Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Dann ist Freiheit möglich

"Geschenk der Götter": Regisseur Oliver Haffner hat eine bissige Sozialkomödie gedreht

Oliver Haffner könnte als neues deutsches Komödienwunder durchgehen. Sein Film „Ein Geschenk der Götter“ über eine arbeitslose Schauspielerin in der süddeutschen Provinz erinnert an den beißenden Humor britischer Vorbilder. Am Sonntag war der Regisseur bei der Vorpremiere im Kino Atelier.

09.10.2014
  • Dorothee Hermann

"Geschenk der Götter": Regisseur Oliver Haffner hat eine bissige Sozialkomödie gedreht
"Ein Geschenk der Götter"

Seit sich die Arbeiterklasse im Jobcenter wiederfindet, ist es nicht so einfach, den alten Kampfgeist wieder anzufachen. So steht es auch um den Malocher Franz (Ex-Zimmertheater-Mime Paul Faßnacht), Friederike, Dimitri (Adam Bousdoukos aus „Soul Kitchen“) und die anderen, denen die gleichfalls abgestürzte Schauspielerin Anna (Katharina Marie Schubert) Sprechen und Auftreten beibringen soll. Es ist die Ausgangssituation von Oliver Haffners Komödie „Ein Geschenk der Götter“. Gedreht wurde in Ulm.

Der 40-jährige Regisseur weiß, dass Humor nicht heißt, die soziale Realität auf äh-äh-Abstand zu halten. „Ich wollte etwas über Ausgrenzung erzählen, über Leute, die mit ihrer Lebenssituation allein stehen“, sagt Haffner im TAGBLATT-Gespräch nach der Tübinger Preview. Seinen Film hat er bewusst in einer wirtschaftlich starken Region verortet: „Armut und Ausgrenzung gibt es auch dort, wo sie nicht so sichtbar sind. Das ist für die Betroffenen umso schwieriger.“

Jetzt im Kino: Die Kunden vom Jobcenter machen Theater - "Ein Geschenk der Götter"

Jetzt im Kino: Die Kunden vom Jobcenter machen Theater - "Ein Geschenk der Götter" --

01:42 min

Zurück zum Film: Schon wie sich die ziemlich unterschiedlichen Typen bei ersten Aufwärmübungen mit der Frau vom Theater anstellen, sprengt die Jobcenter-Routine ebenso wie die Vorstellungen, die die Beteiligten von sich selbst und von den anderen haben. Doch die bühnenerfahrene Anna will höher hinaus. Ihr geht es um mehr als ein gewandteres Auftreten. Ihre widerwilligen Schützlinge sollen richtig Theater spielen, die griechische Tragödie „Antigone“ – eine Figur, die ebenfalls am Rand der Gesellschaft steht, wenn auch in einem weit radikaleren Maß.

Es ist erstaunlich, wie der klassische Text den Figuren eine Würde gibt, die sie über ihre alltägliche Misere, Enteignung, Resignation und Wut hinaushebt. Gleichzeitig enthüllen die Proben bisher sorgsam verborgene Schwächen der Einzelnen. Solche Brechungen dürften sich aus Haffners eigenen Erfahrungen speisen. Sein künstlerischer Weg begann mit einer Schauspieler-Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar, bevor er ein Studium an der Münchener Hochschule für Film und Fernsehen draufsetzte.

Sein „Geschenk der Götter“ sollte Momente einfangen, in denen die Figuren „von sich selbst und den eigenen Problemen absehen“, wie er sagt. „Dann ist Freiheit möglich.“ Die Profi-Besetzung fand sich in einer paradoxen Konstellation: Schauspieler übernehmen die Rolle von Laien, die anfangen Theater zu spielen.

"Geschenk der Götter": Regisseur Oliver Haffner hat eine bissige Sozialkomödie gedreht
Oliver HaffnerBild:Agentur

Haffner hat den Eindruck, als würde die Gruppe der Ausgegrenzten immer größer, halte aber noch still: „Wenn ich mal zusammenrechne, wer wirklich glücklich ist bei uns“, räsoniert er. Mit seinem Film will er auch aufrütteln: „Dass die Leute sich nicht mehr so zurückhalten in ihrer Unzufriedenheit.“ Um eine noch schärfere Form der Ausgrenzung – Obdachlosigkeit – geht es auch in seinem nächsten Filmprojekt. Zudem arbeitet er an einem Politthriller: über die Atomlobby im Westdeutschland der achtziger Jahre.

Der Tübinger Arsenal-Verleih bringt die so amüsante wie bissige Komödie in die Kinos. In einer Nebenrolle ist LTT-Neuzugang Raphael Westermeier zu sehen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.10.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige