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Ehemaliges Sidler-Areal soll „Neckarbogen“ werden

Gesucht: der Wohlfühlmix

Industriebrachen gab und gibt es in Tübingen nicht viele. Deshalb dauert es meist nicht lange, bis die aufgelassenen Werkhallen Neubauten weichen müssen. Das Majer-Gelände im Westen, Egeria im Osten, Wurster & Dietz im Süden – überall sind neue Quartiere entstanden. Und jetzt ist das Sidler-Areal dran.

05.09.2012

Tübingen. Eine Töpferwerkstatt, die Galerie eines Reutlinger Kunsthändlers, im Keller die alten Insolvenz-Akten des Amtsgerichts. Nebenan die Neckar-Werft „Plan und Tat“, dazu die Container-Kita der Kokon gGmbH und neuerdings die Hauptverwaltung der LWV Eingliederungshilfe nebst Behindertenwerkstatt: Auf dem ehemaligen Sidler-Areal zwischen Bismarck- und Schaffhausenstraße sind in den vergangenen Monaten viele Firmen und Nutzer untergekommen. Und auch Kulturveranstaltungen gab es in den ehemaligen Werkhallen schon.

Gesucht: der Wohlfühlmix
Ingrid Schneider-Hofmann und Florian Danner von der Objektgesellschaft Bismarckstraße mit dem Bebauungsplan-Entwurf auf dem Sidler-Dach.

„Wir sind in der Zwischennutzungsphase“, sagt Ingrid Schneider-Hofmann. Die Tübinger Steuerberaterin steht zusammen mit dem hiesigen Architekten Florian Danner an der Spitze jener Objektgesellschaft Bismarckstraße, die das 2,2 Hektar große Industriegelände Ende 2010 für zwei Millionen Euro gekauft hatte. „Neckarbogen“ heißt das Gelände seither, für das die Investoren mit einem Planungswettbewerb und etlichen Gutachten inzwischen ein städtebauliches Konzept erarbeitet haben. Gegliedert in drei Bereiche sollen entlang der Bismarck- und der Schaffhausenstraße Wohnhäuser, Gewerbeeinheiten und ein Quartiersplatz nebst siebenstöckigem Gebäude entstehen.

„Das wird eine tolle Geschichte“, lobt Architekt Danner auch den städteplanerischen Entwurf seiner beiden Tübinger Kollegen Mathias Hähnig und Martin Gemmeke. Als Sieger des Wettbewerbs gelang es ihnen, den „Neckarbogen“ durch Wegebeziehungen zwischen Bismarck- und Schaffhausenstraße aufzubrechen und gleichzeitig an der Brückenstraße für eine Anbindung des Güterbahnhof-Areals zu sorgen.

Der entsprechende Bebauungsplan wird, so schätzt Danner, aber frühestens kommenden März rechtskräftig werden. Der Objektgesellschaft beschert diese Tatsache vorläufig noch eine Zeit, in der sie nur mit angezogener Handbremse arbeiten kann. „Es gibt schon potente Anfragen, aber wir wollen mit der Vermarktung erst richtig anfangen, wenn der Bebauungsplan beschlossen ist“, sagt Schneider-Hofmann. Danner ergänzt: „Wir haben noch etwas Klärungsbedarf mit der Stadt.“

Nur wilde Partys sind vorläufig tabu

Gesucht: der Wohlfühlmix
Die LWV Eingliederungshilfe (ehemals Landeswohlfahrtsverband) hat ihre Verwaltung im „Neckarbogen“ konzentriert (1). Daneben entsteht derzeit eine Behinderten-Werkstatt mit Kantine (2). Insgesamt 80 Arbeitsplätze werden so unmittelbar am neuen Quartiersplatz (3) geschaffen, der im Nordwesten an ein siebenstöckiges Wohn-und Geschäftshaus grenzt (4).

Konkret geht es um Grundstücks-Tauschgeschäfte, die am Westende des Geländes, auf Höhe des Neckarstauwehrs, der Objektgesellschaft etwas mehr städtebaulichen Spielraum bieten sollen. Dafür würde die Stadt am Ostende mehr Raum für eine dort geplante Straße gewinnen, die als neue Verbindung zwischen Schaffhausen- und Bismarckstraße die Verkehrsberuhigung letzterer entlang des Neckarbogens ermöglichen soll.

Bis solche Dinge geklärt sind und die Abriss-Genehmigungen für weitere Hallen und Gebäudeteile vorliegen, wollen die Investoren das Gelände auch weiter für Zwischennutzungen vermieten. „Wir haben nichts gegen Konzerte oder Ausstellungen in unseren Gebäuden“, sagt Schneider-Hofmann. Nur wilde Partys vertrügen sich mit der Nachbarschaft nicht so gut. Schließlich wolle man es sich mit den Bewohnern angrenzender Häuser ja nicht verderben. Danner: „Eine geplante Halloween-Party mit Blutdusche haben wir abgelehnt.“

Was nicht heißt, dass man im Neckarbogen kreative Nutzungen grundsätzlich ablehnen will. Im Gegenteil: In einem bestehenden Gebäude wollen die Vermarkter jungen Firmen und Gründern mit einer guten Geschäftsidee auch günstigen (Spiel-)Raum bieten. Flächen um die 450 Quadratmeter sollen beispielsweise für eine Rohbaumiete von etwa sechs Euro pro Quadratmeter zu haben sein.

„Wir wollen, einen Mix, indem man sich wohlfühlen kann“, sagt Danner. Ein Ansatz, der bisher offenbar klappt. Viele der aktuellen Nutzer, wie beispielsweise die Bootsbauer von Plan und Tat, wollen dem Gelände langfristig verbunden bleiben. Und für die Kokon-Kita sind am späteren Quartiersplatz sogar schon neue Räume detail-geplant.

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05.09.2012, 12:00 Uhr

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