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Geschäftsführer Dirk Brünz spricht über den Großbrand
Das Untergeschoss des Neubaus von 2009 (niedriges Gebäude) blieb dank der Betondecke so weit erhalten, dass es saniert werden kann. Ebenfalls das Untergeschoss des aktuellen Neubaus. Bilder: ria
„Pfalzgraf“: Ziel ist ein Neuanfang

Geschäftsführer Dirk Brünz spricht über den Großbrand

Als „positives Signal“ hatte „Pfalzgraf“-Geschäftsführer Dirk Brünz seinen Mitarbeitern noch vor der gestern kurzfristig anberaumten Pressekonferenz eine wichtige Nachricht verkündet: Ihre Löhne und Gehälter sind bis September gesichert. Ansonsten gab es nicht viel Neues zu berichten: Mit Ergebnissen zur Brandursache ist erst in einigen Wochen zu rechnen. Bevor diese vorliegen, könne er nichts Definitives darüber sagen, wie es weiter geht, erklärte Brünz.

09.06.2015
  • Rita Ott

Pfalzgrafenweiler.Es war das erste Pressegespräch, „das ich bewusst führe“. Denn „In den ersten Tagen nach dem Brand waren wir noch im Schockzustand.“ Jetzt, nach gut zwei Wochen, schilderte Dirk Brünz recht gefasst die Situation. In der Nacht vom 23. auf den 24. Mai waren durch einen Brand die gesamte Produktion und die Gebäude nahezu komplett zerstört worden. Angesichts der Zerstörung von „Glück“ zu sprechen, scheint angesichts des Ausmasses dieses Unglücks zwar nicht ganz passend zu sein. „Doch ich bin froh, dass keine Menschen ums Leben gekommen sind.“

Im Konferenzraum hängen noch die Pläne vom Neubau, der erst kurz vor dem verheerenden Feuer fertiggestellt worden war. 18 Monate Bauzeit, zuvor sechs Monate Planung – „es war das Nonplusultra“ in der Kuchenherstellung, sagt Dirk Brünz immer noch sichtlich erschüttert darüber, dass diese richtungsweisende Investition in die Zukunft des Unternehmens in einer Nacht völlig vernichtet wurde. Im Neubau lief gerade einmal eine Woche der Probebetrieb, zunächst nur mit einer Linie: Die Kuchen werden produziert, laufen durch einen 38 Meter langen Ofen, danach durch die Abkühlspirale, bevor sie in der Frostspirale gefrostet werden. Anschließend kommen die Schneideroboter – sie waren noch nicht in Betrieb – und zuletzt geht es über die Tiefkühlspirale ins Untergeschoss, wo sie verpackt und versandfertig gemacht werden. Der gesamte Prozess lief vollautomatisch durch – „wir waren zu diesem Zeitpunkt technisch auf dem Höhepunkt.“

Betroffen ist noch ein weiterer Neubau: Das Gebäude mit der Sahneabteilung, das erst 2009 in Betrieb genommen wurde. Dort ist das Untergeschoss, im dem Kantine und Sozialräume untergebracht waren, sanierungsfähig. Ebenfalls sanierungsfähig ist laut Gutachtern das Untergeschoss des aktuellen Neubaus mit dem Kühllager und der Endverpackung. Im Altbau ist die Sachlage noch unklar, er ist noch nicht freigegeben.

Nicht betroffen ist der Verwaltungsteil. Zwar hatte der Brand bereits die Toiletten dort erreicht, direkt neben Dirk Brünz’ Büro – „ich hatte das Feuer also schon im Nacken“. Doch das Gebäude konnte gerettet werden. Ebenfalls nicht betroffen ist Werk 2 – der Altbau mit der alten Backproduktion, die durch den Neubau hätte geschlossen werden sollen. Den alten Bau wieder aufzubauen und dort zu produzieren, mache keinen Sinn, alles sei kontaminiert, verraucht und verrußt.

20 000 Quadratmeter Fläche wurden vernichtet – und viele teure Maschinen. Die Brandermittler und die Kriminalpolizei sind seit zwei Wochen fast täglich vor Ort. Mit Ergebnissen ist aber erst in einigen Wochen zu rechnen, denn die Ermittlungen sind laut Kripo schwierig und es kann noch gut vier Wochen dauern, bis die Brandursache geklärt ist. Der Schaden liegt im höheren zweistelligen Millionenbereich. Derzeit ist das Unternehmen dabei, mit den Gutachtern die genaue Summe zu beziffern. Auch das wird einige Wochen dauern – der Bericht ist rund 500 Seiten lang.

Für Gebäudeinhalt (Maschinen und Lager) und Betriebsunterbrechung ist „Pfalzgraf“ versichert. Letztere deckt die nicht vermeidbaren laufenden Kosten, wie etwa Löhne. Nun liegt die Zusage der Versicherung vor, dass Löhne und Gehälter bis 30. September weiterbezahlt werden, auch das Urlaubsgeld wird ausbezahlt – für Brünz ein positives Signal, das er gestern seinen rund 260 Mitarbeitern vermittelte. Die zeitliche Befristung sei ein normaler Prozess, da die Brandursache noch nicht bekannt sei.

Und wie sieht die Zukunft aus? „Mein größter Wunsch wäre, die Firma Pfalzgraf dorthin zu bringen, wo sie vor dem Brand war“ – für diese Aussage erntete Dirk Brünz bei der Mitarbeiterversammlung stehenden Applaus. „Pfalzgraf“ ist mit 30 Prozent Marktanteil Marktführer im Food-Service (Fachsektor), die Produkte werden in 30 Länder auf der ganzen Welt ausgeliefert. Doch bevor die definitive Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens getroffen wird, seien noch grundlegende Dinge zu klären, wie Brandursache und Versicherungen. Brünz versichert: Wenn alle Voraussetzungen geschaffen sind, „gibt es einen Neuanfang“.

Bis dahin aber müssen einige kurz- und mittelfristige Maßnahmen umgesetzt werden. Wichtig ist: „Der Name Pfalzgraf darf nicht vom Markt verschwinden“, in der Zeit, bis es weitergeht. Deshalb ist Brünz im Gespräch mit mehreren Produzenten, die aushelfen und unter dem Namen „Pfalzgraf“ mitproduzieren würden. Derzeit besichtigt der Geschäftsführer zusammen mit Mitarbeitern Produktionsstätten. Denn bei allem zählen die hohen qualitativen Standards von „Pfalzgraf“.

Ebenso müssen die 15 „wichtigsten Produkte“ ausgesucht werden, die dann produziert werden sollen. Das wären etwa zehn Prozent der rund 150 Artikel des „Pfalzgraf“-Sortiments. Die Entscheidung ist nicht einfach, denn er werde niemals die Marke „Pfalzgraf“ auf den Markt bringen, die der Qualität nicht entspricht, betont Brünz. Man sei nun dabei zu verkosten, wie die Produkte der Mitbewerber schmecken. Das sind die nächsten Schritte, „eins kommt nach dem anderen“, so Brünz.

Mittlerweile hat die Firma die Büroräume wieder bezogen, im „Notbetrieb“. Das Telefon funktioniert wieder, das Internet nicht, das bekommt „Pfalzgraf“ derzeit noch vom Nachbarn Scheu zur Verfügung gestellt. Überhaupt das Thema Solidarität: „Es war überwältigend, wie viele Menschen spontan geholfen haben“, auch Nachbar-Betriebe, DRK und Feuerwehr. Ebenfalls überwältigt – und sichtlich emotional berührt – hat Dirk Brünz die große Anteilnahme. Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer, Politiker, Bürger – „alle stehen hinter uns.“ Und: „Alle haben mir Mut und Kraft zugesprochen“, erzählt er. Helfen können habe ihm in der schweren Zeit zwar niemand, „aber der Zuspruch tat gut“.

Geschäftsführer Dirk Brünz spricht über den Großbrand
Geschäftsführer Dirk Brünz sprach erstmals über den verheerenden Brand und nahm zur Situation Stellung.

Geschäftsführer Dirk Brünz spricht über den Großbrand
Die Aufräumarbeiten auf dem Gelände laufen. Der Anblick ist erschütternd: 20000 Quadratmeter wurden vom Feuer vernichtet, Gebäude und viele wertvolle Maschinen zerstört. Noch sind die Brandermittler und die Kriminalpolizei vor Ort. Wegen des großen Areals, das zu untersuchen ist, werden die Ermittlungen zur Brandursache noch Wochen dauern.

I n der Region habe es hinsichtlich der Umweltbelastung Bedenken gegeben. Chemiker und Sachverständige sind am Brandort, haben Proben entnommen. Das Ergebnis: „Es gibt keine Bedenken für die Umwelt“, stellt „Pfalzgraf“-Geschäfstführer Dirk Brünz klar. Das Löschwasser wurde fachgerecht entsorgt und die Chemiker hätten aufgrund bereits ausgewerteter Proben Entwarnung gegeben. Laut Sachverständigen wäre es gar nicht möglich gewesen, dass beim Brand etwa Dioxine hätten entstehen können, so Brünz. Auch was den Brandschutz angeht, habe alles den gesetzlichen Vorgaben entsprochen. „Es wurden jegliche Vorschriften eingehalten.“ Und der Brandschutz habe genau so funktioniert, wie er das tun sollte.

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09.06.2015, 12:00 Uhr

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