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Sechstes KuRT-Festival lockte knapp 12.000 Gäste

Gereifter Besuchermagnet

20 Bands, zwei Bühnen, 15 Stunden Live-Musik, drei Tage Unterhaltung, Aftershow-Partys und ein vielfältiges Rahmenprogramm: Trotz mäßigem Wetter ist das sechste Reutlinger KuRT-Festival wieder ein Besuchermagnet gewesen.

08.07.2012
  • Moritz Siebert

Reutlingen. 2007 hatte das KuRT-Festival Premiere gefeiert. Unter anderem spielte die Band Polarkreis 18, die damals kaum jemand kannte. Die Veranstalter erwarteten 5000 Gäste, gekommen waren am Ende deutlich weniger – trotz Festival-Wetter. Fünf Jahre später ist nicht nur Polarkreis 18 über die Bundesgrenzen hinaus bekannt, sondern auch das KuRT-Festival: Erwartet worden waren dieses 12 000 Gäste, gekommen sind 11 850 – trotz Regens. Festivals werden dann gut, wenn sie nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Boden gestampft werden, sondern natürlich reifen und von Jahr zu Jahr wachsen.

Ein Lineup mit 20 Bands ist auf dem KuRT aber längst genauso Standard wie die Vielfalt des Rahmenprogramms: In diesem Jahr ein Poetryslam, ein Skate-Contest, eine Graffiti-Aktion und der Auftritt der Parkour-Gruppe Blackout Germany. Das Prinzip, die beiden Konzertabende stilistisch einheitlich zu halten, hat sich bewährt: Den Veranstaltern gelingt es so, den Andrang der Massen zu bewältigen – und der Beobachter bekommt Auskunft über die Vorlieben der Jugend: In diesem Jahr sorgten die Hip-Hopper (die Acts wie die Gäste), vielleicht auch dank des Rückenwinds vom Wetter, für bessere Stimmung. Und das, obwohl schon der Indie- und Elektro-Abend am Freitag mit namhaften Bands aufwartete.

Aus den Beats und Melodien von Captain Capa – sie nennen ihren Stil Hochgeschwindigkeitspop – spricht der Wunsch nach Sonnenschirm und Badehose. Doch erst mit dem Auftritt von Headliner Young Rebel Set aus England hörte es auf zu regnen. Dunkle Stimme und Folk-Flair: Es klingt ein bisschen nach Johnny Cash, es wirkt ein bisschen nostalgisch, nicht nur die Musik, auch die Hemden und die Frisuren. Die Festivalstimmung ist da, der berühmte Funke mochte aber noch nicht so recht überspringen, er wartete bis Samstag.

Schon am frühen Abend mussten die Gäste zurückgehalten werden, denn nur 4700 dürfen zur gleichen Zeit auf dem Gelände sein. Der erste Act des Abends mit Bekanntheit (und gleichzeitig einer der stärksten Acts des Abends) sind Herr von Grau, die mit Wortspielereien („Wenn das hätte und könnte nicht wäre“) und klaren gesellschaftskritischen Statements begeisterten. Etwa das religionskritische Lied „Klebeband“, ein Youtube-Hit mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass darin über 50 Mal mit Berechtigung das Wort „scheiß“ vorkommt – und dem Fazit: „Der Gedanke, die Kunst und die Rede sind frei.“ Ein Gast moniert: „Von mir aus hätten die gerne länger spielen können.“ Wenn das hätte und könnte nicht wäre…

Auf der anderer Seite des Geländes steht aber schon Blumio bereit, ein Rapper mit Aussage (etwa im Youtube-Hit „Hey, Mr. Nazi“), mit viel Ironie, mit weitem Spektrum an Themen, aber auch mit der Neigung zur Albernheit, mit Witzen über Dialekt und dem schlechtesten Reim des Abends: „Brigitte ist meine Lieblingsschnitte“. A propos alberne Namen: Noch weniger Fantasie hatten seine Sängerin, sein Einheizer und sein DJ: Die heißen Jessica G., Jayjay und DJ Stylo. Haupt-Act des Abends war Olli Banjo, mit Mitte 30 ein Urgestein der Szene und noch immer die düstere Gestalt mit Baseball-Cap und Kapuzenpulli.

Während er sich auf die „Suche nach dem Lichtplaneten“ begibt, sich darum bemüht, die Gäste zum Durchdrehen zu bringen, sowie neben der Stadt und dem Publikum vor allem sich selbst feiert, hat gleichzeitig Blumio am Merchandise-Stand auch nach dem geschätzt 100. Foto noch ein Lächeln für seine Fans und ein Fazit für die Presse übrig: „Großartig, gute Stimmung, tolles Publikum.“ Das klingt etwas abgeklärt – er trifft die Sache damit aber im Kern.

Dass es mit „KuRT“ auch im nächsten Jahr weitergeht, da sind sich die Veranstalter sicher – wie genau es weitergeht, weiß allerdings noch keiner. Denn da, wo am Wochenende tausende Menschen tanzten, feierten und den Konzerten lauschten, sollen in einem Jahr bereits japanische Schnurbäume wachsen und ein Bürgerpark entstehen. Ein Umzug steht also auf jeden Fall bevor. Die Stadt Reutlingen wird aber wohl alles daran setzen, das KuRT zu erhalten, denn es ist längst ein Stück Reutlinger Kultur geworden. Es ist außerdem pflegeleicht (DRK und Polizei haben laut Veranstalter einen ruhigen Abende verbracht) – und es ist Stadtmarketing, wie man es sich wohl besser nicht wünschen könnte.

Gereifter Besuchermagnet
Beste Stimmung beim Reutlinger KuRT-Festival, als am Samstag der „Herr von Grau“ auftrat.Bild: Haas

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08.07.2012, 12:00 Uhr

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