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Einsamkeit und Pediküre

Geschichten von der weiblichen Seele: Rebekka Bakken im Sudhaus

Tübingen. Ach ja, so sind sie die Frauen. Da steht diese wunderschöne Sängerin auf der Bühne, das Haar lang wie das der Loreley, ebenmäßige Gesichtszüge, eine Stimme, die über drei Oktaven geht. Doch sie fürchtet sich davor, was das Publikum über ihre unbedeckten Zehennägel denkt.

12.10.2010

Um kritischen Blicken zuvorzukommen, spricht sie es selbst aus: „Schau da nicht hin, ich hatte keine Pediküre“, mahnt sie auf Englisch einen Zuschauer in der ersten Reihe. Eine Sekunde später: „Du hast doch hingeschaut!“

Rebekka Bakkens Musik gewährt einen Einblick in die weibliche Psyche, sie erzählt von Liebhabern, Make-Up und Einsamkeit, von Aggressionen, Großspurigkeit, Zartheit und Schutzbedürfnis. So lautet eine Strophe des Lieds „Powder Room Collapse“: Is my makeup done all right / Will my hairdo last all night/ Happiness for everyone / Peace and love and shiny stones. Oder eine aus „Hard to be a loser“: You see, a man is like a house there is always an open door and I don’t give a shit if thousand women have lived there before.

Am Samstagabend trat die 1970 in Norwegen geborene Sängerin im Sudhaus vor großem Publikum auf. Bakken wird eigentlich als Jazzmusikerin angekündigt, doch die Bandbreite ihrer Musik sprengt die Kategorie. Sie und ihre vierköpfige Band präsentierten Pop-Balladen und Liebeslieder, Stücke mit Rock-Elementen und einige, die an den urzeitlich-mystischen Klang von Enyas Musik erinnern. Mal unterstrich die Akustik-Gitarre Bakkens klare Stimme, dann wieder wurde ein flottes Keyboard-Solo gespielt. Zu diesem musikalischen Wechselspiel passte es, dass Bakken Englisch sprach, sich im Deutschen versuchte und in ihrer Muttersprache sang.

Entweder gab ihr mal jemand den Rat, mit dem Publikum zu kommunizieren, oder Rebekka Bakken hat einfach Spaß daran. Jedenfalls kündigte sie fast jedes ihrer Lieder durch eine (wahre? erfundene?) Anekdote aus ihrem Leben an. Bakken erzählte von ihrer Zeit in New York, in der sich dem Nichtstun frönte („Sie habe eine Schwäche dafür“) und von einem männlichen Fan, dem sie ihre Telefonnummer gab, der sie aber vier Tage warten ließ, bevor er anrief. In ihrer Kindheit habe sie gelernt, dass „wer einen Platz im Himmel haben wolle, nicht zuviel Spaß haben dürfe.“ Eben auch so eine Geschichte aus dem Leben einer Frau: Sie möchte Spaß haben, aber man suggeriert ihr früh, dass dieser Wunsch böse ist.akz

Geschichten von der weiblichen Seele: Rebekka Bakken im Sudhaus
Rebekka Bakken.

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12.10.2010, 12:00 Uhr

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