Schule in Tübingen Wert auf die Fahrten der aus allen möglichen Schularten zusammengewürfelten elften Klassen des Technischen Gymnasiums. Um die Gemeinschaft zu stärken, so Schulleiter Erwin Horrer, „genügen auch drei Tage“. Reiseziel ist oft das Donautal.

Bei regulären Klassenfahrten als Teil des schulischen Pflichtprogramms versuchen auch allgemeinbildende Gymnasien, eine Grenze von etwa 300 Euro einzuhalten. Der Förderverein des Tübinger Wildermuth-Gymnasiums (WG) hat nach Auskunft von Schulleiter Helmut Janisch dieses Jahr rund 5000 Euro für Zuschüsse zu Klassenfahrten oder zum Schüleraustausch eingestellt.

Doch es gibt viel teurere Reisen – etwa in Tübingens US-amerikanische Partnerstadt Ann Arbor oder nach Griechenland. Diese Exkursionen sind Kür und werden deshalb nicht von Jobcenter oder Sozialamt übernommen. Und nur an einer Schule gibt es dafür einen Zuschuss aus dem Fördertopf. Ein Reisepreis von rund 800 Euro schließt Schüler aus. Noch viel mehr ein Austausch mit Asien. Das bringt auch Gutverdiener mit mehreren schulpflichtigen Kindern in Bedrängnis. Selbst wenn sie lange auf die Fernreise sparen und die Schüler dafür jobben. Nicht nur aus sozialen, auch aus pädagogischen Gründen fragt sich, ob diese Ziele, die einige Gymnasien Jugendlichen anbieten, wirklich so elitär sein müssen.

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12.10.2010, 12:00 Uhr

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