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Fluss soll erlebbar werden

Gestaltungswettbewerb für die Platanenallee

Die Platanenallee gehört zum Stadtbild, ja zur Postkartenansicht Tübingens wie die Neckarfront. Doch die Lebensdauer der Bäume neigt sich dem Ende zu. Was tun? Und wie lässt sich die Insel noch schöner gestalten? Antworten sollen jetzt in einem Ideenwettbewerb gefunden werden.

10.10.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. So viel Überschwang wie am Montagabend war selten in einer Sitzung des Planungsausschusses des Tübinger Gemeinderats. Die Platanenallee liegt den Stadträten hörbar am Herzen. Sie habe einen „emotionalen Mehrwert“ und „stiftet in dieser Stadt Identität“, sagte beispielsweise Hannah Tiesler (SPD). Bruno Gebhart-Pietzsch (AL/Grüne) sprach von einer „sehr wertvollen Attraktion Tübingens“. Und Baubürgermeister Cord Soehlke nannte die Allee „einen der wichtigsten Freiräume in Tübingen“, auch wegen „seiner hohen Bildqualität“.

Doch mit dem Prunkstück geht es zu Ende. Die im Jahr 1820 gepflanzten Platanen „haben eigentlich ihre Lebensdauer erreicht“, der Stand sei nicht mehr lange sicher, sagte Soehlke. Zwar könnten die Bäume als einzelne auch 300 Jahre alt werden, aber nicht bei der Belastung auf der Neckarinsel und mit dem hohen Grundwasserstand. Es bestehe Handlungsbedarf: „Wir glauben, dass uns das Sicherheitsproblem in den nächsten zehn Jahren einholen wird.“ Dann seien Absperrungen nötig, die aber niemand haben will. Gebhart-Pietzsch drängte daher ebenfalls zum Handeln: „Katastrophal wäre, wenn die Allee eingezäunt werden müsste, weil wir nicht gehandelt haben.“

Offen ist, ob die Allee in einigen Jahren komplett abgeholzt und neu aufgeforstet werden muss oder ob das Nachpflanzen einzelner Platanen möglich ist. Tiefbauamtsleiter Albert Füger hält das allerdings nicht für möglich. Offen sind auch die Kosten. Klar ist dagegen, dass Verwaltung und Stadträte die Neckarinsel gestalterisch noch aufwerten wollen. „Der planerische Spielraum dafür ist größer als zunächst gedacht“, freute sich Soehlke. Deshalb gibt die Verwaltung nun einen landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb für 2013 in Auftrag. Der kostet 60 000 Euro. Eine Gesamtstrategie eröffnet aber auch die Chance auf Fördermittel.

Ziele sind ein Konzept und eine offene Diskussion über Aufgabe und Entwicklung der Platanenallee. Aus der Not des schlechten Baumzustandes soll eine gestalterische Tugend werden. Denn das „städtebauliche Potenzial ist nicht ausgeschöpft“, sagte Soehlke. Zum Beispiel solle am Eingangsbereich der Platanenallee „der Fluss erlebbar gemacht werden“ – etwa durch eine Treppe zum Wasser hin.

Bereits vor einem Jahr hatte die Verwaltung zwei Landschaftsarchitekten mit der Ausarbeitung von Vorschlägen beauftragt. Doch den jeweils drei Maßnahmenvarianten, die am Montag gezeigt wurden, fehlte der rote Faden eines Konzepts für die Platanenallee. Diesen soll nun der Ideenwettbewerb liefern.

Gleichwohl liefern die Entwürfe laut Verwaltung „erste Ansätze“ für zwei wichtige Punkte: die Wegegestaltung und die Erschließung des Ufers. Klar ist demnach, dass der breite Mittelweg zwischen den Platanen die Bäume zu sehr belastet. Ein Lösung wäre die Sperrung des Wegs, eine andere eine deutliche Verschmälerung. In beiden Fällen würde der nördliche Weg direkt am Neckar vergrößert. Unterschiedliche Meinungen bestehen zum Mittelweg. Gottfried Gehr (WUT) möchte den Mittelweg auf alle Fälle erhalten und mit Stämmen abgrenzen. Die WUT stellte den Antrag: „Wenn schon zum Schutz der Platanen die Allee von sieben Metern auf vier Meter Breite zurückgebaut wird, dann beantragen wir keine Steine zu verwenden – geschätztes Gesamtgewicht ca. 40 Tonnen – sondern Holzstämme.“ Soehlke lehnte das aus gestalterischen Gründen ab.

Besser als bisher soll das Ufer erschlossen werden. Trampelpfade zwischen der Hecke zeugen vom Wunsch, das Wasser zu erreichen, berichtete Soehlke. In den vorgestellten Skizzen finden sich als Anregung sowohl Treppen zum Fluss als auch einzelne kurze Stege. Doch zunächst einmal soll das Gesamtkonzept her.

Gestaltungswettbewerb für die Platanenallee
Die Tübinger Platanenallee ist nicht allein im Herbst ein Schmuckstück. Noch führt ein breiter Weg hindurch.

Die Platanenallee wurde 1820 gepflanzt, damals noch nicht auf einer Insel. Diese entstand erst 1910/11 durch eine Korrektur des Neckars. Seitdem sind die Platanen einem höheren Grundwasserstand ausgesetzt. Zugleich wuchs die Belastung durch Fußgänger- und Fahrverkehr bei Veranstaltungen stetig. Diese wurden deshalb vor Jahren in der Allee verboten.

Ebenfalls seit einigen Jahren überprüft der Baumgutachter LotharWessoly die Standsicherheit der Platanen regelmäßig. Die Wackelkandidaten sind mit Seilen miteinander verbunden. Die Kommunalen Servicebetriebe (KST) schauen wöchentlich nach Totholz. 2008 wurde die Stadt vom Gutachter aufgefordert, die Wurzelanläufe zu schützen. So kam eine Wegverschmälerung auf die Tagesordnung. Doch Verwaltung wie Gemeinderat wollten das Thema grundsätzlicher angehen.

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10.10.2012, 12:00 Uhr

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