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Ruhiger und Schöner

Gestaltungsplan fürs Zinser-Dreieck

Keine Zebrastreifen, keine Ampeln, keine Verkehrsinseln: Fußgänger, Radfahrer, Autos und Busse werden in Zukunft an der Ecke Friedrichstraße / Poststraße ohne diese verkehrsordnenden Elemente miteinander klarkommen müssen. Wie, das haben der Runde Tisch und ein Planungsbüro zusammen erarbeitet.

26.07.2012

Tübingen. Es war ein ungewöhnliches Verfahren, mit dem ein Gestaltungsplan fürs Zinserdreieck erarbeitet wurde. Statt wie üblich Planungsbüros in einem Wettbewerb mit der Suche nach Lösungen zu betrauen, hat die Bauverwaltung zusammen mit Bürgern an einem Runden Tisch einen Entwurf erarbeitet. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Stadtplaner Tim von Winning.

Der Sprung ist geglückt: Die Vision der etwa 30 Teilnehmer des Runden Tisches setzte das Hamburger Büro Breimann und Bruuns in einen Plan um, dem der Gemeinderat am Montag zustimmte.

Diesem Plan zugrunde liegt die bereits vor drei Jahren beschlossene geänderte Verkehrsführung. Die sieht vor, dass die dann auf zwei Spuren verengte Friedrichstraße in beide Richtungen befahren wird. Wer von der Blauen Brücke herkommt, kann am Ende der Friedrichstraße nach wie vor nach rechts zur Eberhardsbrücke abbiegen oder nach links in die Karlstraße. Im Schlenker um das Trautweineck die Europastraße und dann weiter Richtung Rottenburg zu fahren, wird aber nicht mehr möglich sein, wenn der Busbahnhof einmal umgebaut ist. Hinterm Trautwein-Eck ist die Karlstraße weitgehend für den Verkehr gesperrt – lediglich einige Kurzzeitparkplätze sind geplant.

Die dritte Straße des Dreiecks ist die Poststraße. Auch sie darf künftig in beide Richtungen befahren werden. Wer also von der Blauen Brücke zum Bahnhof will, muss und darf dann nicht mehr umständlich das ganze Dreieck umfahren, sondern nimmt den direkten Weg.

Das Ziel der Änderungen formuliert Baubürgermeister Cord Soehlke so: „Aus dem öden, verkehrsdominierten Zinser-Dreieck wird ein Raum mit hoher Aufenthaltsqualität.“ Das war er bisher auch, allerdings nur für Autos. Vor allem in der stark befahrenen Friedrichstraße sind die Fußgänger an den Rand gedrängt. Und Radfahren ist so gut wie unmöglich. Durch die Verengung der Straße bekommen die Fußgänger entlang der Geschäfte auf der westlichen Seite mehr Platz – gut fünf Meter wird der Gehweg breit sein. Er setzt sich vor allem durch eine andere Pflasterfarbe von der Straße ab, bekommt aber auch einen niedrigen Bordstein.

Die helle Pflasterung der Gehwege führt am südlichen Ende der Friedrichstraße und am jetzigen Fußgängerüberweg in der Poststraße über die Straße – als so genannte „Brücke“. An diesen Stellen sollen Fußgänger die Straßenseite wechseln, allerdings ohne Ampeln.

So gut wie gar nicht mehr befahren wird die Karlstraße. Zwischen Poststraße und Trautwein-Eck gehört sie auf voller breite Fußgängern und Radfahrern. „Man muss eben aufeinander Rücksicht nehmen“, sagt Soehlke und ist sich sicher, dass das klappt. Einen ausgewiesenen Radweg hält er für keine gute Idee, denn nicht nur Autos, sondern auch Radfahrer sollen im gesamten Zinser-Dreieck langsam tun: 15 Stundenkilometer sind erlaubt.

Darum sind sich Soehlke und von Winning auch sicher, dass der neue Platz an der Ecke Friedrichstraße / Karlstraße relativ attraktiv sein wird. Gestaltet wird er mit Bänken und Bäumen sowie einem hellen Pflaster, das sich von der dunkleren Straße absetzt.

Pflastersteine in fünf Grautönen

Eine Idee des Planers ist, Pflaster in fünf verschiedenen Graustufen zu verlegen. Damit sind Farbverläufe möglich. So könnte der Belag der Friedrichstraße von Norden nach Süden immer heller werden. Machbar wäre das etwa mit einem fünfeckigen Pflaster, das dem Gestaltungsbeirat gut gefiel. Allerdings gibt es nun offenbar doch Bedenken gegen diese für Tübingen sehr ungewöhnliche Pflasterung: Die Gemeinderats-Entscheidung darüber wurde auf den Herbst vertagt.

Bis dahin werden auch die Kosten klarer sein, versprach Cord Soehlke. Bisher wird mit Ausgaben von „deutlich über fünf Millionen Euro“ gerechnet. Allerdings gehört der Bereich auch zum Sanierungsgebiet Südliches Stadtzentrum, wofür es Landesmittel in Höhe von zwei Millionen Euro gibt.

Lesen Sie dazu auch das "Übrigens" in der Donnerstagsausgabe des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs.

Gestaltungsplan fürs Zinser-Dreieck
Straßen mit Farbverlauf

Aus der Planung herausgehalten hat sich Oberbürgermeister Boris Palmer. Er begründete das mit der „politischen Erkenntnis, dass bestimmte Entscheidungen immer nur von anderen getroffen werden können“. Ihm werde ständig vorgeworfen, er behindere den Autoverkehr – zum Beispiel durch die Verhinderung einer grünen Welle. „Daran habe ich aber nie etwas geändert“, sagt Palmer. Das Gelingen der neuen Gestaltung des Zinserdreiecks sei deswegen nur geglückt, weil er nicht mitgearbeitet habe. Federführend hat Baubürgermeister Cord Soehlke das Thema geleitet, unterstützt wurde er von Stadtplaner Tim von Winning und von Leslie Sawyerr von der städtischen Stabsstelle Südliches Stadtzentrum.

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26.07.2012, 12:00 Uhr

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