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Erstmals darf Multiple-Sklerose-Patient Cannabis selbst züchten

Gericht erlaubt Hanf-Anbau

Wegweisendes Urteil: Erstmals darf ein Patient Cannabis für den Eigenbedarf anbauen. Das Urteil dürfte auch andere Patienten betreffen.

07.04.2016
  • EPD

Leipzig. Schwer kranken Patienten ist erstmals die Möglichkeit zum eigenen Anbau von Cannabis eröffnet worden. In einem wegweisenden Urteil verpflichtete das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, einem an Multipler Sklerose leidenden Mann eine Ausnahmegenehmigung für den Anbau und die Ernte der Pflanzen zu erteilen. Bislang war in solchen Fällen noch nie eine Erlaubnis erteilt worden.

Das Gericht erkannte an, dass es für den Mann keine Alternative zum Eigenanbau gibt. Der 52-Jährige leidet seit 30 Jahren an Multipler Sklerose und konsumiert zur Linderung der Symptome regelmäßig Cannabis - zwischen drei und vier Gramm pro Tag. Damit lassen sich für den Patienten vor allem Störungen des Gleichgewichtssinns und der Motorik besser bewältigen. Auch psychische Auswirkungen seiner Krankheit werden gemildert.

Aus Sicht seiner Ärzte gibt es für den Patienten keine alternative Therapie. Auch ein anderes Medikament auf Cannabisbasis, für das die Krankenkasse die Kosten in Höhe von knapp 500 Euro pro Monat übernehmen würde, stellte sich als deutlich weniger wirkungsvoll heraus.

Mittlerweile hat der Kläger sogar eine Erlaubnis, sich Medizinalhanf in der Apotheke zu besorgen. Doch dort kostet ein Gramm etwa 15 Euro, jeden Monat wären das bei seinem Konsum mindestens 1500 Euro - was sich der schwer kranke und erwerbsunfähige Mann nicht leisten kann. Die Krankenkasse lehnte eine Kostenübernahme mehrfach ab.

Seit Jahren baut der 52-Jährige daher in seinem heimischen Badezimmer selbst Cannabis an. Juristisch belangt wird er dafür nicht. Es liege ein "gerechtfertigter Notstand" vor, urteilte bereits im Jahr 2005 das Amtsgericht in Mannheim.

Politisch fällt die Gerichtsentscheidung in eine Umbruchphase: Erst im Januar hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einen Entwurf für eine Gesetzesänderung vorgelegt. Diese zielt darauf ab, dass künftig die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Medizinalhanf übernehmen sollen. Den Eigenanbau will die Politik offensichtlich unbedingt verhindern. Im Entwurf für das Gesetz heißt es, ein Eigenanbau sei keine Alternative und komme aus "gesundheits- und ordnungspolitischer Sicht" nicht infrage.

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07.04.2016, 06:00 Uhr

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