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Kommentar zur DNA-Spur im Mordfall Peggy

Gesundes Misstrauen

28.10.2016
  • CHRISTOPH FAISST

Ulm. Vielleicht passte alles einfach zu gut. Nach allen dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeschriebenen Taten wäre der Mord an der 2001 spurlos verschwundenen Peggy die letzte Monstrosität gewesen, die perfekt ins Bild der Terrorzelle, die jahrelang unbehelligt ihre Blutspur ziehen konnte, gepasst hätte. Doch nun sieht es so aus, als ob der an Ermittlungspannen ohnehin nicht arme NSU-Komplex schlicht um eine Blamage reicher ist. Denn schon einmal, nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter, hatte die Polizei jahrelang das „Phantom von Heilbronn“ gejagt, bis sich diese „Frau ohne Gesicht“ als harmlose Mitarbeiterin des Herstellers der zur Spurensicherung verwendeten Wattestäbchen entpuppte.

Sollte es sich tatsächlich um die Wiederholung einer ähnlichen Schlamperei handeln, so zeigt dies: DNA-Spuren können in die Irre führen – nicht weil die DNA-Analyse als solche unzuverlässig wäre, sondern weil Treffer voreilig bejubelt werden, weil bis dahin niemand die Übertragung einer Gen-Spur über ein Werkzeug der Polizei für möglich gehalten hat.

Der Fall Peggy gehört zu jenen ungeklärten Verbrechen, die das Land bis heute umtreiben. Das erhöht den Druck auf die Fahnder ebenso wie die Neigung der Öffentlichkeit, aufzuatmen, weil endlich ein – und sei es nur ein toter – Täter gefunden ist.

Die DNA-Analyse hat die Kriminaltechnik in den vergangenen 25 Jahren enorm vorangebracht. Weil sich selbst kleinste Spuren analysieren lassen, können Fälle geklärt werden, deren Akten viele Jahre offen blieben: Täter wurden ermittelt, zu Unrecht Verdächtigte entlastet. Doch der jüngste Fall mahnt: Sicher ist nichts, gesundes Misstrauen schadet niemals.

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28.10.2016, 06:00 Uhr

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