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"Der Vorstand will gar keine Einigung"

Gespräch mit erfahrenem Lufthansa-Piloten: Wird nicht der letzte Streik gewesen sein

Er weiß, dass die Lufthansa vor enormen Herausforderungen steht. Aber er sagt, dass das Management dies nicht ohne Rücksicht auf die Belegschaft durchdrücken kann. Ein Lufthansa-Pilot macht seinem Ärger Luft.

14.11.2015

Von ROLF OBERTREIS

Frankfurt Gestern war der vorerst letzte Streiktag bei Lufthansa. Aber es wird nicht der letzte sein. Da ist sich der 59jährige Lufthansa-Pilot sicher. In den vergangenen Tagen saß auch er des öfteren gezwungenermaßen zu Hause, weil die Kabinenbesatzung seiner Flüge mit dem Airbus A 380, dem Flaggschiff der Lufthansa, nach Amerika oder Asien gefehlt haben. Zu Recht, sagt der Pilot, der seit 40 Jahren bei Lufthansa und seit 24 Jahren Chef im Cockpit auf Langstreckenflügen ist. "Nach den Piloten und den Flugbegleitern wird auch das Bodenpersonal streiken", sagt der Pilot, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

So sieht er die Frage nach der Schuld: "Schon vor fünf Jahren wurde den Piloten unvermittelt gesagt: Die Lufthansa steht vor einem Teilabriss. Ihr werdet sie nicht wiedererkennen." Immer wieder seien Piloten, aber auch Flugbegleiter mit neuen Sparkonzepten konfrontiert worden, ohne dass man vorher mit ihnen gesprochen habe. Immer wieder habe der Vorstand Bedingungen nachgeschoben, obwohl man sich im Prinzip angenähert habe.

Piloten und Flugbegleiter sehen seiner Meinung nach durchaus die schwierige Lage der Lufthansa wegen der Billigflieger und der Konkurrenz der staatlichen Fluglinien vom arabischen Golf. "Wir wissen, dass es neuer Konzepte bedarf." Deshalb habe man Zugeständnisse gemacht. Aber der Vorstand schlage das immer wieder aus. Er wolle offenbar gar keine Einigung. "Es geht darum, wie man miteinander umgeht. So wie es seit einiger Zeit läuft, ist Krieg vorprogrammiert", wettert er und betont, dass das sehr viele seiner Kollegen und auch sehr viele Flugbegleiter so sehen. "Das Vertrauen in den Vorstand ist dahin."

Die Piloten bei der neuen Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings verdienten deutlich weniger, die Rede ist von bis zu 40 Prozent; sie können bei eventuellen Bedarf auch nicht mehr zur Lufthansa wechseln, alle drei Monate drohe ihnen die Versetzung. Krankheitstage würden mit Überstunden verrechnet. "Piloten werden maximal drei bis vier Jahre bei Eurowings bleiben. Außerdem wird es dort tendenziell die schlechtesten Piloten geben. Das ist auch ein Sicherheitsthema", sagt der 59jährige.

Er räumt zwar ein, dass auch die Gewerkschaften nach außen hin nicht immer ganz offen argumentieren. Prinzipiell aber sei es von beiden Seiten vor Jahren noch fair zugegangen. "Jetzt will der Vorstand sein Konzept ohne Wenn und Aber gnadenlos durchziehen. Es gibt keine Kompromissbereitschaft."

Verwundert ist der Pilot über manche Kostenrechnung. "Im Alltagsgeschäft wird Geld verbrannt." Es werde immer schwieriger, pünktlich abzufliegen, weil weniger Personal für die Beladung der Flugzeuge zur Verfügung stehe. "Wenn wir zehn Minuten zu spät abfliegen, müssen wir das in der Luft wieder aufholen. Dadurch steigen die Spritkosten bei einem Zehn-Stunden-Flug um mindestens 2000 Euro. Dafür könnte an am Boden ausreichend Personal einsetzen."

Einziger Ausweg ist seiner Ansicht nach eine Schlichtung. Ex-Finanzminister Theo Waigel habe allerdings im Sommer eine Schlichtung zwischen Vorstand und Piloten abgelehnt, weil der Vorstand keine Zugeständnisse machen wollte. "Vielleicht sollte man beide Seiten wie bei der Papstwahl ins Konklave stecken, bis sie sich einigen und weißer Rauch aufsteigt."

Bei der Lufthansa liegt der Vorstand auch mit den Piloten weiter im Clinch. Einer von ihnen schildert seine Sicht des Konflikts. Foto: dpa

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Erstellt:
14. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. November 2015, 12:00 Uhr

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