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Gereizte Stimmung bei Steinmeiers Stippvisite
Außenminister Steinmeier schaut sich im türkischen Parlament die Schäden an, die der Putsch im Sommer hinterlassen hat. Foto: dpa
Türkei

Gereizte Stimmung bei Steinmeiers Stippvisite

Die Wogen zwischen Berlin und Ankara wollen sich auch nach dem Besuch des Außenministers nicht glätten. Im aufgeheizten Klima tragen beide Seiten ihre Differenzen öffentlich aus.

16.11.2016
  • KNUT PRIES MIT DPA

Ankara. Wenn ein Chefdiplomat nach einem Treffen mit einem ausländischen Amtskollegen von „Eintrübung“ spricht, vom „Austausch unterschiedlicher Positionen“ und einem „nicht ganz einfachen Gespräch“, dann heißt das im Klartext: Die Beziehungen sind schlecht, das Klima frostig.

So musste sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem ersten Besuch in der Türkei seit dem Putschversuch heftige Vorwürfe anhören. Deutschland sei ein Zufluchtsort für PKK-Terroristen und Anhänger des „geisteskranken“ Predigers Fethullah Gülen, wetterte der türkische Außenminister Mevcüt Cavusoglu gestern in Ankara. Seine Regierung macht die Gülen-Bewegung für den gescheiterten Putsch verantwortlich. Die Türkei sei es zudem leid, in der EU von oben herab als Partner zweiter Klasse behandelt zu werden, klagte Cavusoglu.

Bald auf dem alten Stand?

Der Bundesaußenminister kritisierte seinerseits die Massenverhaftungen der vergangenen Monate sowie die jüngsten Einschränkungen in der Meinungsfreiheit. „Versteht das bitte nicht als Anmaßung, nicht als Belehrung von oben herab“, fügte er hinzu. Die türkischen Vorwürfe wies er zurück. Die Anschuldigung, Deutschland sei ein sicherer Hafen für Terroristen, würde ihn „mindestens irritieren“. Den Vorwurf könne man „schlicht und einfach nicht nachvollziehen“.

Trotz des Zerwürfnisses will die Türkei aber offenbar mit Deutschland im Gespräch bleiben. Steinmeier traf sich nicht nur mit Premierminister Binali Yildirim, auch Staatschef Erdogan erklärte sich kurzfristig bereit, ihn zu empfangen. Der Gast aus Berlin wurde außerdem durch das Parlament geführt, wo noch Schäden aus der Putsch-Nacht zu sehen sind.

Nur beinahe versöhnlich drückte Cavusoglu auch noch die Hoffnung aus, dass die deutsch-türkischen Beziehungen schon bald wieder „auf dem alten Stand“ sein würden. Dass das kein einfacher Prozess wird, zeigten die Gesichter der beiden Kollegen nach der gemeinsamen Pressekonferenz: Cavusoglu blickte grimmig drein, Steinmeiers Miene verriet Missstimmung. Knut Pries (mit dpa)

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16.11.2016, 06:00 Uhr

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