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Kritik an Kehrtwende der OB

Geschichtsverein will Häuserzeile in der Oberamteistraße fürs Heimatmuseum nutzen

Der Reutlinger Geschichtsverein kritisiert, dass OB Barbara Bosch die denkmalgeschützte Häuserzeile in der Oberamteistraße 28 bis 32 an einen privaten Investor verkaufen will. Er fordert stattdessen die Rückkehr zu alten Erweiterungsplänen fürs Heimatmuseum.

04.12.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Die denkmalgeschützte Häuserzeile gehört zu den wenigen steinernen Zeitzeugen, die vom Stadtbrand 1726 verschont wurden. Sie bietet zudem seltene Einblicke in mittelalterliche Wohnhäuser. Eine gewölbte Bohlenstube von 1320 ist bundesweit die zweitälteste bekannte und erhaltene dieser Art, sagt Denkmalschützer Günter Kolb.

Neun Millionen Euro für die Sanierung hat die Stadt nicht, sagt OB Barbara Bosch. Sie will das Ensemble deshalb an einen privaten Investor veräußern. Kolb dazu: „Da kann man noch so viele Auflagen machen. Wenn diese Häuser an einen Investor verkauft werden, sind sie zum Abbruch bestimmt.“ Denn die Sanierung sei dem Investor wohl wirtschaftlich nicht zumutbar. „Das wäre dann ein Totalverlust für Reutlingen.“

Vor zwei Jahren hatte Kolb mit der Stadtverwaltung bei den Vorbereitungen des Doppelhaushaltes 2013/14 über das Vorgehen in der Oberamteistraße beraten. Die Krux sei, dass niemand wisse, was an Kosten auf die Stadt zukomme, sagt er heute. In einem ersten Schritt, so hatte Kolb empfohlen, solle ein spezialisierter Facharchitekt die Schäden erfassen und einen Reparaturplan für die drei Häuser machen. Dafür war als erster Schritt eine Million Euro eingeplant.

Doch dann hat die Verwaltung die ersten Sanierungsraten auf Betreiben der CDU-Fraktion aus dem Doppelhaushalt genommen. Der Geschichtsverein fordert nun vehement, die einst beschlossene Nutzung der Häuser als Erweiterung des Heimatmuseums wieder in die Debatte aufzunehmen. Vereinsvorsitzender Wilhelm Borth beruft sich auf einen Gemeinderatsbeschluss von 1986/87 zur Erweiterung des Museums.

Dieser Beschluss sei seither kaum beachtet worden, daher sei das Heimatmuseum „baulich und konzeptionell ein Torso geblieben“, sagt Borth. „Man könnte in der Häuserzeile anschaulich Stadtgeschichte präsentieren“, findet auch Kolb. Dass das steinerne Eckhaus 1972 abgerissen wurde, sei sogar eine Chance. Denn hier könnte man in einem Neubau Brandschutz-Auflagen wie Fluchtwegen gerecht werden – und einen Vortragssaal einrichten, der dem Museum bisher fehlt. Im Obergeschoss der Häuser, das laut Kolb denkmalschützerisch unbedeutend sei, könnte dessen Verwaltung einziehen – die mittlerweile in die Adenauerstraße ausgelagert ist.

Borth verweist auf die einstige Konzeption einer Kulturmeile zwischen Marienkirche, Spendhaus, Rathaus und Tübinger Tor. Die fehle nunmehr in der Debatte. Er verweist auf die in Jahrzehnten vom Geschichtsverein angesammelten Exponate, die das Museum bisher nur unzureichend präsentieren könne. Borth verlangt daher eine moderne Museumskonzeption.

Der Vereinschef kritisiert die „allmähliche inhaltliche Kehrtwende“ der Stadtverwaltung. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Kommunalpolitik. Er hofft für die Sanierung auf bürgerschaftliches Engagement wie bei der Betzinger Zehntscheuer, fordert solidarische Anstrengung und einen Schulterschluss. Interessenten gebe es, aber alleine könne der Geschichtsverein das nicht stemmen, so Stadtführer Sven Föll.

Der Verein appelliert nun an die Entscheidungsträger, den seit Jahrzehnten anerkannten Erweiterungsbedürfnissen des Museums „die heute noch evidentere Priorität zukommen zu lassen“. Zumal sich hier Sanierungsbedarf und Nutzungskonzept optimal ergänzten. Oder, wie Kolb sagt: „Diese Häuser schreien danach, so genutzt zu werden.“

Geschichtsverein will Häuserzeile in der Oberamteistraße fürs Heimatmuseum nutzen
Seit das Eckhaus 1972 abgerissen wurde, müssen die verbliebenen drei Häuser der mittelalterlichen Zeile in der Oberamteistraße abgestützt werden. Doch die damals entstandene Lücke könnte sogar eine Chance sein, sagt Denkmalschützer Günter Kolb. Archivbild: Haas

Erwerb und Sanierung der denkmalgeschützten Häuserzeile in der Oberamteistraße durch die städtische Wohnungsgesellschaft GWG, wie sie die CDU-Fraktion im Gemeinderat fordert, ist nach Ansicht von Denkmalschützer Günter Kolb „die einzige Lösung“. Zwar gelten für die GWG dieselben Förder-Richtlinien wie für die Stadt. Demnach bekommt sie nur ein Drittel der denkmalbedingten Mehrkosten bei der nötigen Sanierung gefördert. Doch das Ensemble ist laut Kolb „eine solche Perle, dass man dafür Komplementärgelder von Stiftungen gewinnen kann“.

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04.12.2014, 12:00 Uhr

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