Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Gesichter vom Leben gezeichnet
Die Ausstellung zeigt 13 Porträts von Frauen. Foto: Club Manufaktur
Ausstellung

Gesichter vom Leben gezeichnet

In der Club-Manufaktur widmet sich eine Porträtreihe Frauen mit erschütternden Schicksalen.

21.10.2016
  • SABINE FISCHER

Schorndorf. Eine Frau in Jogginghosen sitzt auf einem Stuhl. Hinter ihr ein unscharfes Poster, ansonsten ist der Raum leer – nichts als ein Stuhl vor einer kargen Wand und zwei tiefliegende Augen in einem noch kärgeren Gesicht. Ihre Eltern hätten nur gesoffen, sich geprügelt, bis das Jugendamt vor der Tür stand. Als Mädchen sei sie im Heim gelandet, abgehauen und hineingefallen in eine Spirale aus saufen, feiern und kiffen. Die Frau blickt nicht in die Kamera, sondern schaut an ihr vorbei. Irgendwohin, von wo seltsam trübes Licht in ihr Gesicht fällt, auf ihrem Schoß kauert ein Kaninchen. Sie will weg. 2007 nimmt sie sich das Leben.

Das bedrückende Schwarz-Weiß-Portrait der „Frau M.“ aus Darmstadt ist eines der 13 Aufnahmen der Reihe „Frauen im Schatten“, die ab heute Abend um 19.30 Uhr in der Manufaktur in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) ausgestellt werden. Die kantigen Portraits des Stuttgarter Fotografen Heinz Heiss zeigen stumme, intime Lebensfetzen meist tragischer Biografien – Einblicke in destruktive Rand-Existenzen weit abseits der Gesellschaft. „Wir wollen den Frauen ein Gesicht und eine Stimme geben. Diesen Frauen, die unerkannt und unbeachtet in schwierigsten Umständen mitten unter uns leben“, erklärt Maria Nestele, Leiterin der Stuttgarter Frauenpension.

Bundesweit einmalig

Die Frauenpension ist der Ursprungsort jener Fotografien: Sämtliche Frauen, die auf Heiss‘ Bildern verewigt und von der Journalistin Kathrin Haasis zu ihren Biografien interviewt wurden, lebten zum Zeitpunkt der Aufnahmen in der Pension in Bad Cannstatt. Rund 50 Zimmer werden dort seit über 20 Jahren ohne große Auflagen an obdachlose Frauen vermietet, erzählt Sabine Reichle-Nolle, Vorsitzende der Manufaktur. Bundesweit sei die Institution in den Anfängen einzigartig gewesen.

Haasis' Texte und die Bilder dazu sind eindrücklich. Oft erzählen die kurzen Biografie-Abrisse in aller Härte von den traumatischen Erfahrungen der Frauen. Frau E. beispielsweise braucht den Alkohol „für die Fröhlichkeit“. Oder Frau N. – sie wurde „von einer Hure geboren“ und „gehalten wie ein Hund“. Mit 14 ging sie auf den Strich. Sabine Fischer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball