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Prozess

Gericht rügt Verhalten von Audi

Es gibt keine gütliche Einigung mit dem gefeuerten Entwickler. Er soll das Unternehmen in Misskredit gezogen haben.

05.04.2017
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. „Reicht euch die Hände“ hat der Künstler Michael Hieronymus seine Skulptur genannt. Sie steht vor Saal 1 des Heilbronner Arbeitsgerichts. Dort waren gestern die Prozessparteien nicht bereit zum Handschlag. In dem Verfahren, das auch gerichtsintern „Audi-Dieselgate“ heißt, blieb der Gütetermin zwischen dem Autobauer und seinem geschassten Chefentwickler Ulrich Weiß ohne Erfolg.

Weiß klagt gegen seine Freistellung im November 2015, er wehrt sich außerdem gegen insgesamt vier Kündigungen, seit Anfang März ist er arbeitslos. Audi wirft ihm „Täuschung des Vorstands“ über die Diesel-Probleme vor. Der Motorenexperte aus Neckarsulm habe stets beteuert, es gebe keine Schwierigkeiten. Zur Trennung habe auch geführt, dass er Mitarbeiter zur Vernichtung von Dokumenten angehalten habe. Der Kläger habe „Dinge aus dem Zusammenhang gerissen“, sie seien geeignet, „Audi und bestimmte Personen in Misskredit zu bringen“, hielt ihm eine Anwältin des Autobauers vor.

Weiß ließ alle Anschuldigungen durch seine Anwälte zurückweisen. Er sieht sich als Bauernopfer in der Affäre um geschönte Abgaswerte. Auch gestern legte er dem Arbeitsgericht neue Dokumente – etwa von der VW-Konzernrevision – vor, die seine Unschuld beweisen sollen.

Das Vorgehen der beiden Weiß-Juristen bezeichnete der Vorsitzende Richter Carsten Witt als „unorthodox“. Sie reagierten auf Behauptungen von Audi, obwohl er, Witt, „nur allgemeine Überschriften gehört“ habe. Dabei liege die Beweislast beim Arbeitgeber. Witt, Direktor des Arbeitsgerichts, fand sehr deutliche Worte für das Verhalten von Audi. Als „befremdend“ bezeichnete er die Behauptung, es gebe keinen Bericht der US-Kanzlei Jones Day, die im Auftrag von VW und Audi für das amerikanische Justizministerium den Fall untersucht hat. Die Freistellung Weiߑ sei mit diesem Report begründet worden: „Das ist für mich eine Frage der Glaubwürdigkeit.“ Als die Audi-Anwältin bekräftigte, es existiere keine schriftliche Version, erwiderte Witt: „Das halte ich für abwegig, das glaube ich nicht.“

Möglicherweise reichen sich Audi und der Ex-Mitarbeiter doch noch die Hände. Über einen Vergleich werde gerade „intensiv beraten“, ließ das Unternehmen verlauten. Eine Entscheidung sei im Mai denkbar. Hans Georg Frank

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05.04.2017, 06:00 Uhr

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