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Kommentar

Gesprächs- und Wohnraumbedarf

In Reutlingen fehlt bedarfsgerechter, bezahlbarer Wohnraum. Und das nicht erst seit gestern. Nicht nur die Zahl der Flüchtlinge steigt stetig, auch die Zahl der obdachlos gemeldeten Menschen in Reutlingen ist in den vergangen drei Jahren sprunghaft angestiegen. Auch junge Familien tun sich zunehmend schwer, eine passende Unterkunft zu finden.

27.05.2015
  • Uschi Kurz

Denn die wenigsten sind in der Lage, Eigentum zu erwerben, und preiswerte Mietwohnungen sind rarer denn je. Hinzu kommt der Trend, dass pro Erwachsenem viel mehr Wohnraum als früher benötigt wird, und die Tatsache, dass es immer mehr Einpersonenhaushalte gibt.

Da kommt es einem reichlich übertrieben vor, wie die Stadtverwaltung jetzt die Umsetzung ihrer Wohnbauinitiative 2025 als Erfolg feiert – nichts anderes wurde schließlich vor drei Jahren beschlossen. Zudem sagen diese Zahlen wenig über die Bedarfsgerechtigkeit dieser neuen Wohnungen aus. Thomas Ziegler legte denn in der Gemeinderatssitzung auch den Finger in die Wunde. Natürlich werde in Reutlingen gebaut, meinte der Linke, die Frage sei aber „wo herrscht hier Mangel?“. Durch Sanierungen seien beispielsweise in der Reutlinger Altstadt „hochpreisige“ Appartements entstanden. Für die vormals preiswerten Altstadtwohnungen aber gebe es keinen Ersatz.

An Vorschlägen, wie man die Wohnungsnot bekämpfen könnte, mangelt es jedenfalls nicht. Grüne, SPD und Linke haben seit Anfang des Jahres jeweils ganze Antragspakete eingereicht – keines wurde bisher bearbeitet. Die Instrumente, die sie vorschlagen, um beispielsweise den sozialen Wohnungsbau wiederzubeleben, werden von anderen Städten bereits erfolgreich praktiziert. Ob es sich dabei nun um das Münchner, das Ludwigsburger, das Stuttgarter oder das Frankfurter Modell handelt mit dem erreicht werden könnte, dass in künftigen Wohnbaugebieten 20 bis 30 Prozent Wohnraum mit Sozialbindung entsteht, ist letztlich egal.

„Die GWG kann das nicht alleine realisieren. Die Stadt wird selbst tätig werden müssen“, forderte SPD-Stadtrat Thomas Keck eine Wohnbaukonzeption. Grünen-Stadtrat Rainer Buck fand es begrüßenswert, dass nun endlich eine Wohnungsbaudebatte beginne. Allerdings vermisste er in dem Bericht zur Wohnbauinitiative Zahlen für die künftige Entwicklung. Und er bedauerte, dass die zahlreichen vorliegenden Anträge noch nicht aufgearbeitet wurden. Worauf Oberbürgermeisterin Barbara Bosch leicht säuerlich entgegnete, „wie wir es machen, ist es nicht recht“. Schließlich hätte man den Sachstandsbericht auch nur als Mitteilungsvorlage herausgeben können, „aber wir sind davon ausgegangen, es gibt Gesprächsbedarf“. Den gibt es in der Tat. Aber allein vom darüber Reden wird die Wohnungsnot nicht weniger.

Wie sagte die AWO-Geschäftsführerin Gisela Steinhilber, als unlängst im Verwaltungs- und Kulturausschuss die steigenden Obdachlosenzahlen Thema waren? „Kommunaler Wohnungsbau muss von der Politik gestaltet werden. Es reicht nicht, Anträge zu stellen – man muss auch Beschlüsse fassen.“ Dem ist nichts zuzufügen.

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27.05.2015, 12:00 Uhr

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