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Geschenkt bekommen und in der Schublade vergessen
Wird viel verschenkt: Coupons für Kleidung, Bücher oder Elektronik. Foto: F otolia.com Foto: Bildquelle
Präsente

Geschenkt bekommen und in der Schublade vergessen

Wer einen Gutschein kriegt, sollte einiges wissen. So gibt es Verjährungsfristen und für ungewollte Konzertkarten spezielle Verkaufsplattformen.

21.12.2016
  • CAROLINE STRANG

Stuttgart. Es ist einfach so praktisch. Wenn man nicht genau weiß, was sich der andere wünscht, was ihm passt und gefällt, dann verschenkt man einen Gutschein. Der jeweilige Betrag ist bezahlt, der Beschenkte kann freudig einkaufen gehen, verreisen oder ein Gala-Diner genießen. Für den Handel ist das ein super Geschäft – das Geld fließt gleich und so manch ein Gutschein landet anschließend in der Schublade. Manche werden ganz vergessen, andere erst spät wieder entdeckt.

Thorsten Hennig-Thurau, Marketingwissenschaftler an der Universität Münster, geht von einer Verfallsquote zwischen 10 und 50 Prozent aus. „Für Händler ist das ein sehr lukratives Geschäft.“ Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, glaubt nicht, dass so viele Gutscheine vergessen werden. Sie geht von einem niedrigen einstelligen Prozentsatz aus. Gutscheine seien eine professionelle Marketing-Methode und ein Mittel der Kundenbindung, erklärt Hennig-Thurau noch. „Zu Weihnachten ist das Interesse der Kunden an Gutscheinen in etwa doppelt so groß wie sonst.“

Entdeckt man einen vergessenen Gutschein innerhalb von drei Jahren wieder, gibt es Hoffnung. Eigentlich. Der SWR hat einen besonders schwierigen Fall zum Thema Verjährungsfrist im „Marktcheck“ vor einer Woche gezeigt. Eine Frau hatte von ihrem Mann drei Reisegutscheine bekommen, Gesamtwert 2500 EUR. Ihm ging es dann gesundheitlich schlecht, ihr ebenfalls. Die Gutscheine hatten eine Einlösefrist von einem Jahr – das schaffte das Ehepaar nicht. Die Leiterin des Reisebüros weigerte sich danach, die Gutscheine noch einzulösen oder auszuzahlen.

Laut Dunja Richter, Juristin bei der Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, ist das nicht rechtens. „Es ist grundsätzlich so, dass man Anspruch auf die Einlösung des Gutscheins innerhalb einer Verjährungsfrist von drei Jahren hat“, sagt sie. Das heißt, dass ganz normale Gutscheine, die vorab bezahlt wurden, drei Jahre lang eingelöst werden müssen und zwar vom letzten Tag des Jahres an.

Wer also beispielsweise im Februar 2013 einen Gutschein bekommen hat, kann ihn bis Ende 2016 einlösen. „Der Handel möchte, dass die Gutscheine schnell eingelöst werden, deshalb wählt er wohl kürzere Fristen“, sagt Richter. Laut der Juristin sollte man direkt im Laden auf die dreijährige Frist bestehen. Weigere sich das Geschäft, den Gutschein innerhalb dieser Zeit einzulösen, empfiehlt sie, sich direkt an die Verbraucherzentrale zu wenden. „Wir prüfen den Sachverhalt und wenn die Voraussetzungen vorliegen, schreiben wir eine Abmahnung an das Unternehmen und fordern es auf, die Verjährungsfrist einzuhalten.“ Normalerweise funktioniere das gut. Der Handelsverband fordere seine Mitglieder eh zu größtmöglicher Kulanz auf, sagt Hagmann dazu.

Die Frist gilt übrigens nicht für Gutscheine, die man für umgetauschte Ware bekommt. Da kann der Händler eine eigene Frist für die Einlösung bestimmen. Die Juristin gibt grundsätzlich den Rat, Gutscheine möglichst schnell einzulösen. Schließlich kann ein Unternehmen ja auch schlicht nicht mehr existieren, wenn man Jahre wartet.

Bei Veranstaltungstickets ist die Lage ähnlich wie bei Gutscheinen – nicht jedes Ticket wird eingelöst. In vielen Fällen versuchen die Karteninhaber, ihre Tickets weiterzuverkaufen. Manches Unternehmen hat darin ein Geschäftsmodell erkannt. So hat der Tickethändler und Veranstalter CTS Eventim das nach eigenen Angaben erste deutsche Internetportal speziell für den Weiterverkauf von Veranstaltungstickets aufgebaut. Sabine Hagmann spricht in diesem Fall von einer „Win-Win-Win-Situation“: Schenker, Beschenkter und Unternehmen profitieren, wenn zum Beispiel der Termin oder die Musikrichtung einer verschenkten Konzertkarte nicht passen.

Das Unternehmen mit Sitz in München, das 2015 89 Mio. EUR Gewinn erzielte, biete mit dem Internetportal „Fansale“ seit 2007 einen „transparenten und sicheren Marktplatz“. Kostenlos ist das Angebot allerdings nicht: „Vor allem Sie als Käufer profitieren von unseren zusätzlichen Services und Garantien, welche von der Provisionspauschale in Höhe von derzeit 15 Prozent abgedeckt werden“, heißt es auf der Internetseite. Für Verkäufer wird eine Pauschale von 10 Prozent fällig. Für Hennig-Thurau sind Provisionspauschalen von 10 und 15 Prozent allerdings nicht zu rechtfertigen. „Der Anbieter verdient an der misslichen Lage, dass Kunden einen Termin nicht wahrnehmen können.“ (mit dpa)

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21.12.2016, 06:00 Uhr

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